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«Der Strassenjunge schreibt jetzt Autogramme»

Die Libanesin Nadine Labaki drehte mit Strassenkindern – und bekam für «Capharnaum» den Preis der Jury von Cannes.

Der Grosse passt auf den Kleinen auf und erhält dafür ein Obdach: Zain (r.) mit einem Kleinkind auf Libanons Strassen.
Der Grosse passt auf den Kleinen auf und erhält dafür ein Obdach: Zain (r.) mit einem Kleinkind auf Libanons Strassen.

Ein Zwölfjähriger verklagt seine Eltern, weil sie ihn in die Welt gesetzt haben. Ist dies realistisch?

Nein, es ist das Einzige im Film, das ich erfunden habe. Juristisch wäre es gar nicht möglich, weil im Libanon – und wohl auch sonst wo – Kinder nicht als Kläger auftreten dürfen, sie bräuchten einen Vormund. Das wären in diesem Fall die Eltern, die sich kaum selber anklagen würden.

Wie kamen Sie darauf?

Ich hatte die Idee bei den Recherchen, als ich mit verwahrlosten Kindern in Beirut sprach. Die sagten oft: «Wieso haben mich meine Eltern zur Welt gebracht, wenn sie sich nicht um mich kümmern können?»

«Die realen Verhältnisse sind fast noch schlimmer als die im Film.»

Nadine Labaki, Regisseurin

Die Kinder sind sensationell. Wie haben Sie sie gefunden?

Wirklich auf der Strasse. Meine zwölfjährige Hauptfigur ist Flüchtling aus Syrien, er lebt seit sechs Jahren im Libanon. Dabei sind seine Verhältnisse fast noch schlimmer als die im Film. Der einzige Unterschied ist: Er hat liebende Eltern, die sich um ihn kümmern. Aber er besuchte nie eine Schule.

Und dann war er als Filmstar in Cannes.

Deswegen wollte er ja auch plötzlich schreiben lernen. «Schön, dass du dich dafür interessierst», sagte ich ihm. Er aber erwiderte: «Ach, eigentlich interessiert es mich immer noch nicht. Aber ich muss es wohl lernen, um Autogramme zu ver­teilen.»

Die zweite Hauptperson ist keine zwei Jahre alt. Wie haben sie mit dem Kleinen gearbeitet?

Ich brauchte keine Kostüme bei dieser Produktion, musste keinem grossen Star eine Gage bezahlen, keine Dekors bauen, alles fand ich auf der Strasse. Aber einen Luxus hatte ich: Zeit. Wir drehten sechs Monate lang, liessen die Kinder spielen. Dann traf irgendwann einmal, nach Stunden oder gar Tagen, jener magische Moment ein, auf den wir für eine bestimmte Szene alle gewartet hatten.

In diversen Kinos

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