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Böser Krüppel

Gus Van Sant verfilmt die Autobiografie von John Callahan als zerfahrene Pseudo-Doku. Erst in der zweiten Hälfte entwickelt «Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot» Emotionen.

John Callahan (Joaquin Phoenix, l.) mit Mentor Donnie (Jonah Hill).
John Callahan (Joaquin Phoenix, l.) mit Mentor Donnie (Jonah Hill).

Der Auftakt wirkt zusammengestoppelt wie aus einem Amateurstreifen. Wir sehen John Callahan (Joaquin Phoenix) auf der Bühne referieren, wir sehen ihn zu einer Therapiegruppe sprechen, wir sehen ihn mit seinem Rollstuhl in übersetztem Tempo über eine Bordsteinkante stürzen, und wir sehen, wie er sich auf zwei Beinen die erste Alkohol­dosis des Tages beschafft. Doch wo zum Teufel fängt dieser Film eigentlich an? Und was will uns Regisseur Gus Van Sant («Good Will Hunting», «Milk») erzählen?

Die chronologische Konfusion hat insofern eine gewisse Berechtigung, als die Hauptfigur völlig haltlos durchs Leben schlingert, stets auf der Jagd nach Alkohol und Frauen. So stehts in John Callahans Autobiografie. Aber dann donnert der Mann mit seinem volltrunkenen Zufallsfreund Dexter (Jack Black) am Steuer in die Leitplanken. Als Callahan wieder aufwacht, ist er querschnittgelähmt.

Regisseur Gus Van Sant, der zuletzt mit der Selbstmörder-Ode «The Sea of Trees» (2017) wenig Erfolg hatte, versucht in «Don’t Worry», die Bitterkeit seines Helden mit rohem Dokustil, animierten Kurz-Cartoons und ineinander überlaufenden Bildcollagen abzubilden. Das hilft zunächst wenig. Callahan wirkt wie ein Klotz, Joaquin Phoenix betreibt Overacting, die Therapeutin und Stewardess Annu (Rooney Mara) bleibt amouröses Beigemüse, das Drama tritt an Ort.

Letzteres ändert sich erst, als Callahan in der zweiten Hälfte beschliesst, dem Alkohol zu entsagen. Da bekommt dessen Beziehung zu seinem Therapeuten und Mentor Donnie (fast unkenntlich: Jonah Hill) eine ergreifende Note, ohne kitschig zu wirken. Und Callahan schafft es, seine knurrige Weltsicht in schwarzhumorige Cartoons zu giessen, die zu Freude und Verdruss der lokalen Leserschaft publiziert werden (der Filmtitel «Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot» bezieht sich auf einen Cartoon über drei Cowboys, die in der Wüste einen leeren Rollstuhl ent­decken).

Callahans grösste Herausforderung ist es jedoch, den Unfallverursacher Dexter aufzusuchen, um ihm im Rahmen eines 12-Punkte-Programms zu vergeben. Das ist der Moment von Jack Black: Der zuletzt kaum noch präsente Komiker macht die Versöhnungsszene zum stillen Höhepunkt eines unausgewogenen Films.

Ab Do 16.8. In diversen Kinos So 12.8., 21 Uhr Vorpremiere im Riffraff

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