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Das läuft neu in den Zürcher Kinos

Dokfilme zur Affäre Meili und einer Suizidwelle in den USA, ein Kinderfilm von Marc Foster und Denzel Washington als geheimnisvoller Rächer – das sind die neuen Kinofilme diese Woche.

Imaginär, aber glücklich: Pu der Bär und seine Freunde am Strand im Film «Christopher Robin».
Imaginär, aber glücklich: Pu der Bär und seine Freunde am Strand im Film «Christopher Robin».

1999 – Wish You Were Here

Von Samara Grace Chadwick, Ka/CH 2018; 90 min.Dokumentarfilm

An einer Schule in Kanada bringen sich über mehrere Jahre immer wieder Jugendliche um. Samara Chadwick, die selber dort Schülerin war und einige Opfer kannte, geht knapp 20 Jahre später zurück, um mit ihren ehemaligen Mitschülern über das Erlebte zu sprechen. Chadwick versucht nicht zu erörtern, was damals genau geschah. Sie gibt noch nicht einmal einen chronologischen Ablauf der Ereignisse, sondern fokussiert sich ausschliesslich darauf, wie die Protagonisten jene düsteren Jahre erlebt haben. Das mutet ein wenig wie Gruppentherapie an, was für die Betroffenen sicher heilsam war, einen als Zuschauer aber etwas aussen vor lässt. (msw)

Kosmos

Die Affäre Meili

Von Daniel von Aarburg, CH 2018; 75 min.Dokumentarfilm

Der Dokumentarfilmer Daniel von Aarburg geht dem Fall von Christoph Meili nach – vor 20 Jahren rettete der Wachmann brisante Bankdaten vor dem Schredder und spielte sie jüdischen Organisationen zu.

Do 16.8. 20.15 Uhr Premiere mit Thomas Borer und Christoph Meili – Arthouse Le Paris So 19.8. 11 Uhr – Arthouse Piccadilly

Amoureux de ma femme

Von Daniel von Aarburg, CH 2018; 75 min.Komödie

Zum Abendessen bei Freunden nimmt ein Mann (Gérard Depardieu) seine junge neue Freundin (Adriana Ugarte) mit. Das löst bei der Gastgeberin (Sandrine Kiberlain) heftige Ressentiments, bei ihrem Gatten (Daniel Auteuil) hingegen lüsterne Wunschvorstellungen aus und beschert allen Beteiligten einen peinlichen Abend. Mag die Welt im Banne von #MeToo stehen, es wird wohl bis zum Ende aller Tage altbackene Beziehungskomödien geben über wohlsituierte Pariser, die sich in läppischen Männerfantasien und giftiger Stutenbissigkeit ergehen. Soll man da lachen oder weinen? (jum)

Diverse Kinos

Christopher Robin

Von Marc Forster, USA 2018; 104 min.Kinderfilm

Als Kind erlebte Christopher Robin (Ewan McGregor) mit dem Stofftier Winnie Pu (Stimme: Jim Cummings) und dessen Freunden fantastische Abenteuer. Jetzt ist Robin erwachsen, arbeitet für eine Kofferfabrik und träumt höchstens noch vom freien Wochenende. Da tauchen plötzlich die Fantasiefiguren aus der Kindheit auf. In der Traumfabrik glückte dem Schweizer Marc Forster («Quantum of Solace») zuletzt wenig. Sein Realfilm basierend auf dem Kinderbuchklassiker bereitet nun aber ein honigsüsses Vergnügen – auch für Erwachsene. Mitgeschrieben am Drehbuch haben übrigens die herausragenden Filmemacher Alex Ross Perry («Listen Up Philip») und Tom McCarthy («Spotlight»). (ase)

Diverse Kinos

CoinCoin et les Z'inhumains

Von Bruno Dumont, F 2018; 208 min.Komödie

Der kleine Quinquin ist jetzt ein Teenager, der sich für Frauen und Spritztouren ohne Fahrausweis interessiert. Die beiden Ermittler Van der Weyden und Carpentier sind noch immer irre unfähig, und diesmal bekommen sie es mit ausserirdischem Magma zu tun, das urplötzlich aus dem Himmel fällt. Ist die Apokalypse angebrochen? Offenbar hat sich Bruno Dumont («La vie de Jesus») so sehr in seine Laiendarsteller aus dem französischen Norden verliebt, dass er gleich ein Sequel zu seiner Fernsehserie «P’tit Quinquin» machen musste. Der Vierteiler kommt auch ins Kino, und darin herrscht abermals eine schauerliche Komik. Der Slapstick ist noch ein bisschen brachialer geworden, und etwas Massloses hat das Ganze. Aber lustig ist sie schon, diese regionale Spezialität zwischen Buster Keaton und «Invasion of the Body Snatchers». (blu)

Riffraff

The Darkest Minds

Von Jennifer Yuh Nelson, USA 2018; 105 min.Science-Fiction

Amerika ist hier ein totalitärer Staat, der alle Kinder wegsperrt, die durch einen Virus Superkräfte entwickelt haben. Bis sie sich befreien und für sich kämpfen, natürlich kombiniert mit einer Liebesgeschichte. Das ist die alte Dystopieretorte. Jede Idee ist aus besseren Filmen geklaut, die Helden sind wohlerzogen, die Hintergründe diffus. Immerhin weiss man danach, dass man die sichtlich geplanten Fortsetzungen nach den Buchvorlagen von Alexandra Bracken entspannt ignorieren kann. (SZ)

Diverse Kinos

Don‘t Worry, He Won‘t Get Far on Foot

Von Gus Van Sant, USA 2018; 113 min.Biopic

John Callahan (Joaquin Phoenix) lässt sich von einem Saufkumpan (Jack Black) zu einer nächtlichen Spritztour überreden, doch nach einem Unfall bleibt er querschnittgelähmt. Callahan entschliesst sich bloss zögerlich, dem Alkohol abzuschwören. Aber dann tritt er der Selbsthilfegruppe eines reichen Hippies (Jonah Hill) bei und beginnt, schwarzhumorige Cartoons zu zeichnen. Gus Van Sant verfilmt die Autobiografie von John Callahan als zerfahrene, chronologisch verschachelte Pseudo-Doku. Erst in der zweiten Hälfte entwickelt sein Werk so etwas wie Drive und Emotionen. Joaquin Phoenix betreibt Overacting, für den stillen Höhepunkt des Films sorgt überraschend Jack Black. (zas)

Riffraff

The Equalizer 2

Von Antoine Fuqua, USA 2018; 125 min.Action

Denzel Washington ist zurück als geheimnisvoller Rächer Robert McCall, der das Böse bekämpft und dazwischen Bücher wie Marcel Prousts «À la recherche du temps perdu» liest. Doch weit kommt er nicht bei der Lektüre, denn bis zum Finale im Herzen eines Hurrikans gibt es einiges aufzuräumen. Regisseur Antoine Fuqua («Training Day») inszeniert die lauten Szenen mit ähnlicher Sorgfalt wie die leisen. Das Resultat ist, in der Mischung zwischen brutaler Gewalt und poetischer Weltverbesserung, eigentlich albern. Aber der Plot überrascht mehr als im ersten Film: Letztes Mal hatte der Rächer teuflische Russen im Visier, dieses Mal sind die Bösen hausgemacht. (ml)

Diverse Kinos

So was von da

Von Jakob Lass, D 2018; 100 min.Komödie

Oskar (Niklas Bruhn) führt einen Club in Hamburg, aber den gibts nicht mehr lange: Eine grosse Silvesterparty noch, dann ist Schluss. Es liegt an der Gentrifizierung. Da erpresst ein Kiezgangster 10 000 Euro von Oskar, und auch sonst geht alles schief. Der Roman von Tino Hanekamp hat Kultstatus, gut ist er deswegen noch lange nicht: Die Handlung ist einfallslos, die Witze sind abgedroschen. Die Kinoversion ist umso besser, je weiter sie sich von der Vorlage löst, und der Auftritt von Bela B. als Altrocker ist fantastisch – aber es bleibt doch der schwächste Film von Jakob Lass («Love Steaks»). (ggs)

Riffraff

The Strangers: Prey at Night

Von Johannes Roberts, USA 2018; 85 min.Horror

Kurz bevor sie aufs Internat geschickt wird, muss ein Teenagermädchen mit ihrer Familie in die Ferien – und zwar in den Wohnwagenpark ihres Onkels. Vor Ort stellt sich heraus, dass dieser und seine Frau umgebracht worden sind. Eine Schaukel schwingt bedrohlich im Nebel, denn Johannes Roberts hat die Maskenmörder losgelassen. Wie die blutige Axt übers Betonpflaster kratzt auch der ganze Film immer wieder an der Selbstparodie entlang. Keine Idee ist auch nur ansatzweise neu, was eigentlich schon fast wieder eine Leistung darstellt. Aber in Horrorfilmen geht es ja ohnehin nicht um Originalität, sondern darum, dass der Killer hinter dir steht – Mädchen, dreh dich doch um Gottes Willen endlich um! (SZ)

Diverse Kinos

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