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Das läuft neu in den Zürcher Kinos

Ein Dokfilm für starke Nerven, einer über die Berner Agglo und eine grandiose Carey Mulligan: die vielfältigen Filmstarts.

Er verlässt seine Familie, um in Frankreich Geld zu verdienen: «Amin».
Er verlässt seine Familie, um in Frankreich Geld zu verdienen: «Amin».

The Aftermath

Von James Kent, GB/USA/D 2019; 108 min.Drama

Hamburg, 1946. Ein britischer Oberst (Jason Clarke) und seine Frau (Keira Knightley) ziehen in eine Villa, die vom Bombenhagel verschont wurde. Der deutsche Besitzer (Alexander Skarsgård) wurde zwangsenteignet und lebt jetzt auf dem Dachboden, darf aber immerhin die Oberst-Ehefrau auf dem Esszimmertisch vögeln, weil sie von ihrem Gatten erotisch und emotional vernachlässigt wird.

Die Verfilmung des Rhidian-Brook-Romans ist nichts für Zyniker, aber für Menschen mit ein wenig Restromantik im Blut hat der TV-Regisseur James Kent ein Melodram alter Schule gedreht. (SZ)

Arena, Capitol

After Passion

Von Jenny Gage, USA 2018; 106 min.Liebesfilm

Tessa (Josephine Langford) ist diszipliniert und ehrgeizig. Doch in ihrem ersten Collegejahr trifft sie auf den Bad Boy Hardin (Hero Fiennes Tiffin), der sie alles hinterfragen lässt.

Regisseurin Jenny Gage schuf mit der Verfilmung des weltweiten Bestsellerromans «After Passion» eine Mischung aus Erotikfilm und klassischem Coming-of-Age-Film. Die klischeebeladenen Figuren und deren voraussehbaren Entwicklungen sperren Dynamik und Spannung. Die Naivität von Tessa ist wohl nur für Teenager zu ertragen. (SZ)

Abaton, Arena, Capitol

Amin

Von Philippe Faucon, F 2018; 92 min.Drama

Amin ist einer der vielen afrikanischen Einwanderer, die von keinem wirklich bemerkt, von französischen Arbeitgebern allerdings sehr geschätzt werden. Sein einziger Trost ist die Familie, die er im Senegal zurückgelassen hat und der er regelmässig sein hart erarbeitetes Geld schickt. Als Amin eine Französin ohne viele Berührungsängste kennen lernt, ist die Familienbindung auf einmal bedroht.

Jenseits von Rhetorik und ohne ein politisches Statement abgeben zu wollen, erzählt dieser Film in schlichten, einprägsamen Bildern eine moralinfreie Geschichte von Leid, Würde und drohender Entwurzelung. (pfb)

Arthouse Uto

Club der roten Bänder: Wie alles begann

Von Felix Binder, D 2019; 115 min.Tragikomödie

«Club der roten Bänder» war eine Fernsehserie um jugendliche Krebspatienten. Bei dieser Kinoversion handelt es sich um ein Prequel. Den Club gibt es also noch nicht, man darf aber dabei zuschauen, wie die Jugendlichen alle krank und kränker werden.

Damit der Film nicht zu deprimierend wird, hat man einen Buddy-Komödienstrang mit Tim Oliver Schultz und Jürgen Vogel eingebaut, sowie pathetische Drehbuchsätze à la: «Wie wichtig wir uns einmal werden sollten, konnten wir noch nicht wissen.» TV-Regisseur Felix Binder hat den Film wie eine überlange Serienfolge inszeniert, die nicht davon profitiert, dass im Kino alles grösser ist. (SZ)

Abaton, Capitol

Les dames

Von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond, CH 2018; 81 min.Dokumentarfilm

Wie lebt es sich als alleinstehende Frau über sechzig? Das fragten sich die beiden Waadtländer Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Raymond. Also machten sie sich auf die Suche nach Frauen, die bereit waren, Einblick in ihren Alltag zu geben.

Der Film überlässt fünf sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten die Bühne, lässt sie erzählen, begleitet sie zum Tanzen, zur Quartettprobe und auf die Wildschweinjagd. Da ist viel Humor und Drive drin. Umso eindrücklicher, wie der Konflikt zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit und der Sehnsucht nach einer Partnerschaft in fünf verschiedenen Variationen zum Ausdruck kommt. (loe)Arthouse Movie, Houdini

Free Solo

Von Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin, USA 2018; 100 min.Dokumentarfilm

Der 33-jährige Amerikaner Alex Honnold will El Capitan, eine der berühmtesten Felswände der Welt, Free Solo durchsteigen. Sprich: Ohne Seil, ohne Sicherung.

Dieses Kribbeln, das zwischen wohlig und unangenehm hin- und herwandert, kann fast nur ein Kletterdokumentarfilm hervorrufen. Wir wissen zwar, dass Honnold nicht abstürzt bei seinem wahnwitzigen Vorhaben. Aber auch, dass das beim kleinsten Fehltrittchen passieren könnte. Wie er sich am Morgen von seiner Freundin verabschiedet, sie im Wissen, dass es das letzte Mal sein könnte, ist herzzerreissend. Oscar für den besten Dokumentarfilm. (ebi)

Arthouse Le Paris, Arthouse Piccadilly

Hellboy: Call of Darkness

Von Neil Marshall, USA 2019; 120 min.Fantasy

Hellboy (David Harbour) ist ein Dämon aus der Hölle. Er ist aber kein Böser, sondern hilft einer amerikanischen Geheimorganisation, übernatürliche Bedrohungen zu bekämpfen. Als eine mächtige Hexe (Milla Jovovich) die Menschheit ausrotten will, reist Hellboy nach England, um sie daran zu hindern.

Vor über zehn Jahren hat Guillermo del Toro («The Shape of Water») die Comics von Mike Mignola schon einmal für die Leinwand adaptiert und zwei Filme über den Höllenbengel gemacht. Damals mit Ron Perlman in der Hauptrolle. Dessen Charisma fehlt dem neuen Hellboy-Darsteller, und auch sonst ist dieses Reboot nicht mehr als ein müder Abklatsch. (ggs)

Abaton, Arena, Metropol

Tscharniblues II

Von Aron Nick, CH 2018; 83 min.Dokumentarfilm

Im Tscharnergut, jener Hochhaussiedlung im Westen Berns, wo sie als Jugendliche herumlungerten, trifft sich eine Handvoll Freunde wieder. Sie hatten hier 1979 gemeinsam «Dr Tscharniblues» gedreht, einen wilden, ungeschliffenen Amateurfilm über sich selber und ihre Langeweile im Aussenquartier.

Was ist aus den Träumen von damals geworden? Und was hat das Leben mit den Tscharni-Giele gemacht? Diese Fragen stellt der Berner Regisseur Aron Nick den Protagonisten von damals. Sein Dokumentarfilm ist das intime Vorher-Nachher-Bild einer Generation – und vor allem: eine Hymne an die Freundschaft. (reg)

Riffraff

Das Vermächtnis eines Patrons

Von Stéphane Kleeb, CH 2018; 108 min.Dokumentarfilm

Der Basler Rudolf Geigy (1902–1995) entscheidet sich gegen eine Karriere im Familienkonzern und wird stattdessen Zoologe. Er widmet sich der Erforschung von Tropenkrankheiten, gründet in den 40ern das Schweizerische Tropeninstitut und in den 50ern Forschungslabors in Afrika. Der Regisseur Stéphane Kleeb («Ce n‘est pas une vie que ne pas bouger») hat der streitbaren Persönlichkeit ein filmisches Porträt gewidmet.

Stüssihof

Wildlife

Von Paul Dano, USA 2018; 103 min.Drama

Montana, 1960. Ein Vater (Jake Gyllenhaal) verliert den Job, dann seinen Stolz. Also verlässt er Frau (Carey Mulligan) und Sohn (Ed Oxenbould), um an der Grenze zu Kanada Waldbrände löschen zu helfen. Mutter und Sohn sind über Nacht auf sich gestellt.

Das Regiedebüt von Schauspieler Paul Dano («12 Years a Slave») wird aus der Optik des 14-jährigen Sohns erzählt, aber es ist klar Mulligans Film: Ihr Spiel als gleichermassen verzweifelte wie trotzig-mutige Frau ist eine Wucht. Zusammen mit der durchkomponierten Bildsprache entsteht so ein atmosphärisch dichter Film mit wunderschönen Bildern. (aka)

Arthouse Movie, Kosmos

Willkommen im Wunder Park

Von Dylan Brown, USA 2019; 85 min.Kinderfilm

June und ihre Mutter bauen im Kinderzimmer einen Spielzeug-Freizeitpark. Als die Mutter krank wird, beendet June das Projekt. Als sie die Ferien in einem Sommercamp verbringen soll, läuft sie weg. Da findet sie im Wald einen echten Freizeitpark, der allerdings in schlechtem Zustand ist und gerettet werden muss.

Es ist erfreulich, ein Mädchen in der Hauptrolle und als Ingenieurin zu sehen. Die zweite Hälfte des Films ist schnell geschnitten und daher wohl nichts für die ganz Kleinen; dafür wird die Krankheit der Mutter so elegant umgangen, dass sie kein Kind traumatisieren sollte. (msw)

Abaton, Arena, Capitol, Corso

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