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Bei Bergman leuchtet die Verzweiflung

Der überragende Filmregisseur Ingmar Bergman wäre am 14. Juli 100 Jahre alt geworden. Das «Filmpodium» zeigt sein Schaffen anhand von zehn Klassikern.

«Wilde Erdbeeren»: Ein alter Medizinprofessor geht seinen Jugenderinnerungen nach.
«Wilde Erdbeeren»: Ein alter Medizinprofessor geht seinen Jugenderinnerungen nach.

Was fangen wir heute nur mit Ingmar Bergman an? Die grossen Jahrhundertwerke des Kinos schüchtern uns schliesslich ein. Wir stellen sie auf einen Sockel, bis sie weit genug entrückt sind. Dabei sind sie nie monolithisch, sondern verlaufen in Zyklen und stecken voller Brüche. Wir unterschätzen sie sträflich: Ihre wahre Grösse, darüber täuschen sie gern hinweg, liegt in ihrer Zugänglichkeit.

Bedarf sein Werk, ein gutes Jahrzehnt nach seinem Tod und ein Jahrhundert nach seiner Geburt, einer Gebrauchsanweisung? Nein, denn er ist einer der überragenden Filmerzähler. So kann sich ihm das Filmpodium ganz traditionell nähern: mit zehn Klassikern, die ein Panorama ­seines Schaffens zwischen 1952 und 1982 eröffnen. Zugleich sind Filme wie «Das siebente Siegel», «Das Schweigen», «Persona» und «Schreie und Flüstern» eine Summe dessen, was den Regisseur in ihren Entstehungsjahren umtrieb.

Qual, Liebe, Erotik und Identität

Mit Bergman hält die unbedingte autobiografische Redlichkeit Einzug ins Kino. Seine Filme sind ebenso puristisch wie kunstvoll drapierte Resonanzräume der eigenen Erfahrungen, geprägt vom Protestantismus seines Elternhauses sowie den philosophischen und künstlerischen Suchbewegungen seiner Jugend. Er ist ein aufgeklärter Poet menschlicher Qual, dem Liebe, Erotik und Identität schonungslos Rätsel aufgeben. Es ist unumgänglich, sich auf die fahle Unerbittlichkeit einzulassen, mit der er in seinen Beziehungs- und Familienstudien existenzielle Leere und die Unwägbarkeit der menschlichen Natur auslotet.

Kinoglück mit Bergman

Dazu gäbe es in seinem Werk durchaus ein heiteres Gegengift – die vergnüglichen Komödien der 50er-Jahre, in denen Eva Dahlbeck und Gunnar Björnstrand ausgelassen brillieren. Sie laufen nicht; allerdings spricht aus «Wilde Erdbeeren» ein helles Einverständnis mit dem Leben und entführt «Fanny und Alexander» in die magische Welt der Kindheit.

Auch der ernste, zweiflerische Bergman kann Kinoglück bereiten. Der Weg zu Metaphysik und Spiritualität führt bei ihm stets über die Sinnlichkeit. Das Licht ist verlockend in seinen Filmen, später auch die Farbe. Aber zuvorderst sind es die Schauspielerinnen, Harriet und Bibi Andersson, Ingrid Thulin, Liv Ullman und viele mehr, die den Zuschauer einnehmen. Sie halten eine einzigartige Zwiesprache mit der Kamera und verleihen der Verzweiflung ein unvergleichliches Leuchten.

So 1.7. – So 12.8. Filmpodium Nüschelerstr. 11www.filmpodium.ch Zur Reihe siehe auch «Reprisen / Filmzyklen»

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