Die Löwinnen steigen auf

Im Stripperinnen-Film «The Hustlers» kehrt Jennifer Lopez auf die Leinwand zurück.

Ramona (Jennifer Lopez, 2.v.l.) führteine Gruppe krimineller Stripperinnen an.

Ramona (Jennifer Lopez, 2.v.l.) führteine Gruppe krimineller Stripperinnen an.

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Die New Yorker Wallstreet befindet sich auf einem Höhenflug, die Börsenmakler geben ihr Geld mit vollen Händen aus – manchmal über 100 000 Dollar an einem Abend. In dieser aufregenden Zeit, in einer kalten Winternacht, be­gegnen sich die Stripperinnen Destiny (Constance Wu) und Ramona (Jennifer Lopez). Die ältere Ramona nimmt die Jüngere nicht nur unter ihren wärmenden Nerz, sondern auch unter ihre Fittiche. Die Göttin, die jeden Abend von geifernden Männern mit einem Regen aus 100-Dollar-Noten gefeiert wird, zeigt ihrem Schützling, wie man abkassiert. «In diesem Jahr verdiente ich mehr als ein Gehirnchirurg», erklärt uns Destiny.

Und dann kommt der Börsencrash von 2008. Keiner will mehr Geld ausgeben. Die verbliebenen Stripperinnen nehmen gerade noch ein paar Hundert Dollar pro Nacht ein, und meist müssen sie dafür ihren Mund einsetzen. Deshalb kommt Ramona auf die Idee, der Spendierfreudigkeit ihrer ­Kunden nachzuhelfen – auch unter Einsatz von Drogen. Wenn die Männer am nächsten Tag ohne Erinnerung aufwachen, sind ihre Kreditkarten bis zum Maximalbetrag belastet worden.

Kriminelle Striperinnen nehmen Wallstreet-Bänker aus: «Hustlers». Video: YouTube/ImpulsMovies

Der Film basiert auf einer wahren Geschi­chte, die die Journalistin Jessica Pressler 2015 im Artikel «Hustlers at Scores» aufarbeitete. Daraus hat die Regisseurin Lorene Scafaria («Seeking a Friend for the End of the World») ein Lehrstück über den ­Kapitalismus gemacht: Alle müssen feilbieten, was ihnen zur Verfügung steht. «Hustlers» ist dabei eine weibliche Version eines Heist-Films, wobei nicht ein Casino oder eine Bank, sondern das ausbeuterische System geknackt wird.

Zu Beginn müssen die Frauen vom Türsteher bis zum DJ alle bestechen, um überhaupt strippen zu dürfen. Am Ende haben sie die Hackordnung ­umgekehrt, und die Clubs überleben nur noch, weil die Frauen die Kunden zu ihnen locken. Jetzt sind sie die Löwinnen der Nahrungskette.

Während sich Pressler um die Aufarbeitung der Fakten bemüht, setzt Scafaria auf die Beziehung der Frauen zueinander. Auf die Männer ist kein Verlass, also gründen sie ihre eigene kleine verschworene Gemein­schaft. Die Studie dieser intensiven Beziehungen macht die Magie des Films aus. Dabei haben auch die Rapperin Cardi B und die Body-Positivity-Sängerin Lizzo einen Gastauftritt.

Erstellt: 28.11.2019, 15:43 Uhr

Die wichtigsten Striptease-Filme

von Gregor Schenker

Flashdance
Von Adrian Lyne, USA 1983; 95 min.
Tagsüber arbeitet sie als Schweisserin, nachts strippt sie in einer Bar. Aber eigentlich träumt Alex (Jennifer Beals) von einer Karriere als Tänzerin. Der Film ist für seinen Soundtrack bekannt («Maniac», «What a Feeling»), aber auch für die zentrale Stripszene – wobei da Jannifer Beals von der französischen Schauspielerin Marine Jahan gedoubelt wurde.

Showgirls
Von Paul Verhoeven, USA/F 1995; 131 min.
Nomi (Elizabeth Berkley) will Showgirl in Las Vegas werden. Vorerst verdient sie ihren Lebensunterhalt in einem Striplokal, aber eigentlich möchte sie der Star der grossen Tanzrevue im Stardust-Casino sein. Der Film von Paul Verhoeven («Starship Troopers») war ein Flop bei der Kritik und an den Kassen, gilt inzwischen aber als Kultfilm unter Trashfilm-Fans.

Striptease
Von Andrew Bergman, USA 1996; 117 min.
Die ehemalige FBI-Agentin Erin (Demi Moore) muss Geld verdienen, um das Sorgerecht für ihre Tochter zurückzubekommen, und arbeitet deswegen in einem Stripclub. Als ein korrupter Politiker (Burt Reynolds) ein Auge auf sie wirft, arbeitet sie mit dem FBI zusammen, um ihn zu Fall zu bringen. Die erotische Satire wurde verrissen, war aber erfolgreich.

The Full Monty
Von Peter Cattaneo, GB 1997; 90 min.
In einer nordenglischen Industriestadt: Eine Gruppe von Arbeitslosen lässt sich von den Chippendales inspirieren – die Männer (unter anderen Robert Carlyle und Tom Wilkonson) stellen ihre eigene Stripshow auf die Beine. Die kleine Komödie wurde zum Überraschungshit und erhielt sogar eine Oscarnominierung als bester Film, verlor dann allerdings gegen «Titanic».

Magic Mike
Von Steven Soderbergh, USA 2012; 111 min.
Der Film basiert lose auf den Erlebnissen von Hauptdarsteller Channing Tatum. Er spielt Mike, einen Stripper, der eigentlich lieber Möbel designen würde. Als er in einem jungen Bekannten (Alex Pettyfer) ein grosses Striptalent erkennt, nimmt er ihn unter die Fittiche – aber der Neue gerät bald in einen Drogendeal. «Magic Mike» überrascht mit Anflügen von Charaktertiefe, anders als das platte Sequel «Magic Mike XXL».

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