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«China hat einen hohen Pulsschlag»

Die jungen Chinesen sind kinoverrückt und träumen von Reichtum und Erfolg. Der Produzent Yang Cheng spricht über ein Land im Wandel.

Wenn Gangster Gangster hereinlegen, sind sie entweder sehr dumm oder sehr dreist.
Wenn Gangster Gangster hereinlegen, sind sie entweder sehr dumm oder sehr dreist.

Sie haben mit «Have a Nice Day» einen Animationsfilm über Gangster im neuen Materialismus von China produziert. Wird der Film dort überhaupt im Kino laufen?

Er hat die Zensur passiert und startet mit ein paar Änderungen im Januar. Die meisten Chinesen mögen ja Hollywoodfilme viel lieber, aber der Staat entscheidet darüber, wie viele und welche Filme aus den USA dem chinesischen Publikum gezeigt werden. Neuerdings versucht man, mit Grossproduktionen wie «The Great Wall» zugleich das chinesische und das amerikanische Publikum zu erreichen. Nur ist es ziemlich unglaubwürdig, wenn Matt Damon einen Söldner spielt, der vor 1000 Jahren in China gelebt hat und auch noch Englisch spricht.

In China gibt es mittlerweile mehr Leinwände als in den USA. Gehen dort alle ins Kino?

Der chinesische Kinobesucher ist im Schnitt 22 Jahre alt, also sehr jung. Menschen über 40 gehen dafür kaum. Für junge Chinesen ist das Kino eine soziale Aktivität, wie Essen oder Karaoke. Viele gucken Filme aber auch illegal übers Netz. Da gibt es Leute, die kopieren DVDs, laden sie hoch und fügen chinesische Unter­titel hinzu. Vor allem amerikanische Fernsehserien sind sehr populär.

Wie gross ist der westliche Einfluss?

Sehr gross. Ich selber komme aus einer kleinen Stadt, aber die westliche Kultur sagt mir mehr zu als die chinesische. Wir hören Michael Jackson, essen im McDonald’s. Es geht gar nicht so sehr darum, was man hört oder isst, sondern eher darum, dass dies faszinierende Zeichen einer westlichen Kultur sind. Selbst auf dem Land spielen Kinder mit dem Schweizer Armeemesser. Sie wissen genau, dass das ein qualitatives Produkt ist. Auch wenn viele der Messer in China Fälschungen sind.

Wie erleben Sie die gegenwärtige Transformation des Landes?

China hat derzeit einen sehr hohen Pulsschlag. Jeder denkt, ihm stünde die Welt offen. Verglichen mit dem Westen sind diese Sehnsüchte aber weniger gesund. Viele Chinesen befinden sich in Schwierigkeiten und kämpfen für ein besseres Leben. Weil der religiöse Glaube nicht besonders verbreitet ist, haben die Leute generell Mühe, sich zu beruhigen.

Dafür gibt es den neuen Glauben ans Geld?

In «Have a Nice Day» will einer der Gangster ja nur ans Geld, damit er seiner Freundin ein Facelift bezahlen kann. Der Auftragskiller will seine Tochter zum Studium nach England schicken, und der Boss, der bereits reich geworden ist, versucht, die Liebe seiner Frau zurückzugewinnen. Vielleicht tun die Leute im realen Leben weniger irre Dinge, als wir sie im Film sehen. Aber im ­Alltag begegnet man Menschen mit ähnlichen Träumen. Sie arbeiten sehr hart an ihrem Erfolg. Sie haben einfach noch keine Zeit gehabt, ­darüber nachzudenken, ob sie den Erfolg auch wirklich wollen. Sie sind dem populären Glauben darüber verfallen, was es heisst, es zu schaffen. Im Film ­reden die Ganoven über Superreiche wie Mark Zuckerberg oder Steve Jobs. Das ist ihre Vor­stellung von Erfolg. In China pitchen viele Menschen ständig ihre Ideen, in der Hoffnung, so zu Reichtum zu kommen.

Was heisst das, sie «pitchen»?

Sie bewerben sich quasi über die sozialen Medien. Sie posten permanent ihre Ideen, es ist wie eine Art Selbstermutigung. Sie gehen hausieren mit ihren Einfällen, um Follower zu gewinnen und ihnen später etwas verkaufen zu können.

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