«Das könnte durchaus mein Leben sein»

Hollywoodstar Channing Tatum über seine Beziehung zu den Arbeitslosen, den Einfluss von Regisseur Steven Soderbergh auf sein Leben und das Strippen in Las Vegas.

Channing Tatum, Riley Keough und Adam Driver als diebische Geschwister.

Channing Tatum, Riley Keough und Adam Driver als diebische Geschwister.

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Hat Ihre Figur in «Logan Lucky» viel mit Ihnen selbst zu tun?
O ja. Er ist ein Footballer, der seine Karriere beenden musste wegen einer Verletzung. Hätte es bei mir nicht geklappt mit der Schauspielerei, wäre ich bestimmt wie er. Ich würde am Tag hart schuften. Und am Abend ein paar Bier trinken. Das könnte durchaus mein Leben sein.

Wieso ist es bei Ihnen anders gekommen?
Ich hatte Glück. Aber ich könnte mir immer noch vorstellen, irgendwo in der Provinz zu leben und verzweifelt Arbeit zu suchen. In West-Virginia zum Beispiel, wo der Film spielt, zog die ­Kohleindustrie früher viele Menschen an. Dann haben die grossen Firmen dichtgemacht und sind abgehauen. Die Menschen aber blieben.

Man bezeichnet sie gerne als Hinterwäldler.
Das ist völlig falsch. Ausser man meint damit, dass es eine kleine, abgeschlossene Welt ist, in der sie leben. Ein Polizist hat mir während der Dreharbeiten einen besonderen Aspekt erzählt: Alle kennen dort alle. Und wenn die Polizei ausrücken muss, wegen eines Drogendelikts – es gibt viele Drogendelikte, wo so viel Arbeitslosigkeit herrscht –, wenn also die Polizei ausrücken muss, kennen die bestimmt denjenigen, den sie einbuchten müssen. Oder sind befreundet mit dessen Eltern oder Geschwistern.

Das ist auch Thema des Films.
Ja, aber in Form einer Komödie. Der Film soll unterhalten: Es ist ein Gaunerfilm darüber, wie man einer gigantischen Firma viel Geld stehlen kann. Meine Figur versucht dabei einfach, etwas Aussergewöhnliches zu tun. Denn ihm ist klar: Als Arbeiter ist jeder ersetzbar. ­Jemand, der einen Bagger fährt und Dreck rumschiebt – für den findet man immer Ersatz.

Ist das in Ihrem Schauspielerberuf nicht auch so?
Klar, da warten zehn Leute, die deinen Platz einnehmen wollen. Aber ich möchte das nicht vergleichen. Ich habe einen grossartigen ­Beruf, muss nicht Staub schlucken. Ich bin privilegiert.

Aber Sie wollten nie Schauspieler werden?
Nein, denn ich dachte, dieser Beruf bedeute, auf einer Bühne zu stehen und Shakespeare vorzutragen. Das traute ich mir nicht zu. Klar mochte ich als Kind ­Filme wie «Braveheart», aber dass es dafür auch Schauspieler braucht, war mir nie wirklich bewusst.

Wie sind Sie denn reingerutscht?
Ich begann, gezielt für Rollen vorzusprechen. Aber das waren Parts mit Bezeichnungen wie «Dieb Nummer drei», und ich musste schreien: «Her mit dem Geld!» So lernte ich spielen, aber kam kaum weiter. Zum Glück fand ich dann grossartige Lehrer, allen voran Steven Soderbergh, mit dem ich oft zusammengearbeitet habe. Wegen unseres gemeinsamen Films «Magic Mike» habe ich übrigens gerade einen Stripclub in Las Vegas eröffnet.

Einen Stripclub?
Ja, er bietet eine Show, die an den Film angelehnt ist. Wenn man mir mit 18 gesagt hätte, eines Tages würde ich einen solchen Club besitzen, hätte ich das sofort geglaubt. Das ist meine Liga. Aber Hollywood-Schauspieler? Niemals.

In diversen Kinos (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2017, 14:47 Uhr

Logan Lucky

Channing Tatum ist Logan, aber Glück hat er keins. Er wird wieder einmal entlassen, seine Ex ist wütend auf ihn, weil er die gemeinsame Tochter vernachlässigt, und Besserung ist keine in Sicht. Bis er mit seinen Geschwistern (Adam Driver, Riley Keough) auf die Idee kommt, einen Diebescoup zu landen. Mit «Logan Lucky» präsentiert Regisseur Steven Soderbergh nach vier Jahren Kinopause sein Leinwand-Comeback. Es ist so etwas wie die Prolo-Version seines «Ocean’s Eleven»-Hits. Das ist nicht revolutionär, aber es ist eine Komödie mit ernstem Hintergrund, die richtig Spass macht. Nicht zuletzt auch, weil darin neben dem Logan-Darsteller weitere Stars brillieren – allen voran Daniel Craig als blondierter Volltrottel. (ml)

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