Das Neuste in Zürichs Kinos

Raubende Gangsterfrauen und die Lebensgeschichte von Astrid Lindgren: Das sind zwei der neuen Filme diese Woche.

Sie müssen sich auf das Allernötigste beschränken: Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer).

Sie müssen sich auf das Allernötigste beschränken: Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer).

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100 DingeVon Florian David Fitz, D 2018; 100 min.
Komödie

Zwei smarte Jungunternehmer (Florian David Fitz, Matthias Schweighöfer) wetten, dass es der andere keine 100 Tage ohne seinen Besitz aushält – nackig und verkatert wachen sie in ihren leer geräumten Lofts auf. Jeden Tag dürfen sie genau einen Gegenstand zurückholen. Da wird schnell klar, was wirklich wichtig ist: der gute warme Mantel, nicht das böse Handy.
Wetten, dass du die meisten Dinge, die du besitzt, gar nicht wirklich brauchst? Klingt nach einer Doku über die Wegwerfgesellschaft, ist aber eine Zeitgeist-Komödie, die Konsumkritik übt – in der süffigsten, konsumierbarsten Verpackung. Autor und Regisseur Florian David Fitz und Produzent Matthias Schweighöfer spielen auch die Hauptrollen. Sie haben meistens wenig an und sagen Sätze wie: «Das ist so schlecht, dass es schon wieder gut ist.» Genau! (SZ)

Abaton, Arena, Capitol

Zwei Jungunternehmer müssen ihren Besitz beschränken: «100 Dinge». Video: YouTube/Warner Bros. DE

AstridVon Pernille Fischer Christensen, S/Dä 2018, 123 min
Biopic

Astrid wächst als Tochter eines sehr religiösen Pfarrhofpächterehepaars auf dem Land auf. Mit 16 schliesst sie die Schule im nahe gelegenen Vimmerby ab, arbeitet als Volontärin bei der dortigen Zeitung und wird mit 18 von deren Verleger geschwängert. Um einen Skandal zu vermeiden, macht Astrid in Stockholm eine Sekretärinnenausbildung und gebärt in Dänemark, wo man den Namen des Kindsvaters nicht angeben muss.
Wir lieben Astrid Lindgrens Bücher wegen ihres Fantasiereichtums, ihrer Frechheit und Originalität. Nichts davon trifft auf diesen Film zu, der brav die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die im Schweden der Zwanzigerjahre unfreiwillig schwanger wird. Die Hauptdarstellerin Alba August ist allerdings eine Entdeckung. (bod)

Arena, Arthouse Piccadilly, Houdini, Kosmos

Die persönliche Geschichte einer der erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen: «Astrid». Video: YouTube/DCM

RomaVon Alfonso Cuarón, Mex/USA 2018; 135 min.
Drama

1971 in Mexiko-Stadt: Ein indigenes Dienstmädchen arbeitet für eine gutbürgerliche Familie im Stadtviertel Colonia Roma. Als die junge Frau (Yalitza Aparicio) schwanger wird, haut ihr Freund einfach ab. Auch der Mann der Hausherrin (Marina de Tavira) ist ein Lumpenhund: Er lässt Frau und Kinder für eine Jüngere sitzen. Derweil kommt es in der Stadt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Oscarpreisträger Alfonso Cuarón («Gravity») erzählt die autobiographisch angehauchte Geschichte mit viel ästhetischem Pomp. Mitunter wirds arg grossspurig, auch wenn die schwarzweissen Bilder schön anzusehen sind. (ggs)

Riffraff

Alfonso Cuarón setzt dem Viertel, in dem er aufwuchs, ein Denkmal: «Roma». Video: YouTube/Netflix

Tabaluga: Der FilmVon Sven Unterwaldt, D 2018; 90 min.
Kinderfilm

Der kleine grüne Drachen Tabaluga verlässt seine Heimat, um im frostigen Eisland sein Feuer zu suchen. Er findet die Liebe, aber auch einen brutalen Feind.
Tabaluga wurde in den Achtzigerjahren unter anderem von Peter Maffay erfunden und hat schon viel hinter sich: Mehrere Alben, ein Musical, eine Zeichentrickserie und eine TV-Show. Nun also ein Animationsfilm fürs Kino. Ganz ohne Musical-Kitsch geht es nicht, aber bei so viel Drama fiebern nicht nur junge Zuschauer mit Tabaluga mit. (SZ)
Abaton, Arena, Capitol, Corso

Der kleine Drache findet Freunde und Feinde: «Tabaluga: Der Film». Video: YouTube/Sony Pictures Releasing Schweiz

Under the Silver LakeVon David Robert Mitchell, USA 2018; 139 min.
Film noir

Sam (Andrew Garfield) bestreitet die Tage damit, in seiner Wohnung in Los Angeles Comics zu lesen und die Nachbarin zu beobachten. Als eine schöne Frau auf einmal verschwindet, macht er sich auf die Suche nach ihr und deckt eine wilde Verschwörung auf.
David Robert Mitchell, Schöpfer des smarten Horrors von «It Follows», denkt die Tradition des L.A. noir an ihr böses Ende: Der Detektiv aus Raymond Chandlers Zeiten schrumpft zum Slacker mit aggressiver Anspruchshaltung. Das ist auf böse Art klug, und Ideen über unsere Zeit gibts auch sonst sehr viele: konspiratives Denken als Popkultur, Paranoia-Lifestyle, die Sehnsucht nach Bedeutung, die Wut auf die Welt. Bloss wieso wirkt der Film so schlapp? (blu)

Houdini, Kosmos

Wilde Suche: «Under the Silver Lake». Video: YouTube/AscotElite

WidowsVon Steve McQueen, USA 2018, 130 Minuten
Drama

Vier Männer verüben einen Überfall, aber das Ding geht schief. Ihre Witwen müssen mit der Situation klarkommen. Veronica (Viola Davis), die mit dem Anführer zusammen war, wird von einem Politiker wegen Geldschulden unter Druck gesetzt. Und beschliesst, den Raub durchzuziehen, den die Männer geplant hatten.
Noch einmal «Ocean’s 8», in dem lustige Frauen in grossem Stil klauen? Überhaupt nicht. Regisseur Steve McQueen («12 Years a Slave») verlegt die auf einer britischen TV-Serie basierende Handlung nach Chicago, in ein Milieu der Rassenkonflikte, der Korruption und Gewalt. Viola Davis brilliert dabei als Oberwitwe, ihre Gefolgsfrauen stehen ihr in nichts nach, und der Film hält bis zum Schluss Überraschungen bereit. (ml)

Abaton, Arena, Arthouse Alba, Corso, Metropol, Riffraff

Wenn Frauen von Gangstern plötzlich selbst einen Bankraub begehen: «Widows». Video: YouTube/20th Century Fox Switzerland

(Züritipp)

Erstellt: 06.12.2018, 15:45 Uhr

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