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Am schönsten ist die Kinoliebe

Ob Blindheit, Krankheit oder Altersunterschied: Wenn sich der Liebe Hindernisse in den Weg stellen, blüht sie erst so richtig auf. Das zeigen unsere drei Liebesfilm-Tipps.

«Radiance»: Die Schreiberin und der Fotograf – eine Liebe mit Stolpersteinen.
«Radiance»: Die Schreiberin und der Fotograf – eine Liebe mit Stolpersteinen.

Radiance

Von Naomi Kawase, Jap/F 2017; 101 Min. Misako schreibt Audiodeskriptionen zu Filmen, so dass sich Blinde vorstellen können, was auf der Leinwand passiert. In einer Gruppe werden die Texte zuerst getestet. Dabei ist auch ein ehemaliger Fotograf, der allmählich erblindet. Dessen harsche Kritik verletzt Misako erst, doch dann schlägt die Verletzung in Anziehung um. Die Liebesgeschichte zwischen der Schreiberin und dem Fotografen wirft grosse Fragen um Kunst und Vergänglichkeit auf. Der Film findet mit Gegenlicht-Aufnahmen, Unschärfen und Sonnenuntergängen eine flirrende Bildsprache dafür, die jedoch manchmal knapp am Kitsch vorbeischrammt. (pos) Arthouse Movie

The Big Sick

Von Michael Showalter, USA 2017; 120 Min. Kumail (Kumail Nanjiani), ein pakistanischer Einwanderer, hat mit Religion nichts am Hut, aber seiner muslimischen Familie zuliebe befolgt er vordergründig die strengen Sitten und Rituale. Eines Nachts lernt er die Hippietochter Emily (Zoe Kazan) kennen – und weiss, dass er sie niemals den Eltern wird vorstellen können. Das ist der Stoff, aus dem Liebeskomödien sind, und als solche funktioniert «The Big Sick» bestens. Aber Hauptdarsteller Kumail Nanjiani bringt seine eigene Liebesgeschichte ein (er schrieb mit seiner Frau auch das Drehbuch). Plötzlich gehts um viel mehr als in den geschliffenen Hollywoodkomödien, eigentlich um Leben und Tod. Doch keine Angst, lustig bleibt es trotzdem. (ml) Arthouse Piccadilly.

On Body and Soul

Von Ildiko Enyedi, Un 2017; 116 Min. Wo Kühe geschlachtet werden, entwickelt sich eine zarte Liebschaft: Endre (Géza Morcsányi), fast schon pensioniert, ein Arm gelähmt, arbeitet als Finanzdirektor einer Grossmetzgerei. Da fängt im Betrieb eine neue Qualitätskontrolleurin (Alexandra Borbély) an. Sie ist wunderschön, aber viel jünger und anscheinend autistisch veranlagt. Die beiden haben kaum etwas gemeinsam – ausser, dass sie jede Nacht denselben Traum träumen. Ein tief berührender Liebesfilm mit wunderschönen Bildern ist das, aber nichts für Zartbesaitete: Die ungarische Regisseurin Ildiko Enyedi («Mein 20. Jahrhundert») zeigt schon mal in allen blutigen Details, wie einer Kuh der Kopf abgesägt wird. Dafür gabs vergangenen Februar in Berlin den Goldenen Bären. (ggs) RiffraffInterview mit der Regisseurin siehe hier.

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