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Bäume sind cool und solidarisch

«Das geheime Leben der Bäume» ist eine Dokumentation über Bäume. Klingt öde? Kein bisschen!

Weiss was Bäume mögen: Peter Wohlleben.
Weiss was Bäume mögen: Peter Wohlleben.

«Bäume sind unendlich langsam.» Das sagt einer, der es wissen muss: Peter Wohlleben, 20 Jahre lang Beamter der deutschen Forstverwaltung und der menschliche Protagonist dieses Films. «Das kann ja heiter werden», denkt mancher Zuschauer und schielt auf die Uhr. Doch es kommt anders: Der 96 Minuten lange Doku­mentarfilm von Jörg Adolph ist keine Sekunde langweilig.

Das liegt zum einen an der Person von Wohlleben, auf dessen Buch «Das geheime Leben der Bäume» der Film beruht. Der Mann ist weder ein Sektierer noch ein esoterischer Rauner. Er mag es handfest, und handfest sind auch seine Vergleiche: Forstwirtschaft, sagt er, habe mehr mit industrieller Tierhaltung zu tun als mit Pflege der Wälder.

Das liegt zum anderen an den Naturaufnahmen von Jan Haft: Dieser verwendet gern Zeitraffer, und was man dann sieht, erinnert oft an den Science-Fiction-Horrorfilm «Alien»: Was sich da für schleimige Öffnungen auftun, sich hier geil aufrichtet und dort in sich zusammenschrumpelt, das hat man ausser in «Microcosmos» so noch nie gesehen.

An die letzte Phase des Aliens erinnern die «Harvester», riesige Maschinen, die rasend schnell Bäume fällen, entrinden und in handliche Stücke zerbeissen. Sehr praktisch. Dumm ist nur, dass sie durch ihr Gewicht den weichen Waldboden so zusammen­drücken, dass da keine Bäume mehr wachsen können.

Wohlleben verwendet oft Metaphern aus dem menschlichen Gefühlsleben, weil Bäume uns nicht so direkt ansprechen können wie putzige Tiere. Aber cool sind die Bäume, und solidarisch. «Ein Baum weiss: Ich bin kein Wald», sagt er. Deshalb vernetzen Bäume sich durch ihre Wurzeln und helfen einander. Wohlleben weiss: «Die würden nicht Trump wählen.»

Arthouse Movie / Kosmos Siehe «Filme nach Alphabet» Peter Wohlleben: «Das geheime Leben der Bäume», Ludwig-Verlag 2015, 224 S.

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