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Der Grundkonflikt: Mensch gegen Natur

Jack Londons Roman «The Call of the Wild» wurde erneut verfilmt. Was fasziniert Filmemacher so sehr an der Wildnis?

Andreas Scheiner
Einsiedler (Harrison Ford) und Mischling Buck werden Freunde: «Call of the Wild».
Einsiedler (Harrison Ford) und Mischling Buck werden Freunde: «Call of the Wild».

Wildnis im Film zieht immer, man weiss das, seit es Kino gibt: Bald hundert Jahre ist es her, da doku­mentierte «Nanook of the North» (1922) den Alltag der Inuit in der Arktis, inklusive Walrossjagd. Auch dem Spielfilm stand der Sinn früh nach Zivilisationsflucht und ungebändigter Natur.

Nehmen wir allein den jetzt erneut verfilmten Jack-London-­Stoff «The Call of the Wild»: Der Roman von 1903, der davon erzählt, wie ein Haushund in der Wildnis landet, wurde erstmals kurz nach «Nanook» als Stummfilm adaptiert. 1935 gab es ein Tonfilm-Remake mit Clark Gable; später folgten Farbfilme, unter anderem einer mit Charlton Heston. Jetzt hat Harrison Ford die menschliche Hauptrolle übernommen.

Jedenfalls: Die Faszination des Kinos für die Wildnis hat nie nachgelassen. Nun gibt es natürlich Variationen. Mal muss mit Bären gerungen werden, wie es Leonardo DiCaprio als Trapper in «The Reve­nant» (2015) tut, was ihm sogar den Oscar einbrachte. Oder dann sind es die Wölfe, die in «The Grey» (2011) einem Jäger (Liam Neeson) gefährlich werden, der in den Wäldern strandete.

Der Grundkonflikt ist jeweils derselbe: Mensch gegen Natur. Überlebenskampf. Und am Ende steht oft eine Demuts­erfahrung, da dämmert dem Menschen, dass er, trotz des ganzen technolo­gischen Fortschritts, nichts zu melden hat in der freien Wildbahn – womit in der Regel auch eine persönliche Läuterung einsetzt. In «Wild» (2014) etwa geht eine traumatisierte Frau (Reese Witherspoon) so lange wandern, bis sie mit sich im Reinen ist. Der von James Franco gespielte Kletterer in «127 Hours» (2010), der in einer Felsspalte festhängt, überdenkt sein Lotterleben, bevor er sich den Arm amputiert.

Und da wäre noch Alexander Supertramp (Emile Hirsch), wie sich der Aussteiger aus «Into the Wild» (2007) nennt: Im Niemandsland nördlich des ver­gletscherten Bergs Denali in Alaska gelangt er zur Erkenntnis, dass nur glücklich ist, wer jemanden hat, mit dem er sein Glück teilen kann.

Selbst ein Hund kann lernen, umzudenken: Buck heisst der Bernhardiner-Collie-Mischling aus «The Call of the Wild», der entführt und nach Yukon im Nordwesten von Kanada verkauft wird, wo er dann die Lebensgeister des traurigen Einsiedlers John Thornton (Harrison Ford) weckt. Wobei das Bemer­kenswerte beim Klassen­kämpfer Jack London die kapitalismuskritische Moral ist: Der Familienhund aus gutem Hause entdeckt schliesslich das stolze Wildtier in sich und beschliesst, draussen zu bleiben.

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The Call of the Wild

Abendteuerfilm von Chris Sanders, USA 2020; 100 Min.

Familienhund Buck, ein Bernhardiner-Collie-Mix aus gutem Haus, wird entführt und nach Yukon im äussersten Nordwesten Kanadas verkauft. Es ist die Zeit des Goldrausches, Schlittenhunde sind begehrt. Buck wird von tierlieben Post­boten (Omar Sy und Cara Gee) eingespannt, landet bei einem goldgierigen Böse­wicht (Dan Stevens) und lernt durch einen Einsiedler (Harrison Ford) die Wildnis schätzen. In der erneuten Verfilmung von Jack Londons Roman wetteifern der computeranimierte Buck und Harrison Ford um den wirkungs­volleren Hundeblick. Regisseur Chris Sanders, der vom Animationsfilm kommt («The Croods»), trägt etwas sehr dick und kindlich auf, aber der Abenteuerstoff ist zeitlos gut. (ase)

Ab Do 20.2. in den Kinos

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