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Die düstere Göttin der Sechziger

Nico hatte eine Affäre mit Jim Morrison, einen Sohn mit Alain Delon und wurde mit Velvet Underground zum Star: Der Film «Nico, 1988» beleuchtet nun das Leben der Künstlerin.

Ihre melancholisch-tiefe Stimme vergisst man so schnell nicht wieder: Nico, gespielt von Trine Dyrholm.
Ihre melancholisch-tiefe Stimme vergisst man so schnell nicht wieder: Nico, gespielt von Trine Dyrholm.

Sie war die düstere Göttin der 60er-Jahre. Nico, bürgerlich Christa Päffgen, ging mit 17 nach Paris und wurde als Model in kurzer Zeit so berühmt, dass sie in Federico Fellinis «Dolce Vita» sich selbst spielen konnte. Darauf avancierte sie zur Muse von Andy Warhol, der sie in die stilprägende Band Velvet Underground integrierte. Dort sang die Deutsche zwar nur kurze Zeit, aber wer ihre melancholisch-tiefe Stimme mit Akzent einmal gehört hat, vergisst sie nicht mehr.

Jedenfalls lässt sich behaupten, dass Nico, die mit Brian Jones oder Jim Morrison Affären hatte, Postpunk-Bands wie Joy Division und überhaupt den Gothic-Chic der Achtzigerjahre beeinflusst hat. Der schlechte Witz ist, dass die Sängerin starb, als sie endlich clean war. 1988 war das, da fiel sie in Ibiza vom Velo.

In ihrem Spielfilm interessiert sich die Italienerin Susanna Nicchiarelli vor allem für die letzten Jahre von Nico, in denen sie durch Europa tingelt. Launisch, abgehalftert, heroinabhängig, ein Wrack, das in Interviews schnippische Antworten gibt, wenn sie auf ihre Blüte­zeit angesprochen wird. Eine Frau, die sich aber auch und endlich um ihren suizidgefährdeten Sohn Ari kümmert, den sie mit Alain Delon hatte (was Delon bis heute bestreitet).

Was «Nico, 1988» betrifft: Obwohl der Film vieles ausblendet, kommt über Umwege, Nebensätze und etwas Sechziger-Archivmaterial doch ein komplettes Bild der Künstlerin zustande. Die dänische Schauspielerin Trine Dyrholm (Bild) bringt es zudem fertig, diese traurig dahin­fiebernde Gestalt mit empathischen Nuancen zu füllen. Und vor allem: Sie trägt Nicos Songs so packend vor, dass man meint, das Original zu hören.

Arthouse Picadilly

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