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Popstars, die Heilsfiguren der 80er

Im Film wird gerne die Popmusik romantisiert. So auch in «Blinded by the Light», wo Bruce Springsteen der Held ist.

Der junge Gymnasiast beim Tanzen: «Dancing in the Rain» von Bruce Springsteen veränderte sein Leben.
Der junge Gymnasiast beim Tanzen: «Dancing in the Rain» von Bruce Springsteen veränderte sein Leben.

In «Blinded by the Light» drückt der pakistanische Gymnasiast Javed (Viveik Kalra) die Play-Taste auf seinem Walkman. Die Kassette ist von Bruce Springsteen. Der Song: «Dancing in the Rain». Die Wirkung: einschneidend. Springsteen wird für Javed zur Heilsfigur. Zum inneren Moti­vationscoach. Ta-ta-ta-taa-taaaa!

Als Teenager hörten wir in den 80er-Jahren Pop, um unseren Alltag zu einem universellen Leiden an der Welt zu stili­sieren. Wir litten gern an diesem Leiden. Unsere Helden waren immer zur Stelle, wenn wir aufgewühlt auf dem Bett sassen. Pop war unsere romantische Liebe, die Schablone unserer Sehnsüchte.

Regisseurin Gurinder Chadha («Bend It Like Beckham») zapft in «Blinded by the Light» diesen Gefühlshaushalt an. Popmusik hatte ein emotionales Monopol auf solche Erfahrungen. Und heute ist die sentimentale Verbundenheit immer auch die Erinnerung an eine Zeit, als einem das eigene Leben grösser erschien.

Es gibt Leute, die behaupten, es gebe nur noch Pop-Vergangenheit: die gefrässige Musealisierung des Gestern durch das Heute. Jedenfalls fällt auf, wie angestrengt die Unterhaltungsindustrie derzeit nach Wegen sucht, die Greatest Hits der Popmusik zu verwerten: «Yester­day» zeigt eine Welt, in der es die Beat­les nie gegeben hat.

«Rocketman» und «Bohemian Rhapsody» lassen Freddie Mercury und Elton John Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll durchexerzieren. Und die «Netflix»-Serie «The Dirt» zeigt den Aufstieg von Mötley Crüe.

Bruce Springsteen jedenfalls hat gut lachen. Auch wenn er keinen direkten Deal mit den Produzenten von «Blinded by the Light» hat: Besser könnte die PR gar nicht daherkommen.

In diversen Kinos

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