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Der Open-Air-Kino-Hype ist vorbei

Der Reiz ist etwas verblasst. Es ist nicht lange her, da waren Tickets fürs «Allianz Cinema» innert Kürze weg. Quartieranlässe werden dafür immer beliebter.

Eines der ältesten Freiluftkinos in Zürich: Das Xenix beim Helvetiaplatz.
Eines der ältesten Freiluftkinos in Zürich: Das Xenix beim Helvetiaplatz.

Rund ein Dutzend Open-Air-Kinos gibt es den Sommer über in Zürich, viele weitere in der Region. Während dort jede Besenbeiz mithilfe von Leintuch und Blu-ray-Player Freiluftkino spielen kann, ist der grosse Open-Air-Hype in der Stadt vorbei. Das sagt René Moser vom Xenix, das seit 1985 Open-Air-Anlässe organisiert.

Neben dem Film am See der Roten Fabrik ist es das älteste Open-Air-Kino der Stadt. Wer zuerst war, darüber wird noch gestritten. Die wahre Pionierin ist aber wohl die Geräteverleiherin Cinerent. Sie wurde 1978 gegründet und ver­anstaltet heute das Allianz Cinema.

Dieses existiert seit 1989 und hat seither nicht nur öfter den Hauptsponsor gewechselt, sondern auch an Ausstrahlung eingebüsst. In den Deutschschweizer Städten gingen 2003 fast 450 000 Menschen in Open-Air-Kinos. 2016 waren es noch rund 237 000. Da die Branchenstatistik nur Freiluftkinos mit mindestens fünf Vorführungen zählt, muss sich der Besucherschwund auch auf die Allianz Cinemas in der Deutschschweiz ausgewirkt ­haben.

Deren operativer Leiter Daniel Frischknecht Knörr spricht für Zürich von «stabilen Zahlen» von 2003 bis 2017. «Sie bewegen sich zwischen jährlich 49 000 und 54 000 Besuchern.» Da das Wetter nicht immer mitspielt, schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr – es regnet ja meistens in der Open-Air-Saison. Generell konkurrieren Freiluftkinos heute aber mit viel mehr Outdoor-Angeboten.

Verglichen mit den Eintritten aus den Anfängen sind die Besucherzahlen des Xenix-Open-Air auf etwa die Hälfte gesunken, sagt René Moser. Das Allianz Cinema beobachtet, dass die Abende am Zürichhorn nicht wie früher innerhalb von Tagen ausverkauft sind. Die Ticket­verkäufe verteilen sich gleichmässiger, was bedeutet, dass man auch an der Abendkasse noch ein Billett kriegt. «Bei uns sorgt es für mehr Nervenkitzel», sagt Frischknecht Knörr.

«Der Film spielt teilweise eine Nebenrolle.»

Auch das Programm hat sich verändert. Das Allianz Cinema zeigt zwar noch immer Gängiges aus dem Mainstream wie «Mamma Mia!» oder «Ocean’s 8», aufgemischt mit ­Vorpremieren. Die Auswahl ist laut Frischknecht Knörr aber aktueller geworden, weil Filme immer schneller ihren Weg auf DVD und iTunes finden würden. Allerdings kommt es im Allianz Cinema nicht so sehr drauf an, was gerade läuft. «Der Film spielt teilweise eine Nebenrolle.» Die Zuschauer kommen vorderhand wegen der Kulisse und des Gemeinschaftserlebnisses.

Im Vergleich dazu fallen aber auch Quartier-Freiluftkinos wie Filmfluss, Sommerkino Röntgenplatz oder das Open-Air-Kino Röschibachplatz nicht durch allzu kühne Programme auf. Dieses Jahr läuft überall entweder «Die göttliche Ordnung», «Die letzte Pointe» oder «Mein Name ist Eugen». Das Filmfluss kuratiert zudem mit Hang zu verblasenen Feelgood-Kisten.

«Ein einfaches Pflaster ist es nicht.»

Dennoch werden kleine Open Airs als Quartiertreffpunkte immer beliebter. Das Sofa-Open-Air Wipkingen zählt heute dreimal so viele ­Zuschauer wie vor 20 Jahren. «Die Leute kommen immer noch, obwohl wir ein einfaches Quartierkino sind», sagt Florian Imbach vom Röschibachplatz-Open-Air, das heuer zum ­ 20. Mal stattfindet. In dieser Zeit habe er viele Freiluftkinos kommen und gehen sehen. «Ein einfaches Pflaster ist es nicht.» Stemmen könne sein Verein das nur dank der Defizitgarantie der Stadt. Eine Handvoll kleinere Open-Air-Kinos profitiert davon; die Garantie reicht von 3000 bis 4000 Franken.

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