Der alten Dame zuliebe

Nach dem Tod des Grossvaters muss sich eine Familie zusammenraufen – der Grossmutter zuliebe.

Üblicherweise liegt sich diese Familie nicht in den Armen, sondern in den Haaren.

Üblicherweise liegt sich diese Familie nicht in den Armen, sondern in den Haaren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Anfang steht die Beerdigung des Grossvaters. Die Trauer hält sich in Grenzen, weil ihn keiner mochte. Und doch verändert diese Beerdigung viel bei dieser Familie, die sich über die Jahre fremd geworden ist. Da ist die Grossmutter, die den eigenen Sohn Pierre (Jean-Pierre Bacri) nicht mehr erkennt.

Da ist dessen Ex-Frau Claudine (Chantal Lauby), und da sind die erwachsenen Enkel Elsa (Camille Cotin), Mao (Pierre Deladonchamps) sowie Gabrielle (Vanessa Paradis) samt Sohn. Sie alle hadern mit sich, und wenn sie zusammen reden, reden sie aneinander vorbei. Doch da die Grossmutter offensichtlich dement ist, müssen sie sich von nun an abwechselnd um sie kümmern.

«Was tun mit Grossmutter?» Die Frage im Film Photo de famille. Video: YouTube/Agora Films

Dass das nicht lange gut geht, ist naheliegend. Zum Glück für uns Zuschauer interessiert sich Regisseurin Cécilia Rouaud («Je me suis fait tout petit») nicht primär für diese Rahmenhandlung, sondern für ihre Figuren. Das dann dafür richtig, denn diese mag sie. Samt ihren Launen und Eigenarten. Und so wachsen die Protagonisten auch uns ungewöhnlich schnell ans Herz.

Daneben fällt einem die offensichtliche Spielfreude der Darsteller auf. Vanessa Paradis etwa – Rouaud schrieb ihr die Rolle auf den Leib – ist köstlich als alleinerziehende Hippie-Mutter, die sturzhagelvoll Cat Stevens’ «Wild World» schmettert. Das ist zwar lustig, hat aber einen tragischen Beigeschmack.

Bei Pierre Deladonchamps ist es umgekehrt: Als sich sein Mao in die Seine stürzen will, ist das tragisch – weil es aber derart schiefgeht, schon wieder komisch. Klar, die Einsicht, dass Blut dicker ist als Wasser, ist nicht neu im Kino. Doch hier ist sie durchaus charmant anzuschauen.

Arthouse Movie
Nägelihof
14 Uhr, 18.20 Uhr, 20.30 Uhr
Do 12.15 Uhr, Arthouse Le Paris (Lunchkino)
www.arthouse.ch

Erstellt: 15.05.2019, 13:33 Uhr

Artikel zum Thema

Sushi, Nudeln und Krieg

Ab heute präsentiert das Filmfestival Ginmaku zum 5. Mal aktuelles japanisches Kino. Drei Highlights. Mehr...

«Man kann ja googeln»

Der serbische Regisseur Ognjen Glavonic wird wegen seines Films über den Kosovokrieg 1999 stark attackiert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home Kleine Wohnung – grosse Kunst

Geldblog Stimmung bei Novartis hellt sich auf

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...