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Bloss weg

Holocaustüberlebende wollen nach Amerika auswandern. Dazu ist ihnen jede List recht.

Die beiden Holocaustüberlebenden (Anatole Taubman, Moritz Bleibtreu) hecken einen neuen Streich aus.
Die beiden Holocaustüberlebenden (Anatole Taubman, Moritz Bleibtreu) hecken einen neuen Streich aus.

Frankfurt 1946. Ein Holocaustüberlebender (Anatole Taubman) und ein deutsches Ehepaar ?bechern zusammen. «L’Chaim» («Auf das Leben!»), rutscht dem Juden plötzlich der hebräische Trinkspruch heraus – und fast wäre es vorbei mit der Harmonie. Schnell zieht er mit dem Paar genüsslich über die Juden her, doch sein Gerede ist natürlich inszeniert: Sein einziges Ziel besteht darin, Deutschland schnellstmöglich Richtung Amerika zu verlassen. Deshalb geht er von Tür zu Tür und vertickt Wäsche, um das nötige Geld zusammenzubringen.

Schön böse ist dieses kurze Aufblitzen des jüdischen Galgenhumors. Als Zuschauer wünscht man sich mehr davon, wird aber enttäuscht. Der belgische Regisseur Sam Garbarski («Irina Palm») geht in seinem neusten Werk zu brav vor: Angeführt von David (Moritz Bleibtreu), gründen sieben jüdische Geschäftspartner eine Firma, mit der sie Wäsche vertreiben. Ihnen ist jede List recht, um die Ware an die deutschen Mitbürger zu bringen. Pfefferscharf sind ihre Lügen jedoch selten, ganz so, als wolle dieser Film niemandem wehtun. Abgesehen von Bleibtreu und Taubman, sind die Schauspieler in ihren Rollen zudem kaum auseinanderzuhalten. Zu stereotyp werden ihre Figuren dargestellt, zu wenig erfährt man über die Geschäftspartner, als dass man sich wirklich für sie interessieren würde.

Der auf den «Teilacher»-Romanen von Michel Bergmann basierende Film kann sich ausserdem lange nicht entscheiden, ob er Komödie oder Drama sein will, fokussiert erst mit zunehmender Spieldauer auf Letzteres. So wird David in einem zweiten Erzählstrang von einer amerikanischen Offizierin verhört; ihm wird Kollaboration mit den Nazis vorgeworfen. In Rückblenden erfährt man vom Grauen im KZ. Nur ist das dermassen auf Betroffenheit angelegt, dass es vor allem nervt.

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