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Amerika hat ausgeträumt

Vom jungen Star zum abgetakelten Drogenwrack: Dieser Dokumentarfilm nimmt Elvis Presley als Metapher für den Aufstieg und Fall der USA.

Die Filmcrew klapperte die Lebensstationen von Elvis ab: mit seinem alten Rolls-Royce.
Die Filmcrew klapperte die Lebensstationen von Elvis ab: mit seinem alten Rolls-Royce.

Elvis Presley schwitzt. Torkelt. Sein Gesicht ist aufgedunsen von den Tabletten. Vorbei die Zeiten des Triumphs, sein letztes Konzert ist nur noch eines: himmeltraurig. Hier setzt der amerikanische Dokumentarfilmer Eugene Jarecki («Why We Fight») an. Diesen Zustand Elvis’ – darauf muss man zuerst einmal kommen – vergleicht er mit den heutigen USA, verdrogt und dem Untergang geweiht auch sie, so die These.

Dabei beginnt alles wie ein spassiger Roadtrip. Die Filmcrew klappert mit Elvis’ altem Rolls-Royce dessen biografische Stationen quer durchs Land ab. Gäste wie Alec Baldwin und Ethan Hawke, aber auch alte Weggefährten und Ex-Freundinnen steigen ein und aus, sinnieren über Elvis und den amerikanischen Traum. Oft auch wird es richtig eng im Wagen, weil sich ganze Bands mit ihren Instrumenten auf die Rückbank zwängen, und während draussen die Landschaft vorbeizieht, wird drinnen so leidenschaftlich drauflosmusiziert, dass man am liebsten dazusteigen möchte.

Elvis was a hero to most. But he never meant shit to me

Aus dem Public Enemy-Song «Fight the Power»

Zum Glück haben auch Kritiker wie Chuck D Platz. Und so wird, genau, seine berühmte Zeile «Elvis was a hero to most. But he never meant shit to me» aus dem Public-Enemy-Song «Fight the Power» verhandelt. Es ist eine Stärke des Films, dass auch Aussagen von Mitfahrern, die anderen ganz offensichtlich widersprechen, unkommentiert stehen gelassen werden. War es beispielsweise verwerflich oder in Ordnung von Elvis, dass die meisten seiner Hits Songs schwarzer Musiker waren, er sich aber nie für deren Rechte eingesetzt hat?

Die Aussagen der Gäste sind politisch manchmal fast unheimlich treffsicher. Das liegt wohl daran, dass die Dreharbeiten im Jahr 2016 stattfanden, fast 40 Jahre nach Elvis’ Tod und auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs von Trump gegen Clinton. Natürlich ist Regisseur Jareckis progressive politische Haltung offensichtlich, dennoch gelingt ihm eine feine politische Bestandsaufnahme des Landes. Das macht Spass und nachdenklich zugleich, was nicht zuletzt auch am toll montierten (Archiv-)Material liegt. Und ja, die Parallelen zwischen dem ehemaligen Superstar und der ehema­ligen Supermacht sind tatsächlich erstaunlich, auch wenn die Metapher manchmal überstrapaziert wird.

Riffraff Langstr./Neugasse 18.20 Uhr, Do–Mi (ausser So) 21 Uhr, Sa / So 14.30 Uhrwww.riffraff.ch

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