Böse neue Welt

Rettet die Privatsphäre: Dieser Film warnt vor Facebook und Google.

Mae (Emma Watson) stösst auf digitale Schandtaten.

Mae (Emma Watson) stösst auf digitale Schandtaten.

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Weil sie nicht in einem Job gefangen ­bleiben will, in dem sie Klienten wegen Centbeträgen hinterhertelefonieren muss, ist Mae (Emma Watson) überglücklich, als sie beim ehrgeizigen IT-Unternehmen The Circle eine neue Anstellung findet. Diese fiktive Firma ist offensichtlich Vorbildern wie Facebook und Google nachempfunden; sowohl die Unternehmenskultur, als auch die Produkte, die The Circle anbietet, zielen darauf ab, nicht nur die Privatsphäre abzuschaffen, sondern alles Private zu einer Angelegenheit des ­öffentlichen Interesses umzudeklarieren. Mae beginnt zwar schnell zu ahnen, dass ihr neuer Arbeitgeber (Tom Hanks) der ultrahippen Wohlfühloberfläche zum Trotz Leichen im Keller hat, aber sie reagiert erst einmal mit Überanpassung: Sie beginnt, ihr gesamtes Leben per ­Livestream der Welt zugänglich zu machen.

Das ist zunächst ein interessanter Ansatz. Auch dass James Ponsoldts Kritik an der schönen neuen Welt der frei vagabundierenden Daten (basierend auf dem Roman von Dave Eggers) mit reichlich dickem Pinsel gezeichnet ist, müsste nicht gegen den Film sprechen; schliesslich agieren die realweltlichen New-Media-Giganten auch nicht gerade subtil bei ihren Versuchen, noch den letzten Rest an Datensaft aus den Konsumenten zu pressen. Allerdings kippt die Sache spätestens dann ins Lächerliche, wenn der Film versucht, einen analogen Gegenpol ins Spiel zu bringen – in Gestalt des Handwerkers ?Mercer (Ellar Coltrane), der Mae bei jeder Gelegenheit dafür tadelt, ihm nicht in die Augen, sondern nur auf ihr Smartphone zu schauen. Die immer abstruseren Wendungen, die die Story nimmt, sind dann nur noch Gesten der Hilflosigkeit angesichts einer Medienwelt, der das Kino zumindest in diesem Fall nicht gewachsen ist.

In diversen Kinos (Zueritipp)

Erstellt: 14.09.2017, 10:58 Uhr

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