Das sind die neuen Kinofilme

Spione, Genies, Superhelden und vieles mehr. Das sind die Filme der neuen Kino-Woche.

Kommuniziert wie alle Teenager lieber mit ihrem Smartphone: Stella (Haley Lu Richardson) darf wegen ihrer Krankheit auch nicht in Kontakt mit anderen Menschen kommen.

Kommuniziert wie alle Teenager lieber mit ihrem Smartphone: Stella (Haley Lu Richardson) darf wegen ihrer Krankheit auch nicht in Kontakt mit anderen Menschen kommen.

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Five Feet Apart – Drei Schritte zu dirVon Justin Baldoni, USA 2019; 135 min.
Liebesfilm

Zwei 17-Jährige (Haley Lu Richardson, Cole Sprouse) lernen sich in einer Spezialklinik kennen, beider Leben ist bedroht durch eine Lungenkrankheit. Leider dürfen sie einander nicht anfassen, um sich nicht gegenseitig schlimm zu infizieren. Das erschwert die aufkeimende Liebe, macht sie aber nicht unmöglich.

Regisseur Justin Baldoni hakt alle Rührungspunkte des Todkranke-Teenager-Genres erfolgreich ab, dafür spart er sich die Mühe mit überraschenden Wendungen oder unkonventionellen Hauptfiguren. (SZ)

Abaton, Arena, Capitol

Liebe auf 3 Schritte Distanz: Stella (Haley Lu Richardson) und Will (Cole Sprouse) sind durch ihre Krankheiten getrennte. Video: YouTube/Impuls Movies

Au bout des doigtsVon Ludovic Bernard, F 2018; 106 min.
Komödie

Ein Sozialmärchen à la française: An einem öffentlichen Klavier im Bahnhof Paris-Nord sitzt ein junger Mann (Jules Benchetrit) und spielt wie ein junger Gott. Fällt nur keinem auf. Dann kommt ein Musikprofessor (Lambert Wilson) vorbei, der das Genie des Jungen erkennt. Dieser stammt aber aus den Banlieue, ist ebenso undankbar wie kriminell und muss erst zu seinem Glück gezwungen werden.

Regisseur Ludovic Bernard versucht eine Brücke zwischen Armut und Reichtum, zwischen Coolness und Kulturpolitik zu schlagen, bedient sich dabei aber sämtlicher Klischees, die einem privilegierten Publikum zu arm und reich, cool und kultiviert einfallen. (SZ)

Arthouse Piccadilly

Wenn er nicht spielt, landet er im Knast: Der Junge aus dem Banlieue hat nur noch sein Talent. Video: YouTube/Pathe Films

BrightburnVon David Yarovesky, USA 2019; 87 min.
Horror

In der fiesen Superman-Parodie beginnt der übermenschlich starke, blitzschnelle und unverwundbare Brandon (Jackson A. Dunn) schon mit zwölf Jahren eine Serienkillerkarriere. Warum auch nicht, was soll ihm schon passieren?

Superhelden haben ja etwas Unheimliches an sich. Mit ihren unmenschlichen Kräften, einer oft geheimen Agenda und der Tendenz, Konflikte durch Gewalt zu lösen. Aber die an sich interessante Prämisse vom gruseligen, durchgedrehten Superhelden wird für Regisseur David Yarovesky schnell zur Entschuldigung, bloss noch einen unglaubwürdigen Charakter nach dem anderen möglichst brutal und eklig abzumurksen. In Zürich zeigt der Verleih leider nur die deutsche Synchronfassung. (SZ)

Abaton, Arena

Entgegen der allgemeinen Meinung kämpfen nicht alle Superhelden fürs Gute: Das Kind in «Brightburn» entpuppt sich als etwas Böses. Video: YouTube/Sony Pictures Releasing Schweiz

First ReformedVon Paul Schrader, USA 2017; 113 min.
Drama

Der reformierte Priester Ernst Toller (Ethan Hawke) ringt mit dem Glauben und dem Alkohol, seit sein Sohn im Irakkrieg starb. Da bittet ihn eine junge Frau (Amanda Seyfried) um Beistand: Ihr Mann (Michael Gaston) kämpft für den Umweltschutz. Mit extremen Mitteln. Toller soll ihn vom Schlimmsten abhalten – stattdessen steckt ihn dessen Glaubensstärke an.

Paul Schrader, der einst das Drehbuch zu «Taxi Driver» schrieb, drehte in den letzten Jahren vor allem Flops. «First Reformed» dagegen ist fantastisch: Sehr gewagt, sehr provokant, mit einem hemmungslosen Ethan Hawke in der Hauptrolle. Der Film brachte Schrader seine erste Oscarnominierung ein. (ggs)

Xenix

Gilt bereits jetzt als Meisterwerk: «First Reformed» von Paul Scrader. Video: YouTube/A24

Inna de YardVon Peter Webber, F 2018; 99 min.
Dokumentarfilm

Es gibt kaum ein anderes Land, das sich so sehr über seine Musik erfunden hat wie Jamaika. Die Identität dieser Insel, die nicht viel grösser ist als der Kanton Graubünden, liegt im Reggae und bei denen, die diesen Sound praktizieren. Der Dokumentarfilm erzählt diese Geschichte anhand der Lebenswege einiger Reggae-Veteranen.

Der Film versammelt jamaikanische Granden wie Ken Boothe, Winston McAnuff, Kiddus I, Cedric Myton und die Sängerin Judy Mowatt, um nochmals eine Platte aufzunehmen mit alten Hits. Unplugged und unter freiem Himmel. «Inna De Yard» ist eine berührende, solide gestaltete Doku, die aber hie und da in einen anbiedernden Homestory-Ton verfällt. (bsc)

Riffraff

In ihnen lebt der Spirit des Reggaes: Die Gruppe Inna de Yard auf den Spuren Bob Marleys. Video: YouTube/freneticfilms

Long ShotVon Jonathan Levine, USA 2019; 125 min.
Komödie

Eine amerikanische Präsidentschaftskandidatin (Charlize Theron) nimmt aus einer Laune heraus einen Reporter (Seth Rogen) in ihr Wahlkampfteam auf. Zunächst nur als Redenschreiber, aber bald gerät er ins Zentrum der Kampagne – und er und die Kandidatin kommen sich privat näher.

Insbesondere Charlize Theron brilliert in einer gut gemachten romantischen Komödie über zwei Menschen, die lernen müssen, für die Liebe über den eigenen Schatten zu springen. Als politische Fantasie überzeugt «Long Shot» hingegen weniger – viel mehr als eine harmlose Steve-Bannon-Karikatur hat diese linke Gegenfantasie nicht zu bieten. (foe)

Abaton, Arena, Corso, Houdini

Gefühle und Spannungen entwickeln sich: Der Top-Journalist und die Top-Politikerin spielen ein gefährliches Spiel. Video: YouTube/AscotElite

L’ospite – Der GastVon Duccio Chiarini, CH/I/F 2018, 94 min.
Komödie

Beim Sex kommt einem 38-Jährigen das Kondom im Körper seiner langjährigen Freundin abhanden. Obschon die Lebensumstände alles andere als gesichert sind, könnte sich unser Mann vorstellen, Vater zu werden. Das stresst die Freundin, die eine Auszeit will. Hinfort schläft der Mann bei verschiedenen Freundinnen und Freunden auf der Couch, was ihm tiefe Einblicke in deren Leben erlaubt.

Der zweite Spielfilm des Florentiner Regisseurs ist lustig und sympathisch, hat aber auch seine Längen. Doch man bekommt viel davon mit, wie es ist, im heutigen Italien zu leben. (bod)

Stüssihof

Wenn die Kinderfrage zur Auszeit führt: Das Paar tut sich mit den Lebensumständen schwer. Video: YouTube/First Hands Films CH

Red JoanVon Trevor Nunn, GB 2018; 110 min.
Drama

Sie ist ein unscheinbares Grosi, das im Garten die Büsche pflegt. Aber eines Tages steht ein riesiges Polizeiaufgebot vor der Tür: Ihr wird 27-facher Landesverrat vorgeworfen. So denkt Joan (Judi Dench) an die Tage zurück, als sie eine junge Physikerin (Sophie Cookson) in Cambridge war. Und einen feurigen Russen kennen lernte.

Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt, und das ist das Problem. Judi Dench darf in diesem Film nämlich nicht viel mehr tun als die Augen verdrehen, um sich an früher zu erinnern. Sophie Cookson macht ihre Sache nicht schlecht, aber die junge Joan und die alte kommen nie richtig zusammen. Schade um die Gegenwart. Und Judi Dench.(ml)

Arthouse Movie, Kosmos

Jemand hat das land verraten: Hat die charismatische Rentnerin etwas damit zu tun? Video: YouTube/Impuls Movies

Santiago, ItaliaVon Nanni Moretti, I 2018; 80 min.
Dokumentarfilm

Nach einem Putsch im September 1973 errichteten chilenische Militärs eine Diktatur, folterten und ermordeten ihre politischen Gegner systematisch. Einzig Italien anerkannte diese Junta nicht, und über die italienische Botschaft gelangten 600 verfolgte Chilenen ins Exil.

Vom heutigen Italien aus gesehen sei unvorstellbar, wie solidarisch sich sein Land damals noch verhalten habe, sagt Regisseur Moretti. Deshalb habe er diesen Film drehen müssen. Zu Wort kommen nicht nur Exilchilenen, sondern auch zwei Militärs, die sich keiner Schuld bewusst sind. Der Film hat seine vielen Auszeichnungen zu Recht erhalten. (bod)

Arthouse Uto

1973 empfingen die Italiener die Chilenen mit offenen Armen: Die Geschichte vom Militär Putsch in der Doku «Santiago»

TolkienVon Dome Karukoski, USA 2019; 112 min.
Biopic

Vom Fieber geplagt, quält sich Lieutenant Tolkien (Nicholas Hoult) durch die Gräben im Ersten Weltkrieg. Rückblenden zeigen seine Jugend in Birmingham, das Studium in Oxford und die Beziehung zu Edith Bratt (Lily Collins). Am Ende hat er die Idee zu «The Hobbit».

Tolkiens Nachfahren haben sich vom Film distanziert, und er nimmt sich tatsächlich einige Freiheiten. Vor allem jagen die Filmemacher die Biografie durch einen «Lord of the Rings»-Filter – da erscheint Birmingham als ein Höllenloch à la Mordor, oder halluziniert Tolkien auf dem Schlachtfeld Drachen und Dämonen. Das ist nicht immer subtil, macht «Tolkien» aber spannender als die meisten Biopics. (ggs)

Arena, Capitol, Kosmos Krieg, Liebe und Freundschaft: Das Leben des Schriftstellers J. R. R. Tolkien. Video: YouTube/FoxSearchlight

Erstellt: 19.06.2019, 14:37 Uhr

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