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«Arthouse-Filme sind die Zukunft»

Der isländische Regisseur Hlynur Palmason spricht über Trauer. Und sagt, was ihn an Streamingdiensten stört.

Ein Verdacht wirft diesen Mann aus der Bahn: Seine Enkelin leidet darunter.
Ein Verdacht wirft diesen Mann aus der Bahn: Seine Enkelin leidet darunter.

In Ihrem Drama trauert ein Ex-Polizist um seinen tödlich verunfallte Frau. Wie recherchiert man ein Thema wie Trauer?

Es ist eher so, dass ich mich für Einflüsse öffne, sobald ich mich mit etwas beschäftige. Ich habe zum Beispiel sofort registriert, wenn ein Buch über Verlust herauskam oder ein neues Album von Nick Cave. Ähnlich wie damals, als meine Frau schwanger wurde, ich habe überall nur noch schwangere Frauen gesehen. Auf einmal nimmt man gewisse Dinge stärker wahr.

Ich denke, meine Art von künstlerischem Kino ist ein bisschen anders, als man es sonst aus dem Norden kennt.

Hlynur Palmason

Hatten Sie Einflüsse? Sie haben auf 35-mm-Film gedreht, die Bilder sind fantastisch.

Der grösste Trigger für mich war ein Gedicht, überschrieben mit «Hassgedicht auf einen Toten». Der Autor hat eine geliebte Person verloren und hasst sie gleichzeitig, weil sie nicht mehr da ist. Diese Entdeckung hat mich richtiggehend befeuert.

Sie haben in Ihrer Heimat Island gedreht, Ihr Debütfilm «Winter Brothers» war eine dänische Produktion. Wo steht das nordische Kino heute?

Als wir «Winter Brothers» den Geldgebern gezeigt haben, fanden die ihn sehr seltsam. Sie mochten ihn überhaupt nicht. Dann hat er aber praktisch alle Filmpreise in Dänemark gewonnen. Ich denke, meine Art von künstlerischem Kino ist ein bisschen anders, als man es sonst aus dem Norden kennt. An Festivals werde ich vor allem über Lars von Trier und Ingmar Bergman ausgefragt, dabei bin ich nicht einmal Skandinavier.

Die Bilder haben eine eigene Sprache: A White, White Day von Hlynur Palmason

«Winter Brothers» lief 2017 im Locarno-Wettbewerb und hat stark beeindruckt, seither ist der Film verschwunden. Kann man ihn wenigstens streamen?

Bei uns ist er auf Amazon, aber ich habe keine Ahnung, wie die Leute den Film finden sollen. Die Streamingangebote dieser riesigen Konzerne sind nicht auf Arthouse-Produktionen ausgerichtet. Dabei sind gerade diese die Zukunft des Kinos.

Wieso das?

Denken Sie an Christopher Nolan, der Blockbuster wie «Dunkirk» dreht. Ihn inspiriert das Hardcore-Kunstkino, von Andrei Tarkowski bis Robert Bresson. Dieses Kino müssen wir pflegen.

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