Amazing Grace

Die Doku «Grace Jones» zeigt die Künstlerin als streitbare Diva – aber auch als Familienmensch.

Wer ist die Frau unter der Haube?

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Sie komme aus einer «whole other world»: Das sagt Grace Jones auf der Bühne, wo sie all die Facetten ihrer Kunstfigur ausbreitet und mit extravaganten Outfits, Hula-Hoop-Reifen-Tänzen und Totenschädeln ihre Songs performt. Die ganz andere Welt: Das ist Jamaika, ihre Heimat, ihre Familie. Und sie ­müsse nun, sagt Grace Jones ihren Fans, die nach der Show um Autogramme betteln, genau dorthin. Denn: «Meine ­Mutter wartet auf mich.»

Der Film «Grace Jones: Bloodlight and Bami» von Sophie Fiennes, die einst den Philosophen Slavoj Žižek in «The Pervert’s Guide to Cinema» (2006) über die Kino­geschichte referieren liess, verbindet diese Welten und Lebenslinien – ganz ohne Off-Stimmen oder Expertenmeinungen, die Musikdokus nicht selten zu einem zweifel­haften Unterfangen machen. Man sieht, wie Jones’ Songs wie «William’s Blood» oder «Slave to the Rhythm» aufführt, wie sie in einer französischen TV-Show die Discoversion von Edith Piafs «La vie en rose» präsentiert und dann den Regisseur der Show zusammenfaltet: Jones wehrt sich gegen die Choreografie, die sie wie eine Puffmutter, wie eine «lesbian madam» erscheinen lasse.

Es ist aber auch eine Grace Jones zu sehen, die alles Divenhafte verliert, wenn sie durchs jamaikanische Hinterland fährt, die Orte ihrer Kindheit besucht und erzählt, wie sie von ihrem Grossvater, bei dem sie aufgewachsen ist, geschlagen und missbraucht wurde. Man sieht auch, wie sie mit ihrer strenggläubigen Familie die Freikirche aufsucht, wo ihre geliebte Mutter Marjorie einen Sermon anstimmt. Und wie die 69-Jährige mit den Reggae-­Legenden Sly & Robbie ihr bislang letztes Studioalbum «Hurricane» aufnimmt und auch auf der Leinwand eine Wucht entfaltet, die atemraubend ist.

Houdini
Badenerstr. 173
www.kinohoudini.ch
11.30 Uhr, 18.40 Uhr

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2018, 16:49 Uhr

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