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Als die Bomben flogen

1973 putschte das Militär in Chile und Italien nahm 600 Chilenen auf. «Santiago» zeigt, was heute nicht möglich wäre.

Bewaffnet mit Maschinengewehren und Pistolen: Allende (mit Brille) im Präsidentenpalast.
Bewaffnet mit Maschinengewehren und Pistolen: Allende (mit Brille) im Präsidentenpalast.

Als der chilenische Arzt und Sozialist Salvador Allende am 3. November 1970 sein Amt als Staatspräsident antrat, stellten sich Linke die Frage: «Ziehen wir unser Ding durch? Oder gehen wir vorsichtig vor, um die Bourgeoisie nicht zu erschrecken?»

Allende liess Chiles Bodenschätze verstaatlichen, ausländische Grossunternehmen enteignen, und bei seiner Agrarreform gingen 20000 km2 Fläche in den Besitz von Bauern und Kollektiven über. «Das Land war verliebt in Allende», sagt ein damaliger Augenzeuge heute, «in Chile herrschte Freude wie noch nie.»

Bomben auf den Palast

Sie währte kurz: Am 11. September 1973 putschte die Armee gegen die Regierung und bombardierte den Präsidentenpalast. Man stelle sich vor, die Schweizer Armee bombardiere das Bundeshaus. Danach errichtete General Augusto Pinochet eine Militärdiktatur, die bis März 1990 andauerte. 40 000 Menschen wurden in einem Fussballstadion zusammengetrieben, viele von ihnen gefoltert; 3197 Ermordungen sind belegt – wie viele mehr es waren, darüber wird bis heute gestritten.

Nur ein Land anerkannte die Militärjunta nicht: Italien. In der italienischen Botschaft in Santiago fanden im Lauf der Jahre 600 Chilenen Zuflucht. Davon erzählt Nanni Moretti in seinem Dokumentarfilm «Santiago, Italia». Zu Wort kommen nicht nur gefolterte Chilenen, die nach Italien auswandern konnten, sondern auch zwei Militärs, die von Folterungen und Ermordungen nichts wissen wollen: Sie hätten einen Bürgerkrieg verhindert und die Demokratie wiederhergestellt, sagen sie.

Man habe ihn damals in Italien mit offenen Armen empfangen, erzählt ein Exilchilene. Im Italien von heute sei das unvorstellbar. Und damit wird auch klar, warum Moretti gerade jetzt diesen Film gedreht hat.

Arthouse Uto Kalkbreitestr. 3 18.25 Uhrwww.arthouse.ch

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