Den Finger mit Stolz zeigen

An der 22. Ausgabe der Kurzfilmtage Winterthur gehts um England, den Künstler Mike Hoolboom und Georgien. Das sind unsere Highlights aus dem Programm.

«Wasp»: Diese britische Familie lässt sich nichts gefallen.

«Wasp»: Diese britische Familie lässt sich nichts gefallen.

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Herzstück der Kurzfilmtage sind jeweils die Wettbewerbsprogramme. Im Internationalen Wettbewerb treten 35 Beiträge gegeneinander an, 18 sind es im Schweizer Wettbewerb. Die Sieger werden am letzten Tag des Festivals bekanntgegeben.

Zwei Jahre nach der Brexit-Abstimmung machen die Kurzfilmtage Winterthur England zum Thema. YouTube/arttv

Preisverleihung & Best of: So 11.11., 19 Uhr, Theater Winterthur 1


Wasp
Von Andrea Arnold, GB 2003; 26 min.

Als alleinerziehende Mutter mit vier Kindern hat es Zoë (Natalie Press) nicht leicht, und dann verliert sie auch noch eine Rauferei gegen eine andere Mutter. Den Stolz bewahrt sich Zoë trotzdem: Sie und ihre Kinder zeigen der Kontrahentin die Finger.

In «Wasp» zeichnet Andrea Arnold («American Honey») eindrücklich realistisch, aber nicht ohne Humor den Alltag der britischen Unterschicht. Dafür gewann sie 2005 den Oscar für den besten Kurzfilm. Der grosse Fokus des Festivals ist dieses Jahr England gewidmet; Arnolds Beitrag läuft im Programmblock «British Classics».

British Classics:
Do 8.11., 20 Uhr / Sa 10.11., 22.30 Uhr, Casino 2

Eine alleinerziehende Mutter in Dalfort: «Wasp» zeichnet einen Alltag aus der Britischen Unterschicht. YouTube/Beatriz


Frank’s Cock
Von Mike Hoolboom, CDN 1993; 8 min.

«Wenn er in mir war, fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben geborgen.» Frech, aber zärtlich erzählt ein Schwuler (Callum Keith Rennie) von seinem Freund. Zugleich sieht man Aufnahmen aus medizinischen Filmen oder Pornos und hört Popmusik.

Eine wilde Mischung. «Frank’s Cock» war die erste Arbeit des kanadischen Regisseurs Mike Hoolboom, in der dieser das Thema Aids anging. Er selbst hatte sich in den 80ern angesteckt. Hoolboom hat seither über 100 Kurzfilme gedreht – für die Kurzfilmtage, die er auch persönlich beehren wird, hat er ein Best-of zusammengestellt.

Ventriloquisms:Do 8.11., 16.30 Uhr, Cameo
Masterclass: Sa 10.11., 11.30 Uhr, Casino 2
Supernatural Powers: Sa 10.11., 14.30 Uhr, Casino 2

Behandelt das Thema Aids: Frank's Cock von Mike Hoolboom. Vimeo/mike hoolboom


Winter Which Was Not There
Von Vajiko Chachkhiani, GEO 2017; 11 min.

Vor zehn Jahren war der Georgienkrieg. Wie haben ihn die örtlichen Filmer verarbeitet? Das zeigt der Länderfokus Georgien. So sieht man in «Winter Which Was Not There», wie eine Statue mit einem Kran aus einem Gewässer geholt wird. Ein Mann bindet das Denkmal an seinem Auto fest und fährt damit übers Land; der steinerne Körper schleift über die Strasse. Rätselhaft – aber sehr lustig.

Recording Georgia:
Mi 7.11., 19.30 Uhr, Cameo
Fr 9.11., 11.30 Uhr Casino 2
In Anwesenheit von Vajiko Chachkhiani u. a.


Facing Mecca
Von Jan-Eric Mack, CH 2016, 27 min.

Letztes Jahr gewann «Facing Mecca» den Publikumspreis. Anschliessend wurde er am Schweizer Filmpreis als bester Kurzfilm augezeichnet. Es geht um einen Flüchtling, der seine Frau gerne nach muslimischen Brauch begraben möchte, damit aber gegen die Schweizer Behörden anrennt.

Gewinner des Publikumspreis der letztjährigen Kurzfilmtage Winterthur: «Facing Mecca». YouTube/Dschoint Ventschr

Di 6. – So 11.10.
Winterthur
Diverse Orte
Festivalzentrum im Casinotheater, Stadthausstr. 119
www.kurzfilmtage.ch

(Züritipp)

Erstellt: 31.10.2018, 16:33 Uhr

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