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Die neuen Filme der Woche

Ein Detektiv mit Tourette-Syndrom, ein verrücktes Videospiel-Abenteuer und eine lebensgefährliche Doku. Das sind nur drei der neuen Filme.

Dokumentarfilm: «Der Bär in mir»: Der Berner Biologe David Bittner beobachtet in Alaska das Leben der Grizzlybären. Täglich kommt es zu spannenden Begegnungen, täglich setzt Bittner dabei sein Leben aufs Spiel. Foto: PD
Dokumentarfilm: «Der Bär in mir»: Der Berner Biologe David Bittner beobachtet in Alaska das Leben der Grizzlybären. Täglich kommt es zu spannenden Begegnungen, täglich setzt Bittner dabei sein Leben aufs Spiel. Foto: PD

Jumanji: The Next Level

Abenteuer von Jake Kasdan, USA 2019; 123 min.

Wüste, Dschungel, Eishänge … Willkommen zurück im Videospiel «Jumanji». Die Konsole ist inzwischen defekt, aber die Jungs und Girls können einfach nicht die Finger davon lassen, und schon sind sie wieder eingesaugt vom Game. Das flirrende Who’s who mit den Interferenzen von jugendlichen (und nun auch nicht ganz so jugendlichen) Spielern und ihren Spielfiguren ist nochmals eine Umdrehung verrückter geschraubt.

Die Identitäten purzeln: Ein Opa (Danny DeVito), noch wacklig auf den Beinen nach einer Hüftoperation, wird fit und flink (Dwayne Johnson). Ein Sterbenskranker (Danny Glover) kriegt einen vermeintlichen Übergang ins Jenseits in einem jungen Körper (Kevin Hart). Regisseur Jake Kasdan verpasst dem Actionwirbel emotionalen Tiefgang, in der Wüste klingt es immer nach «Lawrence of Arabia». Und man lernt eine Menge, zum Beispiel, dass Strausse immer in Rudeln daherkommen. (SZ)

Abaton, Arena, Capitol, Corso, Metropol

Der Bär in mir

Dokumentarfilm von Roman Droux, CH 2019; 92 min.

Seit Jahren verbringt der Berner Biologe David Bittner die Sommer in Alaska, um das Leben der Grizzlybären zu beobachten. Täglich kommt es zu spannenden Begegnungen, täglich setzt Bittner aber auch sein Leben aufs Spiel.

Zugleich fasziniert und irritiert von diesem Abenteurer, hat sich der ebenfalls aus Bern stammende Regisseur Roman Droux entschieden, ihn zu begleiten. Die aus nächster Nähe entstandenen Bilder sind einmalig. In der Gestalt der mächtigen Tiere erlebt man die Natur, wie sie ist: liebevoll und poetisch, ja, aber vor allem undurchdringlich und gewaltig unberechenbar. (pfb)

Arena, Arthouse Movie

Der kleine Rabe Socke: Suche nach dem verlorenen Schatz

Kinderfilm ab 0 Jahren von Verena Fels und Sandor Jesse, D 2019; 73 min.

Der freche Rabe Socke sorgt mal wieder für Chaos. In seinem dritten Kinoabenteuer fällt er mitten in die Torte fürs Waldfest, aber damit nicht genug. Socke will auf Schatzsuche gehen – und König werden. Dabei bekommen er und seine Begleiter es mit einigen Hindernissen zu tun. Doch auf Sockes Übermut ist stets Verlass.

Verlass ist glücklicherweise auch auf die liebevolle Animation. Und immerhin lernen der Rabe und sein junges Publikum, dass Freundschaft am Ende mehr zählt als Gold. (SZ)

Abaton, Arena, Capitol, Kosmos

Kommissar Gordon & Buffy

Kinderfilm ab 0 Jahren von Linda Hambäck, S 2017; 62 min.

«Schreckliche Diebe! Dreckliche Schiebe!» Das Eichhörnchen Waldemar ist völlig durcheinander: Jemand hat ihm Nüsse geklaut. Ein Fall für Kröterich Gordon, den Waldpolizisten. Weil der aber alt und langsam und ständig müde ist, braucht er Unterstützung – und so ernennt er die Maus Buffy zu seiner Assistentin. Zusammen nehmen die beiden die Ermittlungen auf. War etwa der fiese Fuchs der Dieb? Die illustrierten Kinderkrimis von Ulf Nilsson und Gitte Spee wurden sehr herzig verfilmt, die Figuren sind einem sofort sympathisch – besonders Gordon mit seiner tiefen Stimme (Sprecher: Sven Brieger) und seiner Vorliebe für Tee und Kekse. (ggs)

Houdini

Midnight Traveler

Von Hassan Fazili, Afg 2019; 87 min.

Sie spielen Monster mit einer Burka, tanzen im Flüchtlingsheim zu Michael Jackson und fragen erstaunt «Warum sind wir hierhergekommen?», als sie die Treppen einer eiskalten Bauruine hochsteigen, wo sie übernachten sollten. Der Regisseur dokumentiert die Flucht von Afghanistan nach Europa durch die Augen seiner Töchter Nargis (11) und Zahra (6).

Abwechselnd erdrückend schwer und federleicht ist das. Ein Abenteuer für die Mädchen, das zum Albtraum wird, wenn Nationalisten vor einem Flüchtlingsheim in Bulgarien demonstrieren. Später tanzen sie wieder im Schnee. Die preisgekrönte Doku ist feinsinnig, detailreich, ergreifend und authentisch. (rar)

Sa / So 11.15 Uhr. Kosmos

Motherless Brooklyn

Film noir von Edward Norton, USA 2019; 144 min.

Ein am Tourette-Syndrom leidender Privatdetektiv (Edward Norton) versucht im New York der Fünfzigerjahre herauszufinden, warum sein väterlicher Freund (Bruce Willis) umgebracht worden ist. Auf seiner Suche findet er sich in Nachtclubs und Büros von Slumsanierern wieder.

Norton begeisterte sich für den 1999 erschienenen Krimi von Jonathan Lethem, verlegte ihn als Drehbuchautor aber in die Fünfzigerjahre zurück und erfand einen neuen Plot. Ausser ihm selbst glänzen in diesem Neo-Noir Alec Baldwin als Machtmensch, Gugu Mbatha-Raw als politische Aktivistin und Willem Dafoe als Paranoiker. (bod) Abaton, Corso, Riffraff

My Life is a Gunshot

Dokumentarfilm von Marcel Derek Ramsay, CH 2019; 91 min.

Regisseur Marcel Derek Ramsay («Der Meister und Max») begleitet den heute in Berlin lebenden Aargauer Turntablisten und «Noise-Punk-Industrial-Dada»-Performer Joke Lanz an Spielorte zwischen Lausanne, London und Kairo. Der oft trashig abgedrehte Film zeigt, wie Lanz sich als Künstler Sudden Infant in einer Welt der radikalen Geräusche und der kompromisslos freien Performances bewegt. «My Life Is a Gunshot» gewinnt seinen grossen Reiz dadurch, dass der Film ganz nah heranzoomt an seinen Helden, einen rückhaltlos offenen Menschen, bei dem Kunst und persönliches Leben völlig miteinander verschmelzen. Eine sehr sehenswerte Doku. (cme)

Riffraff

Nous finirons ensemble

Komödie von Guillaume Canet, F 2019; 134 min.

Die Freunde aus «Les petits mouchoirs» (2010) reisen wieder ans Meer. Diesmal aber haben sie keine Einladung von Max (François Cluzet), der dort eine Ferienanlage besitzt. Sie wollen ihn zum Geburtstag überraschen. Das kommt nicht gut an. Im Jahr 2010 war der Ensemblefilm des Schauspielers Guillaume Canet – er selber trat nicht auf, dafür seine Ehefrau Marion Cotillard – so erfolgreich, dass er nun eine Fortsetzung erhält. Die Stärke des alten Films war, dass die Männer darin zu ihren wahren Gefühlen fanden, aber heute ist das eine Selbstverständlichkeit. Dafür treten im zweiten Teil die Schwächen offener zutage: eine Brechstangen-Konstruktion und plumpe Witze. Gut bleibt die Musik mit vielen alten Hits. (ml)

Arthouse Movie, Kosmos

Quello che non sai di me

Drama von Rolando Colla, CH/I/CZ 2019; 116 min.

Es sollte nur eine flüchtige Affäre werden zwischen Ikendu (Koudous Seihon), dem Flüchtling aus Mali, und Patricia (Linda Olsansky), der emotional sehr zerbrechlichen Tschechin in Bellinzona. Aber es wurden fröhliche Verliebtheit und Liebe und Ehe und Familienleben. Und es wurde ein kurzes, ungetrübtes Glück und wird Enge und träges Beziehungsleid aus sehr konkreten äusseren Gründen und widersprüchlichsten inneren Motiven.

Nicht immer scheint einem das Erzählungsgefüge so recht niet- und nagelfest, dramaturgisch und psychologisch gesehen. Erstaunlich, wie grad das dann zum Reiz dieses Films beiträgt. Wos dramatisch knarrt, ahnen wir etwas von der spannenden Vielfalt des Menschenmöglichen. (csr)

Stüssihof

Where’d You Go, Bernadette

Tragikomödie von Richard Linklater; USA 2019; 107 min.

Sie war eine Stararchitektin in Los Angeles – bis ihr Meisterwerk zerstört wurde. Jetzt lebt Bernadette (Cate Blanchett) zusammen mit ihrem Mann (Billy Crudup) und der 15-jährigen Tochter (Emma Nelson) in einer baufälligen Villa in Seattle und steht als schlaf- und rastlose Misanthropin kurz vor dem Kollaps.

Eine Frau, die ihrer Kreativität verlustig geht – aktueller könnte der Film von Richard Linklater kaum sein. Eine ganze Reihe dramaturgischer Fehlgewichtungen lassen diese Literaturadaption jedoch ins Leere laufen. Und Cate Blanchett beim Overacting zuzusehen, ist eine Qual. (zas) Arena, Arthouse Piccadilly, Capitol, Houdini, Kosmos

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