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Das Erbe der Stadtindianer

Vor vierzig Jahren drehten junge Berner einen Hitfilm. «Tscharniblues II»zeigt, was aus ihnen geworden ist.

Vierzig Jahre später: Viel reifer sind die Bewohner nicht geworden.
Vierzig Jahre später: Viel reifer sind die Bewohner nicht geworden.

1979 machte ein wilder Amateurfilm an den Solothurner Filmtagen Furore: «Dr Tscharniblues» hiess er, und seine Urheber waren ein paar Jugendliche aus dem Berner Tscharnergut, einer der ersten Hochhaussiedlungen der Schweiz. Sie filmten sich selber beim Herumhängen, beim Kiffen oder beim Töfflifahren und wurden unverhofft zum Sprachrohr ihrer Generation.

Ein «Ur-Selfie» nennt Aron Nick diesen Film, den sein Vater Bernhard und dessen Freunde gedreht haben. Nun versammelt der 34-jährige Berner in «Tscharniblues II» die Protagonisten von damals noch einmal und will von ihnen wissen, was das Leben mit ihnen und ihren Träumen gemacht hat.

Drei von ihnen arbeiten heute als Lehrer, einer ist ein erfolgreicher Schauspieler, und ein anderer ein geschiedener Familienvater, der fast ein wenig damit kokettiert, durchs Band erfolglos geblieben zu sein. Aber was ist Erfolg überhaupt? Das fragt nicht nur der Regisseur, das fragen sich auch die Protagonisten, als sie noch einmal auf jener Grünfläche zwischen den Wohnblocks beieinandersitzen, wo sie einst wie Stadtindianer herumgeturnt sind. Denn einer ist nicht mehr dabei: Bruno Nick, Arons Onkel und der kreative Motor hinter dem «Tscharniblues», ist 2014 verstorben, nach einem Leben voller Stolpersteine.

«Tscharniblues II» folgt dramaturgisch vor allem den Einfällen seiner Protagonisten, und weil er durchlässig bleibt für das Unvorhersehbare, bewahrt sich der Film etwas vom Geist des ersten «Tscharniblues». So bauen die Männer, die kurz vor dem Pensionsalter stehen, eine Schwitzhütte, studieren ein Lied ein oder lassen sich in der schönsten Szene des Films ein Stück weit von der Aare mittragen. Und zeigen damit, worauf es wirklich ankommt: Freundschaft.

Riffraff Langstrasse / Neugasse 13.30 Uhr, 18.40 Uhr, So auch 10.40 Uhrwww.riffraff.ch

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