Der Kinokrieg geht in die nächste Runde

Roland Emmerich widmet mit «Midway» dem Pazifikkrieg einen weiteren Film. Wie schneidet er im Vergleich ab?

Er will es den Japanern heimzahlen: Der US-Pilot (Luke Evans).

Er will es den Japanern heimzahlen: Der US-Pilot (Luke Evans).

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In Roland Emmerichs chaotischem Schlachtengemälde «Midway» taucht als eine von vielen Nebenfiguren John Ford (Geoffrey Blake) auf, einer der erfolgreichsten US-Regisseure der 30er bis 60er. Bekannt ist er vor allem für seine Western, aber im Jahr 1942 war er tatsächlich, als Teil des Filmteams der US Navy, bei der Seeschlacht im Pazifik dabei und drehte einen spektakulären Doku­mentarfilm darüber: «The Battle of Midway».

Der Pazifikkrieg war in diesem Sinne von Anfang an ein Kinokrieg – und das weiss auch Emmerich, der jede Menge weitere Kriegsfilme anklingen lässt. Vor allem greift er Motive des ersten «Midway»-Spielfilms auf: Jack Smight inszenierte die Schlacht 1976 mit Henry Fonda und Charlton Heston auf amerikanischer und Toshiro Mifune auf japanischer Seite – Schauspieler, die selbst noch am Krieg teilgenommen hatten und dem Film, bei allem patriotischen Pathos, eine melancho­lische Dimension verleihen, die der neuen Version komplett fehlt.

Neue Perspektive: Die Schlacht von Midway neu verpackt. Video: Youtube/AscotElite

Emmerich setzt ganz auf Action; sein «Midway» beginnt mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour, der im Kino besonders viele Spuren hinterlassen hat. Da ist natürlich der Film von Michael Bay aus dem Jahr 2001, der das nationale Trauma in einen wuchtigen, triumphalen Blockbuster übersetzt.

In Emmerichs «Midway» hallen leider jene Vorgängerfilme kaum nach, die den Versuch unternehmen, ein komplexeres Bild des Kriegsgeschehens zu zeichnen. Wiederum John Ford machte 1945, unmittelbar nach Kriegsende, mit «They Were Expendable» den Anfang: keine Doku, sondern eine Ballade über die Hilflosigkeit von US-Soldaten, verloren in den Weiten des Ozeans. Clint Eastwood widmete dem Pazifikkrieg 2006 mit «Flags of Our Fathers» und «Letters From Iwo Jima» gleich zwei Filme, einen aus amerikanischer, einen aus japanischer Perspektive; eine dialogische, nachdenk­liche Form des Kriegsfilmschaffens.

Der vermutlich radikalste Gegenentwurf zum pompösen Geschichtsblock­busterkino à la Emmerich und Bay stammt aber aus dem Jahr 1968: «Hell in the Pacific» von John Boorman spielt fernab der grossen Schlachten auf einer einsamen Insel. Hier sind ein amerikanischer und ein japanischer Soldat gestrandet – und liefern sich einen blutigen, völlig sinnlosen Privatkrieg.

In diversen Kinos

Erstellt: 07.11.2019, 10:26 Uhr

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