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Blick nach oben

Im ungarischen Film «Jupiter's Moon» kann ein syrischer Flüchtling fliegen. Und wirft damit die Frage auf, ob uns etwas fehlt.

Was machst du da oben? Aryan (li.) kann fliegen.
Was machst du da oben? Aryan (li.) kann fliegen.

Menschen, die fliegen können, kennen wir alle. Zumindest, wenn wir mit dem Marvel-Universum vertraut sind, in dem alles möglich ist. Aber doch nicht in einem Film, der ganz konkret auf die Flüchtlingskrise Bezug nimmt! Denkt man – und wird eines Besseren belehrt, wenn man sich «Jupiter’s Moon» anschaut, den jüngsten Film des Ungarn Kornél Mundruczó.

Darin wird gleich zu Beginn ein syrischer Flüchtling an der ungarisch-serbischen Grenze von den Kugeln eines Polizei­beamten durchlöchert. Und zwar so oft, dass der junge Mann namens Aryan (Zsombor Jéger) ganz sicher tot sein müsste. Stattdessen beginnt der Flüchtling zu fliegen.

Mundruczó wurde in Westeuropa vor bald zehn Jahren bekannt mit «Delta», einem knüppelharten Stück filmischem Realismus über eine Dorfgemeinschaft, die nicht toleriert, was für sie nicht sein darf. Der heute 43-jährige Regisseur hatte aber schon immer ein Faible fürs Übersinnliche: In «Johanna» besitzt die Titelfigur die Gabe, durch Sex Kranke heilen zu können, wobei Grundfragen des Menschseins aufgeworfen werden.

Daran schliesst «Jupiter’s Moon» nun an. «Wir leben horizontal, in unseren Netzwerken», sagt der Arzt Gábor Stern (Merab Ninidze), der Aryan aus dem Flüchtlings­lager holt. Und es ist klar, was Stern damit meint: Vielleicht sollten wir uns mal wieder nach oben wenden, wohin der fliegende Aryan unseren Blick lenkt, und nach etwas Höherem suchen, das uns verbindet. Was dies sein könnte, lässt Kornél Mundruczó offen. Sein jüngster Film hat aber durchaus die Kraft, die Frage aufzuwerfen, ob es ein Mangel an Spiritualität ist, der die Welt derart zwieträchtig macht, dass Menschen wie Aryan fliehen müssen.

Riffraff Langstrasse/Neugasse, www.riffraff.ch 13.50 Uhr, 18.40 Uhr, 20.40 Uhr, Fr/Sa 23.10 Uhr, So 11.50 Uhr

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