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Angriff auf allen Ebenen

Regisseur José Padilha ist eigentlich ein Spezialist für Actionfilme. Aber in «7 Days in Entebbe» handelt er die berühmte Flugzeugentführung fast stiefmütterlich ab.

Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) und Wilfried Böse (Daniel Brühl) entführten 1976 Flugpassagiere nach Uganda.
Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) und Wilfried Böse (Daniel Brühl) entführten 1976 Flugpassagiere nach Uganda.

Heimlich von Israel nach Uganda fliegen, in einer Blitzaktion die Geiseln befreien, heldenhaft zurückkehren aus Entebbe. Was in der Nacht zum 4. Juli 1976 israelische Elitesoldaten vollbrachten, dient der Legendenbildung. In den Spiel­filmen, die danach entstanden, tummelten sich Action-Haudegen wie Charles Bronson, Klaus Kinski und Richard Dreyfuss. Und als nun die britische Produktionsfirma Working Title den Brasilianer José Padilha als Regisseur einer Neuversion verpflichtete, schien die Stossrichtung klar zu sein: Der hatte in seinen zwei «Tropa de Elite»­-Filmen die knall­harte Arbeit der Staatsgewalt gegen die Drogenmafia zelebriert.

«Die Militäraktion hat mich wenig interes­siert», sagt aber der Regisseur nach der Filmpremiere an der Berlinale. Und tatsächlich: Er legt den Fokus auf die beiden an der Entführung beteiligten deutschen Terroristen (gespielt von Daniel Brühl und Rosamund Pike). Und auf die israelischen Politiker Shimon Peres (Eddie Marsan) und Jitzchak Rabin (Lior Ashkenazi), die sich verbale Ränkespiele liefern. Dazu schneidet Padilha Szenen aus einer modernen Tanzaufführung. Das ist etwas viel des Guten.

Brisant ist der Film trotzdem. Denn Anführer des Militärkommandos war Yonathan Netanyahu, der bei der Aktion ums Leben kam und dessen Tod das Fundament der politischen Karriere seines Bruders, des aktuellen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, war. Im Film wird Yonathan aber nicht als Held präsentiert, sondern als Hitzkopf, der die Aktion beinahe gefährdet hatte. Was in Israel nicht gut ankommt.

«Kritiker sagen, ich stünde auf der Seite der Terroristen. Das ist Blödsinn, ich habe recherchiert und stehe auf der Seite der Wahrheit», sagt Padilha dazu. Das tönt nach Floskel, und sein Film ist zu überfrachtet, um diese Wirkung voll zu entfalten. Aber der Regisseur hat seine Hausaufgaben gemacht. Zum Beispiel, wenn er zu bedenken gibt: «Die Aktion gilt als gelungen, weil sie fast keine Opfer forderte. Aber Ugandas Diktator Idi Amin hat unmittelbar nach der Tat 245 kenianische Staatsbürger in seinem Land umbringen lassen, weil er dachte, ­Kenia sei an der Aktion beteiligt gewesen. Von ihnen spricht niemand.»

In diversen Kinos

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