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Allzu süsse Träume

Huge Jackman spielt die Hauptrolle in «The Greatest Showman». Doch wie kitschig darf eine Biografie verfilmt werden?

P. T. Barnum (Hugh Jackman) war ein Pionier des Showgeschäfts.
P. T. Barnum (Hugh Jackman) war ein Pionier des Showgeschäfts.

Um angemessen in Musicalstimmung zu kommen, ein tiefes Durch­atmen kurz vor Filmbeginn. Wir wissen ja, was uns erwartet bei diesem Genre: viel Ge­sang und Tanz und Musik, dazu eine gehörige Portion Kitsch und grosse Sehnsüchte. Die Hoffnung auf Tiefgang ­vergessen wir also getrost, jetzt wollen wir träumen. So wie bei «Mary Poppins» oder beim Oscar­abräumer «La La Land».

Bei «The Greatest Showman» funktioniert das allerdings nicht. Denn die Sache mit dem Kitsch ist eine Gratwanderung – und Regie-Neuling Michael Gracey dabei abgestürzt. Statt träumerisch ist sein Film einfach nur berechnend. In einer frühen Szene verliert etwa der Protagonist (Hugh Jackman) seinen Job und kehrt geknickt heim zur Familie auf die Dachterrasse über New York. Dort hängt seine Frau (Michelle Williams) im Vollmondschein gerade weisse Leintücher auf. Nur Augenblicke später hat der Mann den Geistesblitz für seine beruf­liche Zukunft und wirbelt die Frau vor dem überdimensionierten Mond glückselig durch die Luft. Klingt unfreiwillig komisch, ist hier aber komplett ironiefrei gemeint.

Dabei wäre der Plot prädestiniert für eine Musicalverfilmung. Erzählt wird der Aufstieg des – realen – P. T. Barnum (Jackman) zum grössten Showman des 19. Jahrhunderts. Der Amerikaner erlangt Ruhm, indem er Freaks wie eine bärtige Frau in einem Zirkus auftreten lässt. Die Aussage des Films, dass jeder Mensch einzigartig sei, wird penetrant wiederholt, bis es nur noch nervt. Zudem ist die Produktion mutlos – selbst die Freaks sehen alle gut aus und tanzen und singen auch so.

Apropos Tanz und Gesang: Dass der Wolverine-Darsteller Jackman beides kann, wissen wir seit seiner Hauptrolle in der Musical­verfilmung «Les Misérables». Die modernen Popsongs des oscarprämierten Autorenduos Benji Pasek und Justin Paul («La La Land») sind eingängig und inzwischen für Golden Globes nominiert. Blöd nur, sind die Figuren zu platt, um zu interessieren, und die Lieder zu abgeschliffen, um zu berühren. Dieses Musical möchte ein Traum sein, ist in seinem offensicht­lich auf Erfolg schielenden Übereifer aber ein Albtraum geworden.

In diversen Kinos

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