Das Neuste in den Zürcher Kinos

Angelina Jolie kehrt auf die Leinwand zurück, und eine 91-Jährige gibt Sextipps: Das sind zwei der neuen Filme diese Woche.

Sie gibt seit Jahren Tipps zum Thema Sex: Dr. Ruth in New York in «Ask Dr. Ruth».

Sie gibt seit Jahren Tipps zum Thema Sex: Dr. Ruth in New York in «Ask Dr. Ruth».

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After the WeddingVon Bart Freundlich, USA 2019; 110 Min.
Drama

Isabel (Michelle Williams) leitet ein Waisenhaus in Indien, dem es an Geld fehlt. Die vermögende Theresa (Julianne Moore) bietet ihr eine Spende, möchte Isabel aber vorab kennen lernen und lädt sie zur Hochzeit ihrer Tochter (Abby Quinn) ein. Allmählich erkennt Isabel Theresas wahre Absichten.

Im US-Remake des dänischen Films von Susanne Bier überzeugt vor allem das Darstellerinnen-Trio Moore, Williams und Quinn. Das Familiendrama soll uns berühren, aber die Hochglanz-Ästhetik und die grobschlächtige Art, mit der Regisseur Bart Freundlich («Trust the Man») uns Tränen entlocken will, wirken distanzierend. (dpo)

Arena, Houdini, Kosmos

Remake aus den USA: «After the Wedding». Video: YouTube/AscotElite

Ask Dr. RuthVon Ryan White, USA 2019; 100 Min.
Dokumentarfilm

Ihre Sexberatungen hatten Kultstatus, weil sie kein Blatt vor den Mund nahm: Ruth Westheimer alias Dr. Ruth klärte in den 80ern die US-Bürger über Erektionsstörungen, Orgasmen und Vibratoren auf. Nun, mit 91 Jahren, lässt sie sich von einem Kamerateam an die prägenden Orte ihrer Vergangenheit begleiten. So fand die deutsche Jüdin während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht in der Schweiz oder liess sich mit 17 in Palästina zur Scharfschützin ausbilden.

Der Regisseur fokussiert auf den ungestümen Charakter dieser 1,40 Meter grossen Abenteurerin, deren Lebensmut kein Schicksalsschlag brechen konnte. Das ist überraschend heiter, manchmal sehr berührend, vor allem aber eine grossartige Lektion darin, wie man zufrieden alt werden kann. (lm)

Arthouse Le Paris, Houdini

Das Porträt einer alten Frau, die die Amerikaner über Sexualität aufklärte: «Ask Dr. Ruth». Video: Youtube/Filmcoopi Zürich

Ich war noch niemals in New YorkVon Philipp Stölzl, D 2019; 129 Min.
Musical

Die Fernsehmoderatorin Lisa (Heike Makatsch) kümmert sich lieber um ihre Karriere als um ihre Mutter (Katharina Thalbach). Das ändert sich, als die alte Frau ihr Gedächtnis verliert und nur noch eines weiss: «Ich war noch niemals in New York.» Sie schmuggelt sich auf ein Kreuzfahrtschiff, Tochter Lisa und ihr Maskenbildner (Michael Ostrowski) hinterher.

Regisseur Philipp Stölzl versucht schon gar nicht, allfälligem Kitsch entgegenzuwirken: Da springen auch mal Delfine durch einen lila Sonnenuntergang. Dass die Schlagerparty nach dem gleichnamigen Musical mit Udo-Jürgens-Hits Spass macht, liegt an der hochkarätigen Besetzung und daran, dass Stölzl zwar mit Ironie inszeniert, seine Figuren aber stets ernst nimmt. Nur gegen Ende wirds etwas langfädig, da will er so was wie Bedeutung generieren. (ish)

Arena, Arthouse Alba, Arthouse Piccadilly, Capitol, Corso

Die Verfilmung des Udo-Jürgens-Musicals: «Ich war noch niemals in New York». Video: Youtube/Universal Music Germany

Maleficent: Mistress of EvilVon Joachim Rønning, USA 2019; 118 Min.
Fantasy

Die aus Dornröschen bekannte böse Fee Maleficent (Angelina Jolie) darf im neuen Disneyfilm zum zweiten Mal ihre eigene Geschichte spinnen: Erst poltert sie gegen die bevorstehende Hochzeit ihrer Ziehtochter (Elle Fanning), legt sich dann mit deren intriganten Schwiegermutter (Michelle Pfeiffer) an und soll zuletzt noch kurz die Welt retten.

Angelina Jolie ist bestechend düster und zugleich mütterlich warm. Aber nach zwei Stunden aufgeblasenem CGI-Spektakel um eine Horde unbeseelter Fabelwesen reibt man sich die Augen und stellt fest: Manche Märchen bleiben besser unerzählt. (SZ)

Abaton, Arena, Capitol, Corso

Angelina Jolie kehrt zurück als böse Fee Maleficent: «Maleficent: Mistress of Evil». Video: Disney Schweiz

Roubaix, une lumièreVon Arnaud Desplechin, F 2019; 121 Min.
Krimi

Weihnachtsabend in der nordfranzösischen Stadt Roubaix. Ein Kommissar (Roschdy Zem) muss ausrücken, weil eine alte Frau ermordet worden ist. Schnell geraten zwei Nachbarinnen ins Visier der Ermittlungen. Aber können die beiden Süchtigen (Léa Seydoux, Sara Forestier) wirklich eine so brutale Tat begangen haben?

Regisseur Arnaud Desplechin ist bekannt für ausschweifende Fantastereien. Jetzt ist er in seine Geburtsstadt Roubaix zurückgekehrt, aber er erzählt ganz anders: Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und einer TV-Doku, die darüber gedreht wurde. Schrittweise rollt Desplechin den Fall auf, wobei vor allem das Verhör als Methode der Wahrheitsfindung im Zentrum steht. Hervorragend gespielt und brutal geradlinig. (ml)

Arthouse Movie

Arnaud Desplechin hat einen Mord aus seiner Heimatstadt verfilmt: «Roubaix, une lumière». Video: Youtube/Xenix Film

The Ugly DollsVon Kelly Asbury, USA 2019; 87 Min.
Kinderfilm
Ab 6 Jahren

Die Bewohner von Uglyville sind eigentlich ziemlich zufrieden. Sie haben Spass und halten zusammen. Das findet auch Moxy, trotzdem will sie raus in die grosse Welt – und ein Kind finden, das sie lieb hat.

Den Einzug ins Kinderzimmer haben die Uglydolls in der Realität schon geschafft. Im Film von Kelly Asbury («Smurfs: The Lost Village») müssen die kleinen bunten Plüschmonster erst noch beweisen, dass es nicht nur aufs Äussere ankommt. Das gelingt. Da allerdings bei jeder Gelegenheit gesungen wird, hat der Animationsfilm seine Längen. (SZ)

Arena, Stüssihof

Die Uglydolls haben einen Kinofilm gekriegt: «The Ugly Dolls». Video: Youtube/Impulse Movies

UntouchableVon Ursula Macfarlane, USA 2019; 99 Min.
Dokumentarfilm

Harvey Weinstein war Konzertveranstalter in der Provinz, bevor er zu einer der mächtigsten Figuren Hollywoods aufstieg. Die britische Regisseurin Ursula Macfarlane blendet bis ins Jahr 1978 zurück, um zu ergründen, wie dieses angebliche Monster so viel Macht entwickeln und seine Opfer mundtot machen konnte.

Ehemalige Angestellte erzählen von ihren Schuldgefühlen, Missbrauchsopfer von zerplatzten Hoffnungen, Journalisten von körperlichen Angriffen. Dennoch bleibt der Erkenntnisgewinn im Fall Weinstein bescheiden. Zu sehen gibts in dieser Doku nicht viel mehr als Talking Heads, Tränen und plumpe Nachstellungen der Geschehnisse. (zas)

Arthouse Piccadilly, Kosmos

Eine Doku zeigt, wie Harvey Weinstein zum Monster wurde: «Untouchable». Video: Youtube/AscotElite

YvesVon Benoît Forgeard, F 2019; 107 Min.
Komödie

Der Versager Jérem (William Lebghil) wird von einer Frau (Doria Tillier) dazu überredet, für ihre Firma den smarten Kühlschrank Yves zu testen. Das sprechende Teil (Stimme: Antoine Gouy) soll Jérems Leben verbessern. Es entwickelt sich eine komplexe Beziehung zwischen Mensch und Maschine.

Regisseur und Drehbuchautor Forgeard bezieht sich unter anderem auf «Her» (2013), in dem sich ein Mann in sein Betriebssystem verliebt. «Yves» soll ebenfalls etwas über die menschliche Beziehungsfähigkeit aussagen und sich gleichzeitig über die absurde Situation lustig machen. Das ist phänomenal misslungen. Ab und zu blitzt der Ansatz einer intelligenten Aussage auf, nur um kurz darauf im Morast der sexistischen und dämlichen Witze qualvoll zu ersticken. (msw)

Riffraff

Ein erfolgloser Rapper bekommt einen intelligenten Kühlschrank, der sein Leben verbessern soll: «Yves». Video: Youtube/Sister Distribution

Erstellt: 17.10.2019, 08:58 Uhr

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