Churchills Qualen vor dem D-Day

Der Film über den britischen Kriegs-Premier zeigt, wie dieser vor der Landung der Alliierten in der Normandie mit sich haderte.

Sir Winston Churchill (Brian Cox) ist von der Rolle. (Screenshot)

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Eine dicke Zigarre im Mundwinkel, die Hand mit gespreiztem Zeige- und Mittelfinger zum Siegeszeichen erhoben – so hat sich Winston Churchill (1874–1965) als Triumphator im Fotoalbum der Geschichte verewigt. Jetzt porträtiert das britische Kriegsdrama «Churchill» den Premier am Vorabend des D-Day: Alliierte Truppen sollen in der Normandie landen, um Frankreich von den Nazis zu befreien. Niemand weiss, wie dieses Himmelfahrtskommando ausgehen wird, weder die US-Führung noch Churchill selbst.

Ganz im Gegenteil ist der alternde Staatsmann, von Brian Cox wunderbar vierschrötig gespielt, ziemlich von der Rolle. Die Aussicht, Zehntausende junger Männer ins Verderben zu schicken, plagt ihn. Ausserdem ist Churchill gekränkt, weil er als Juniorpartner der Amerikaner ins zweite Glied treten muss. Der alternde Krieger trötzelt an den Stabstreffen und strapaziert die Geduld seiner Ehefrau.

«Churchill» lässt seinen Titelhelden in dunklen Interieurs schmollen, Scotch trinken und pathetische Reden schreiben. Als frustrierte Filmfigur weist er Parallelen auf zu George VI., dem stotternden König aus «The King’s Speech», der auch in «Churchill» auftritt, um seinen Premier zur Vernunft zu bringen. Der Staatsmann ist folgsam, betet heimlich aber für schlechtes Wetter, das die Landung der Truppen verhindern soll. Dieses Zaudern mag historisch verbürgt sein und den Mythos des unbeugsamen Briten menschlich aufrauen, auf der Leinwand wirkt das aber doch eher wie ab­gefilmtes Theater. Wer nicht nur Wortwechsel, sondern auch Taten sehen will, muss sich bis zu Christopher ­Nolans «Dunkirk» Ende Juli gedulden.

Churchill (GB 2017), Regie: Jonathan Teplitzky, 110 Minuten
Arena, Corso

Erstellt: 01.06.2017, 10:15 Uhr

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