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Der Film, der 14 Stunden dauert

Der mehrteilige Spielfilm «La flor» des Argentiniers Mariano Llinás ist ein aussergewöhnliches Kinoerlebnis.

Der Regisseur nennt seine Protagonistinnen nur «las chicas»: die vier Hauptdarstellerinnen in «La flor».
Der Regisseur nennt seine Protagonistinnen nur «las chicas»: die vier Hauptdarstellerinnen in «La flor».

Am Samstag schon etwas vor, so von 10 Uhr vormittags bis ungefähr morgens um 2 Uhr? Das Kino Xenix zeigt den vierzehnstündigen Spielfilm «La flor» aus Argentinien ein einziges Mal am Stück. Es ist das allerfeinste Stück vom Kino: ein erfindungsreicher Genremix, aufgeteilt in sechs Episoden.

Nützlicherweise spricht der Regisseur Mariano Llinás immer wieder zum Publikum, um den Ablauf zu erklären und durchzugeben, wie lange es noch dauert. Dabei sitzt er oft an einem Steintisch unweit einer Landstrasse. Auch die Pausen hat er eingerechnet; dann steht auf der Leinwand «Intervalo», und es läuft ein bisschen Musik.

Verschlungenes Meta-Spiel

Der Soundtrack ist ohnehin wichtig in diesem Ausnahmewerk, das 2018 im Wettbewerb von Locarno zu sehen war. «La flor» beginnt mit einem Mini-B-Movie über Mumienforscherinnen, darauf folgt eine Edel-Telenovela um ein Schlagerduo. Eine ganze Weile später treten ein Auftragsmörder namens Mackie Messer sowie zwei als kanadische Mounties verkleidete Schauspielerinnen auf, die sich gegen ihren Regisseur auflehnen, weil der am liebsten Bäume filmt. («Was ist der Status des Drehbuchs?» – «Es gibt Entwürfe!»)

«La flor» ist ein verschlungenes Meta-Spiel des Erzählens wie eine Hommage an Filmgenres. Mariano Llinás besetzt seine vier Schauspielerinnen, die er in Interviews nur «las chicas» nennt und die sonst die Theatergruppe «Piel de lava» bilden, in immer neuen Rollen. Man hat sie über die Zeit richtig lieb gewonnen, auch weil ihre Rollen die Vorstellungen von Weiblichkeit problematisieren und ihr Spiel stets elastisch bleibt.

Aus dem Kinofundus entsteht in «La flor» etwas wunderbar Grosszügiges und Vergnügliches. Die Ambition ist waghalsig, die Leidenschaft fürs Erzählen bleibt unbändig, denn Mariano Llinás drückt alle Knöpfe der Fiktionsmaschine: Flashbacks, gesprächige Offstimme, Ellipsen, Zwischentitel.

«La flor» sei ein «grosses Haus der Fiktion», schreibt Mariano Llinás’ Landsmann Matías Piñeiro in der Zeitschrift «Film Comment». Am Ende handelt der Film von unserem eigenen Erlebnis des Schauens: Die Genremuster kennen wir, aber alles andere entsteht aus den Momenten, das freie Spiel genauso wie die Erfahrung von Zeit. Als erlebten wir mit eigenen Augen ganze Karrieren von Schauspielerinnen, als wohnten wir ganzen Epochen des Kinos bei.

Xenix Kanzleiareal Teil I bis Teil III am Stück: Sa 10 Uhr (I), 14.30 Uhr (II), 20.45 Uhr (III) Weitere Vorführungen: Do 18 Uhr (Teil I), Fr 18 Uhr (II), So 18.30 Uhr (III)www.xenix.ch

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