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Das Neuste in den Zürcher Kinos

Kriminelle Stripperinnen, Robert Pattinson als Wächter und der Neues von Samir: Diese Filme sind jetzt zu sehen.

Eine von vielen Exil-Irakerinnen: Architektin in «Baghdad in My Shadow».
Eine von vielen Exil-Irakerinnen: Architektin in «Baghdad in My Shadow».

21 Bridges

Actionfilm von Brian Kirk, USA 2019; 110 min.

Im Verlauf einer nächtlichen Schiesserei in einem Weinlokal, das gleichzeitig als Drogendepot dient, verlieren gleich sieben Polizisten ihr Leben. Der mit der Verfolgung der beiden Tatverdächtigen betraute Detective (Chadwick Boseman) beschliesst, bis fünf Uhr früh alle Brücken von und nach Manhattan zu sperren.

Diese dramaturgische Verengung ist die grosse Stärke des Films: Eine nächtliche Hatz unter Zeitdruck, auf einem Spielfeld, das sich rasch klaustrophobisch verkleinert. Wenn gegen Filmende ein neuer Tag anbricht, offenbart sich «21 Bridges» leider dennoch als ein allzu stromlinienförmiger Polizeifilm. (foe)

Abaton, Arena, Metropol

Baghdad in My Shadow

Drama von Samir, CH/D/GB 2019; 109 min.

Im Café Abu Nawas in London treffen sich die Exil-Iraker: ein Dichter, eine Architektin auf der Flucht oder ein junger Schwuler. Unter den Gästen ist auch ein Muslim, der sich in einer Hinterhofmoschee radikalisiert hat und die Gemeinde ins Verderben stürzt.

Exilerfahrung durchzieht das Werk des Schweizers Samir, von «Babylon 2» (1993) bis «Iraqi Odyssey» (2014). Jetzt hat er darüber einen Ensemblefilm gedreht, in dem allerlei Konflikte exemplarisch verhandelt werden. Da sind keine Figuren, das sind Themen. Hübsch sind die inszenatorischen Details und der Glaube an eine liberale Herzlichkeit, die für alle gilt, egal, woher sie kommen. (blu)

Houdini, Kosmos

La belle époque

Komödie von Nicolas Bedos, F 2019; 115 min.

Eine Firma macht Zeitreisen möglich, nicht mit einer Maschine, sondern mit Schauspielern und aufwendigen Dekors, die die gewünschte Epoche nachstellen. Victor (Daniel Auteuil) will aber nicht in ein mittelalterliches Lustschloss oder auf Jagd mit Ernest Hemingway. Er will ein gewöhnliches Café in Lyon besuchen. Und zwar genau an jenem Abend, an dem er seine Frau kennen lernte.

Die Komödie spielt geschickt mit Sentimentalitäten und Erinnerungen. Es ist französisches Starkino, Daniel Auteuil und Fanny Ardant geben mit bissigem Dialogwitz das Paar, dessen Ehe nur in der Vergangenheit gerettet werden kann. Wo man hinschaut, tauchen weitere bekannte Gesichter auf. Diese Art von Nostalgie lässt man sich gerne gefallen. (ml)

Arthouse Le Paris, Kosmos

La cordillera de los sueños

Dokumentarfilm von Patricio Guzmán, Chile 2019; 85 min

Die Bergkette (das bedeutet «cordillera») der Anden nimmt 80 Prozent von Chiles Oberfläche ein. Doch früher habe er sie ignoriert, sagt Regisseur Patricio Guzmán. Ihn interessierte nur Chiles Geschichte seit der Präsidentschaft von Allende und dem Putsch durch Pinochet. Jetzt aber wendet Guzmán sich den Bergen als Symbol der Unerschütterlichkeit zu.

Die Bilder aus den Anden sind atemberaubend schön -- ganz im Gegensatz zu den Aufnahmen vom chilenischen Alltag, die der Dokumentarfilmer Pablo Salas seit den Achtzigerjahren zum Teil unter Lebensgefahr gemacht hat. Vom Kontrast dieser Bilderwelten lebt Guzmáns preisgekrönter Film, dank dem man begreift, warum Chilenen heute auf die Strasse gehen. (bod)

Arthouse Movie

The Good Liar

Krimi von Bill Condon, USA 2019; 110 min.

Betty (Helen Mirren) und Roy (Ian McKellen) lernen sich über eine Datingplattform für ältere Menschen kennen. Einem ersten Treffen folgen bald weitere. Allerdings: Roy ist ein skrupelloser Betrüger, der es auf Bettys Ersparnisse abgesehen hat.

Mirren und McKellen sind eine grandiose Besetzung. Besonders McKellen brilliert in einer Rolle, in der er äusserst charmant, aber auch völlig widerwärtig sein kann. Die Geschichte kann da nicht ganz mithalten – Regisseur Bill Condon und sein Drehbuchautor Jeffrey Hatcher («Mr. Holmes») hatten offensichtlich Schwierigkeiten damit, die spezielle Erzählstruktur von Nicholas Searles gleichnamigen Roman fürs Kino zu adaptieren. (ggs)

Abaton, Arena, Frosch Studio

Hustlers

Komödie von Lorene Scafaria, 110 min, USA 2019

Als Stripperinnen verdienen Ramona (Jennifer Lopez) und Destiny (Constance Wu) in New York gutes Geld. Nach dem Börsencrash von 2008 allerdings will keiner mehr etwas ausgeben, deshalb helfen die beiden Frauen der Spendierfreudigkeit ihrer Kunden nach – auch unter Einsatz von Drogen.

Aus einer wahren Geschichte hat Scafaria ein Lehrstück über den Kapitalismus gemacht: Alle müssen feilbieten, was ihnen zur Verfügung steht. «Hustlers» ist dabei eine Art weibliche Version eines Heist-Films, wobei nicht ein Casino oder eine Bank, sondern das ausbeuterische System geknackt wird. Die Magie des Films entsteht durch die Studie der intensiven Frauenbeziehungen. (msw)

Abaton, Arena, Corso, Stüssihof

The Lighthouse

Horrorfilm von Robert Eggers, USA/Ka 2019; 109 min.

Ende des 18. Jahrhunderts: Ein Mann (Robert Pattinson) tritt eine Stelle als Leuchtturmwärter auf einer abgeschiedenen Insel an. Sein Vorgesetzter ist ein alter Mistkerl (Willem Dafoe), der ihn nach Kräften schikaniert. Als die Ablösung ausbleibt und die beiden auf der Insel festsitzen, geschehen mehr und mehr seltsame Dinge.

Die expressionistischen, schwarzweissen Bilder sind wunderschön beunruhigend, und Pattinson schlägt sich gar nicht so schlecht neben dem allerdings überragenden Dafoe. Nur: Je mehr die beiden Figuren dem Wahnsinn verfallen, umso mehr wird aus dem surrealen Horror blosse Beliebigkeit. Wenn schliesslich auch noch eine Meerjungfrau auftaucht, ist das kaum noch ein Schulterzucken wert. (ggs)

Arthouse Movie, Riffraff

Plötzlich Heimweh

Dokumentarfilm von Yu Hao, CH 2019; 79 min.

Die Filmemacherin Yu Hao berichtete für das chinesische Fernsehen aus aller Welt und reiste unter anderem ins Appenzell -- das ihr so sehr gefiel, dass sie 2005 nach Urnäsch zog. Seither filmt sie dort die Landschaft und die Menschen darin und sinniert nun in ihrem Film darüber, wo ihr Platz in der Welt ist.

Etwas sehr introspektiv ist das, und mitunter erklärt einem die Regisseurin aus dem Off Sachen, die man von selbst verstanden hätte. Aber sie hat auch eine spannende Perspektive, findet schöne Bilder, und am verblüffendsten ist vielleicht das: Als Stadtzürcher erscheint einem das Appenzell ähnlich fremd wie das chinesische Hinterland. (ggs)

Arthouse Uto

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