Die Kinofilme der neuen Woche

«Erde» schürft tief in unserem Planeten, und in «It: Chapter Two» kehrt der Horrorclown Pennywise zurück. Das Neuste im Kino.

Das geht tief: Rohstofffirmen auf der Suche nach Ressourcen.

Das geht tief: Rohstofffirmen auf der Suche nach Ressourcen.

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Diego MaradonaVon Asif Kapadia, GB 2019; 130 min.
Dokumentarfilm

Der beste Fussballer der Welt geht nach Neapel, in eine Stadt, deren Club noch nie etwas gewonnen hat. Im Stadion versammeln sich die Reichen, die Mafia, die Polizei, die einfache Bevölkerung. Alle feiern sie den Argentinier, der sein Genie auf dem Platz aufblitzen lässt. Und sich ausserhalb des Feldes benimmt wie ein Kind.

Wie bekommt man das Leben des Diego Armando Maradona zu fassen, über den schon so viel gesagt und geschrieben wurde? Asif Kapadia versucht es mit der Methode, die sich bei seinen Filmen über Ayrton Senna («Senna») und Amy Winehouse («Amy») bewährt hat: Akribisch präsentiert er Archivmaterial, das er mit Interviewstimmen belegt. Das ist spannend. Manchmal wünscht man dem Film aber etwas mehr von der Charakteristik des Porträtierten: Weniger Fleiss, mehr lockere Verspieltheit. (ml)

Riffraff

Er galt es bester Fussballspieler der Welt: Diego Maradona. Video: YouTube/DCM

ErdeVon Nikolaus Geyrhalter, A 2019; 116 min.
Dokumentarfilm

Menschen bewegen Erde und Felsen im grossen Stil, teils tragen sie ganze Berge ab – sie verändern die Erde stärker als jede Naturgewalt. Der Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter besucht Baustellen, Steinbrüche und Minen, auch ein Atomendlager. Er lässt Arbeiter, Geologen oder Archäologen zu Wort kommen.

Geyrhalter («Homo Sapiens») zeigt in beeindruckend schönen Bildern, woher Marmor kommt oder wie Eisenbahntunnels entstehen. Darüber hinaus ist sein Film ein Essay über die Ausbeutung von Ressourcen als Grundlage der Zivilisation. Ein Highlight ist die Fachsprache der Atomendlager-Experten – sie reden derart verkünstelt, dass sie wie Poeten klingen. (ggs)

Kosmos, Stüssihof

Wie der Planet ausgebeutet wird: Nikolaus Geyrhalter dokumentiert woher unsere Rohstoffe kommen. Video: YouTube/Geyrhalterfilm

It: Chapter TwoVon Andy Muschietti, USA 2019; 165 min.
Horror

Einer Gruppe von Jugendlichen gelang es 1989, den bösen Clown Pennywise zu töten. Oder doch nicht? Knapp 30 Jahre später wird er erneut gesichtet. Seine Gegner von einst, längst erwachsen geworden und weggezogen, kommen nach Derry zurück, um es einmal mehr mit Pennywise aufzunehmen.

Wie schon der erste Teil, ist auch der zweite alles andere als subtil – so mancher Schreckmoment scheitert an offensichtlichen CGI-Effekten. Aber Bill Skarsgård ist wieder sehr gut als Pennywise, und die Chemie zwischen den Protagonisten (James McAvoy, Jessica Chastain, Bill Hader u. a.) stimmt. Darüber hinaus hat Stephen King einen witzigen Cameo-Auftritt. (ggs)

Abaton, Arena, Metropol

Pennywise ist zurück: Der zweite Teil von «It». Video YouTube/WarnerBrosSwitzerland

Jonathan Agassi Saved My LifeVon Tomer Heymann, Israel/D 2019; 106 min.
Dokumentarfilm

Ein Award rühmt Jonathan Agassi als besten schwulen Pornostar der Welt. Doch der 24-jährige Israeli Jonathan fühlt sich immer leerer und rutscht in den Drogenstrudel ab. Er pendelt zwischen der Wohnung der Mutter in Tel Aviv, Sex-Liveshows und Escort-Einsätzen in Berlin.

Acht Jahre lang hat Tomer Heymann («Paper Dolls») Agassi mit der Kamera begleitet, und oft wünscht man sich als Zuschauer, er hätte sie früher ausgeschaltet: Der Dokumentarfilm ist explizit, nicht nur in den Sexszenen, sondern auch beim familiären Drama oder bei Agassis Drogenspritzen direkt in den Arm. (aka)

Arthouse Uto

Hier wird nichts verborgen: Der Dokumentarfilm über den Pornostar. Video: YouTube/ heymannbrothersfilms

Late NightVon Nisha Ganatra, USA 2019; 102 min.
Komödie

Die Late-Night-Show von Katherine Newbury (Emma Thompson) ist preisgekrönt, bringt aber kaum noch Quoten – die Absetzung droht. Newbury schiebts auf ihre Gagschreiber, bei denen es sich durchgehend um weisse Männer handelt. Da kommt die Bewerbung von Molly (Mindy Kaling), einer jungen Frau mit indischem Hintergrund, gerade recht.

Man hätte noch viel sagen können über die Bedeutung von Late-Night-Shows in der Ära Trump oder über den Sexismus und Rassismus in der amerikanischen Comedy-Szene. Hauptdarstellerin Mindy Kaling («The Mindy Project»), die auch das Drehbuch schrieb, belässt es weitgehend bei harmlosen Witzen, die immerhin ziemlich lustig sind. Das Ende ist aber reiner Kitsch. (ggs)

Abaton, Arena, Corso, Houdini, Kosmos

Late-Night-Shows sind ein grosses Thema: «Late Night» kratzt aber nur die Oberfläche. Video: YouTube/AscotElite

Le miracle du saint inconnuVon Alaa Eddine Aljem; Maro/F 2019, 100 min.

Kurz vor seiner Verhaftung begräbt ein Dieb seine Beute auf einem Hügel in der maghrebinischen Wüste. Als er aus dem Gefängnis entlassen wird, erwartet ihn eine böse Überraschung: Genau dort wurde ein Mausoleum erstellt, in der Nähe ist ein kleines Dorf voller frommer Menschen entstanden. Der Dieb ist aber entschlossen, das Geld zurückzuholen.

Dies ist eine schwarze, aber nicht rabenschwarze Komödie über die Illusionen der Religion und des leichten Reichtums, die Absurdität des Lebens und die menschliche Dummheit. Sie ist mit langsamem Tempo gedreht; die Dialoge sind minimalistisch gehalten, aber stets lustig. (pfb)

Houdini, Stüssihof

In zehn Jahren passiert einiges: Der Dieb kommt an den Ort des Geschehens zurück. Video: YouTube/trigon - film

Nach dem SturmVon Beat Bieri und Jörg Huwyler, CH 2018; 119 min.
Dokumentarfilm

Die Doku zeichnet die Auswirkungen nach, die 1968 auf die Innerschweiz hatte, angefangen mit der Luzerner Krawallnacht im Januar 1969. Es geht auch um einen Kunstskandal in Stans oder um die erste Polizeioffizierin der Schweiz.

Der Film ist eher konventionell und behäbig gemacht, dokumentiert aber viele spannende Geschichten. Und zeigt unter anderem, dass der konservative Mief in der Innerschweiz noch nicht ganz verschwunden ist: Als der Frauenstreik durch Luzern zieht, ist im Kanton gerade eine reine Männerregierung an der Macht. (ggs)

So 11 Uhr in Anwesenheit der Regisseure. Riffraff

Sozial und Gesellschaftskritisch: Nach dem Sturm beschäftigt sich mit der Innerschweiz. Video: YouTube/mythenfilm

X & YVon Anna Odell, S 2019; 112 min.
Dokumentarfilm

In einem Warenhaus treffen sich die schwedische Künstlerin Anna Odell und der Schauspieler Mikael Persbrandt, um in Gesprächen die Wahrheit zu finden. Andere Darsteller unterstützen sie dabei, indem sie verschiedene Facetten der beiden spielen. Anna Odell machte mit «The Reunion» von sich reden, einer autobiografischen Weird-Comedy über ihre Mobber in der Schule.

Ihr neuer Film ist als Sozialexperiment angelegt, wo es um vieles geht: Geschlechteridentitäten und mediale Kunstfiguren, Reality-TV und Rollenerwartungen, «art projects» und «art babys». Aus feministischer und kunstpraktischer Sicht sehr interessant, aber das Ganze will einfach nicht zünden. (blu)

Houdini

Wenn Schauspieler das eigene Alter Ego spielen: X & Y von Anna Odell. Video: YouTube/Outside the Box

Erstellt: 05.09.2019, 09:30 Uhr

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