Das Neuste in Zürichs Kinos

Eine Töffli-Fahrt an die Ostsee, ein Raketenflug auf den Mond und eine Wanderung durch die Tundra: Das sind die neuen Kinofilme diese Woche.

Ratna (li.) arbeitet in Indien als Bedienstete, erhofft sich aber eigentlich mehr vom Leben: «Sir».

Ratna (li.) arbeitet in Indien als Bedienstete, erhofft sich aber eigentlich mehr vom Leben: «Sir».

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25 km/hVon Markus Goller, D 2018; 117 min.
Komödie

Was geschieht, wenn sich zwei Brüder (Lars Eidinger, Bjarne Mädel), zerstritten, tief in der Midlife-Crisis, auf die unbekümmerte Kindheit besinnen? Genau: Sie besteigen ihre alten Mofas, die seit Jahrzehnten in der Scheune des verstorbenen Vaters herumstehen. Und fahren mit 25 Kilometern pro Stunde vom Schwarzwald bis zur Ostsee.
Auf dem Weg begegnen die beiden guten und bösen Geistern – vor allem aber ihren eigenen. Eidinger und Mädel sehen dabei auch unrasiert, ungekämmt, in zerknautschten Anzügen und mit rot unterlaufenen Augen noch liebenswert aus. (SZ)

Abaton 9, Arena 12, Capitol 2, Frosch Studio 1, Riffraff 2

Roadtrip mit dem Mofa: «25 km/h». Video: YouTube/Sony Pictures Releasing Schweiz

ÁgaVon Milko Lazarov, Bul 2018; 96 min.
Drama

Ein alter Rentierhüter lebt mit seiner Frau und einem riesigen Schlittenhund in der Eiswüste Sibiriens. Aus diesem archaischen Paradies ist ihre einzige Tochter längst geflohen. Nun sehnen sich die schwächer werdenden Eltern nach einem Wiedersehen.
Alles fliesst langsam in dieser wunderschönen, in poetischen Bildern erzählten Geschichte, ohne dass es je langweilig würde. Mit dem unablässig tobenden Wind spürt man, wie die Zeit vergeht; eine unverdorbene Stille lässt jedes Wort bedeutungsvoll erscheinen. Und in den harten Gesichtern der Protagonisten verliert man sich wie in einer magischen Landschaft. (pfb)

Houdini 2, Houdini 3

Ein Elternpaar, das sich nach seiner Tochter sehnt: «Ága». Video: Youtube/trigon-film

First ManVon Damien Chazelle, USA 2018; 141 min.
Biopic

1962 wird der Ingenieur und Testpilot Neil Armstrong (Ryan Gosling) ins amerikanische Raumfahrtprogramm aufgenommen. Die Astronauten leisten Pionierarbeit, riskieren dabei aber oft den Tod. Und tatsächlich sterben Piloten. Das macht es schwer für Armstrongs Frau (Claire Foy), die eh darunter leidet, dass der Krebstod der kleinen Tochter ihren Gatten unnahbar gemacht hat.
Regisseur Damien Chazelle («La La Land») zeigt den langen Weg zur Mondlandung in faszinierenden Bildern. Zugleich schildert er den Preis, den die Menschen zahlen, die diese technischen Leistungen vollbracht haben. (ggs)

Abaton 10, Abaton 3, Abaton 5, Abaton 7, Abaton B, Arena 15, Arena 5, Arena 8, Capitol 4, Corso 4, Houdini 1, Houdini 3, Houdini 4, Kosmos 1, Kosmos 2, Kosmos 6, Metropol 1, Metropol 2

Erzählt auch die Geschichte des Menschen Neil Armstrong: «First Man». Video: Youtube/Universal Pictures Switzerland

Genesis 2.0Von Christian Frei und Maxim Arbugaev,
CH 2018; 113 min.
Dokumentarfilm

Auf den Neusibirischen Inseln wühlen sich Männer Jahr für Jahr durch den schmelzenden Permafrost auf der Suche nach Mammutstosszähnen. Doch profitables Glück ist selten. Einmal aber fand ein Suchtrupp ein ganzes, gut erhaltenes Wollhaarmammut, Zähne, Rüssel, Skelett und Fell, sogar Blut floss noch aus dem angetauten Fleisch. Und dieser jahrtausendealte Kadaver wurde natürlich zum Objekt wissenschaftlicher Begierde. Er schürte die Hoffnung, es könne so ein Wesen wieder ins Leben geklont werden.
Ein klug gestalteter Film. Wir sehen ein Panorama sich auftun. Es reicht von alter Schöpfungspoesie bis zu den gut gelaunten Lebensingenieuren, die Hunde klonen und womöglich bald schon Menschen herstellen – weil Gott nicht perfekt sei und Hilfe brauchen könne bei der Perfektionierung seiner Kreaturen. Und ja, ein wenig kalt wird einem beim Zuhören manchmal schon. (csr)

Arthouse Piccadilly 1, Arthouse Piccadilly 2

Zeigt die Jagd auf gefrorene Mammuts: «Genesis 2.0». Video: Youtube/freneticfilms

Melanies ChronikVon Viesturs Kairiss, Lett 2016; 105 min.
Biopic

Im Juni 1941 wird die Lettin Melanie (Sabine Timoteo) mit ihrer Familie von der sowjetischen Besatzungsmacht nach Sibirien deportiert. Wie ihnen ergeht es Tausenden ihrer Mitbürger. Sie alle erwartet ein hartes Leben im Gulag.
Dieser Film schildert die Erinnerungen der Journalistin und Schriftstellerin Melanija Vanaga in harten, kalten Schwarzweissbildern und ruft eindrücklich eine wenig bekannte Geschichte in Erinnerung. Die Schweizer Schauspielerin Sabine Timoteo, die für die Rolle eigens Lettisch gelernt hat, ist stark in der Hauptrolle. (ggs)

So 11 Uhr in Anwesenheit von Sabine Timoteo – Riffraff 1

Erinnerungen in Schwarzweiss: «Melanies Chronik». Video: Youtube/mythenfilm

OverlordVon Julius Avery, USA 2018; 109 min.
Horror

Amerikanische Soldaten landen 1944 in einem besetzten Dorf in Nordfrankreich. Ihre Mission: Sie sollen einen Funkturm der Nazis zerstören. Aber dann entdecken sie ein unterirdisches Labor, in dem die deutschen Besatzer den unbesiegbaren Supersoldaten züchten.
Nein, das jüngste Werk von Produzent J. J. Abrams gehört nicht zur «Cloverfield»-Reihe, wie lange gemunkelt wurde. Das ist auch besser so. Der Film zerfällt in zwei Teile – einen soliden Kriegsfilm-Auftakt mit spektakulären Szenen, wenn die Soldaten aus einem halb weggeschossenen Flugzeug springen, und ein furchterregendes Zombiefinale mit unnötigen Folterszenen. (zas)

Abaton 2, Abaton 6, Metropol 2

US-Soldaten stossen auf Monster-Nazis: «Overlord». Video: Youtube/Paramount Pictures Switzerland

A Simple FavorVon Paul Feig, USA 2018; 119 min.
Thriller

Die schüchterne Hausfrau Stephanie (Anna Kendrick) freundet sich mit dem Vorstadt-Vamp Emily (Blake Lively) an. Als Letztere von einem Tag auf den anderen verschwindet, macht Stephanie sich auf die Suche nach ihr und deckt düstere Familiengeheimnisse auf.
Komödienspezialist Paul Feig («Bridesmaids») hat zum ersten Mal einen Thriller probiert. Herausgekommen ist ein Mix aus französischer Krimitradition und amerikanischer Reihenhauserotik. (SZ)

Abaton 8, Arena 11, Capitol 5, Capitol 6

Als Emily verschwindet, ermittelt ihre beste Freundin: «A Simple Favor». Video: Youtube/Impuls Movies

SirVon Rohena Gera, Ind/F 2018; 99 min.
Liebesfilm

Da leben zwei in Mumbai unterm selben Dach, aber in getrennten Welten: die früh verwitwete Ratna (Tillotama Shome), die gerne Modedesignerin würde, sich aber als Bedienstete verdingen muss, und ihr junger, reicher Dienstherr (Vivek Gomber). Nachdem dessen Verlobung geplatzt ist, entwickeln die beiden eine zaghafte Zuneigung füreinander.
Welch unüberwindliche Hürden einer solchen Verbindung in der indischen Klassen- (und Kasten-)Gesellschaft entgegenstehen, verdeutlicht Regisseurin und Autorin Rohena Gera ganz ohne melodramatische Exzesse. Der Verstand verneigt sich vor so viel respektabler Subtilität, nur das Herz wünscht sich klammheimlich mehr Pfupf – und eine weniger blasse männliche Hauptfigur. (jum)

Arthouse Movie 2, Kosmos 2

Eine indische Bedienstete verliebt sich in ihren Chef: «Sir» Video: Youtube/Xenix Film

(Züritipp)

Erstellt: 08.11.2018, 10:57 Uhr

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