Das Neuste auf den Leinwänden

Eine Polizei-Komödie, ein Coiffeusen-Dokfilm und ein Drogendrama: Die neuen Kinofilme in Zürich.

Ein junger Soldat muss einen gefährlichen Auftrag erfüllen: George MacKay in «1917».

Ein junger Soldat muss einen gefährlichen Auftrag erfüllen: George MacKay in «1917».

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1917


Kriegsfilm von Sam Mendes, GB/USA 2019; 119 min.

Während des Ersten Weltkriegs erhalten zwei britische Soldaten (Dean-Charles Chapman, George MacKay) einen Spezialauftrag: Sie sollen eine andere Einheit vor einem Hinterhalt der Deutschen warnen. Dafür müssen sie bei Tageslicht feindliche Stellungen durchqueren.

Es ist eine persönliche Geschichte, die der James-Bond-Regisseur und Oscarpreisträger Sam Mendes («Skyfall», «American Beauty») erzählt, denn sie nährt sich von den Berichten seines Grossvaters. «1917» erscheint als eine einzige, zweistündige Plansequenz, die wenigen Schnitte wurden geschickt kaschiert. Der für zehn Oscars nominierte Film ist eine Genre-Grenzwanderung und gefällt als spektakuläre Schlacht zwischen Form und Inhalt. (zas)

Abaton, Arena, Corso, Houdini, Kosmos

Genährt aus den Geschichten von Sam Mendes' Grossvater: «1917». Video: YouTube/UniversalPicturesSwitzerland

Bad Boys for Life


Actionfilm von Adil El Arbi und Bilall Fallah, USA 2019; 124 min.

«Hol die Kohle! Los! Tempo!» Ja, so klang das schon 1995, als Will Smith und Martin Lawrence erstmals als das Polizeiduo Mike und Marcus durch die Strassen von Miami fegten. Das Werk aus der Action-Schmiede Simpson/Bruckheimer machte sich auf, die einschlägigen Muster des Cop- und Buddy-Films aufzumischen. Jetzt im dritten Teil kriegen die Bad Boys, die böse Buben hinter Gitter bringen, die Vendetta einer mexikanischen Oberschurkin zu spüren.

Es ist schon arg holprig, wie diese knallharten Jungs in Zeitalter von Veganismus und #MeToo landen. Und gleichzeitig ist der Film nur halb motiviert, die beiden Helden als gefühlsduselige Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs zu parodieren. Was bleibt: viel leeres, dumpfes Blockbuster-Getöse. (bsc)

Abaton, Arena, Metropol

Die Polizei-Buddys sind zurück: «Bad Boys for Life». Video: YouTube/Sony Pictures Releasing Schweiz

Im Spiegel


Dokumentarfilm von Matthias Affolter, CH 2018; 80 min.

Seit mehr als zehn Jahren frisiert die Coiffeuse Anna Tschannen obdachlose Menschen in Basel. Regisseur Matthias Affolter zeigt sie bei der Arbeit und stellt vier von Tschannens Kunden näher vor: Urs, der darauf spart, nach Kamerun zu reisen. Lilian, die mit Verachtung über Obdachlose sprach, bevor sie selbst auf der Strasse landete. Markus, der endlich wieder eine Wohnung hat. Und Aarold, der seinem Sohn gern ein richtiger Vater wäre.

Der Film zeigt bewegende Schicksale, ohne nach Mitleid zu heischen. Und die vier Porträtierten sprechen sehr reflektiert über sich, während ihnen die Haare geschnitten werden oder wenn die Kamera sie im Alltag begleitet. Man wünscht ihnen das Beste für die Zukunft. (ggs)

Riffraff

Aus dem Alltag einer etwas anderen Coiffeuse: «Im Spiegel». Video: Vimeo/Filmformat Hefel GmBH

Le milieu de l’horizon


Drama von Delphine Lehericey, CH/B; 90 min.

Sommer 1976. Der dreizehnjährige Bauernjunge Gus Sutter (Luc Bruchez) und seine Familie leiden unter einer brutalen Hitzewelle. Die Hühner und Kühe verenden, die Felder trocknen aus, das Wasser wird immer knapper. Wachsende Spannungen innerhalb der Sutters drohen zu eskalieren -- besonders, als Mutter Nicole (Laetitia Casta) sich in eine Freundin verliebt und mit ihr eine Affäre beginnt.

Hin- und hergerissen zwischen kindlicher Unschuld und aufkeimender Sexualität, lernt der Protagonist sich selbst und die harschen Seiten des Erwachsenenlebens kennen. Regisseurin Delphine Lehericey («Puppylove») führt die Zuschauer dabei durch malerische Landschaftsaufnahmen und lässt sie die schwelende Hitze geradezu am eigenen Leib erfahren. (lrh)

Houdini

Drama im Rekordsommer 1976: «Le milieu de l’horizon». Video: YouTube/Outside the Box

Le mystère Henri Pick


Komödie von Rémi Bezançon, F/B 2019; 100 min.

Der Literaturkritiker Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) beleidigt in seiner Fernsehsendung eine Witwe: Ihr verstorbener Mann, ein Pizzabäcker, kann doch unmöglich diesen Roman geschrieben haben, der jetzt die Sensation des Pariser Literaturbetriebs ist. Da sind bestimmt Betrüger am Werk. Rouche fliegt raus, und weil er nicht gern unrecht hat, ermittelt er bald in der Bretagne.

Dass der Bücherkrimi von Rémi Bezançon («Zarafa») – basierend auf der gleichnamigen Romanvorlage von David Foenkinos – so amüsant ist, hat er vor allem dem stets indignierten Fabrice Luchini in der Hauptrolle zu verdanken. (SZ)

Arthouse Movie

Auf den Spuren eines toten Autors: «Le mystère Henri Pick». Video: YouTube/Pathe Films

Platzspitzbaby


Drama von Pierre Monnard, CH 2019; 100 min.

Zürich nach der Schliessung des Platzspitz 1992: Immer wieder muss die elfjährige Mia (Luna Mwezi) ihre Junkie-Mutter (Sarah Spale, «Wilder») auf der Drogenszene im Letten suchen oder mit ihr an der Langstrasse Stoff beschaffen. Eine Kindergang gibt Mia etwas Halt.

Das ist einer dieser Filme, bei denen ein Kloss im Hals zurückbleibt. Weil er ein düsteres Stück Zürcher Geschichte authentisch aufarbeitet. Weil er hinschaut, wenn man längst wegschauen möchte. Weil man zusammen mit Mia hofft, dieses Mal käme die Mutter von den Drogen los, nur um zu sehen, wie sie noch tiefer fällt. Und das Duo Mwezi und Spale spielt das alles auch noch sensationell. (aka)

Abaton, Arena, Arthouse Alba, Corso, Kosmos, Riffraff

Ein dunkles Kapitel der Zürcher Geschichte: «Platzspitzbaby». Video: YouTube/AscotElite

Erstellt: 18.01.2020, 08:37 Uhr

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