Die neuen Filme der Woche

Udo Lindenberg und ein Science-Fiction-Film über eine Pflanze, deren Duft glücklich macht. Das sind zwei der Filme der Woche.

Glaubt an den Erfolg: Udo Lindenberg.

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Lindenberg! Mach dein Ding

Biopic von Hermine Huntgeburth, D 2020; 139 min.

In den Siebzigerjahren ein Rockstar werden mit deutschen Texten? Alle raten Udo Lindenberg (Jan Bülow) davon ab. Doch der Mann, der davon träumt, ein eigenes Orchester zu haben und wie in grossen TV-Shows eine Bühnentreppe runterzusteigen, setzt sich durch. Trotz oder gerade wegen seines Vaters (Charly Hübner), der meinte: «Die Lindenbergs werden Klempner. Und sonst nix.»

Von der grossen Karriere Udo Lindenbergs ist in diesem Film kaum etwas zu sehen. Stattdessen erzählt Regisseurin Hermine Huntgeburth von Niederlagen, Demütigungen und Rückschlägen. Verbindendes Element sind die Frauen, die dem Rocker in allen Alterslagen sofort zu verfallen scheinen. Aber wie Jan Bülow diesen Helden spielt -- zwischen Nonchalance, Panik und Ambition –, ist Extraklasse. (zas)

Arena, Arthouse Piccadilly, Houdini

Beharren auf seinen Traum: Udo Lindenberg wird zum Star. Video: YouTube/DCM

Bombshell

Drama von Jay Roach, USA/Ka 2019; 110 min. Als Chef des konservativen Fox-News-Senders sorgt Roger Ailes (John Lithgow) unter anderem dafür, dass seine Moderatorinnen ausschliesslich in kurzen Röcken zu sehen sind. Als Gretchen Carlson (Nicole Kidman) entlassen wird, verklagt sie ihren Ex-Chef wegen sexueller Belästigung und hofft auf Unterstützung von jüngeren Kolleginnen (Charlize Theron, Margot Robbie).

In einer quälend langen Szene sieht man, wie Margot Robbie als ehrgeizige Jungjournalistin im Büro des Fox-News-Chefs angewiesen wird, ihren Rock höher und höher zu schieben. Es sind solche stilleren Momente, die «Bombshell» auszeichnen. Aber Regisseur Jay Roach setzt meist lieber auf schrille Medienhektik. (zas) Abaton, Arena, Corso, Kosmos «Jemand muss den Mund aufmachen»: Frauen setzten sich zur Wehr. Video: YouTube/Impuls Movies

Das geheime Leben der Bäume

Dokumentation von Jörg Adolph, D 2019, 96 min.

Der Film begleitet den Förster Peter Wohlleben, Autor des gleichnamigen Buchs, auf seinen Waldführungen, aber auch auf der Reise nach Schweden zum ältesten Baum der Welt. Kapitel aus seinem Bestseller werden illustriert mit Naturfilmaufnahmen, häufig im Zeitraffer, von Jan Haft.

Keine Sekunde langweilig ist dieser Film. Das liegt zum einen an der Persönlichkeit von Wohlleben, der kein Sektierer oder esoterischer Rauner ist, sondern ein -- nun ja: baumlanger – sehr sympathischer Mann, der es handfest mag und mit sehr anschaulichen Vergleichen arbeitet. Andererseits an den Naturfilmaufnahmen, den beeindruckendsten seit «Microcosmos» (1996). (bod) Arthouse Movie, Kosmos Weiss worums geht: Peter Wohlleben spricht über Bäume. Video: YouTube/Constantin Film

Die Hochzeit

Die drei Freunde aus «Klassen­treffen 1.0» leiden weiterhin am Leben: Nils (Samuel Finzi) findet heraus, dass seine Frau fremd­gegangen ist; Andreas (Milian Peschel) ist auf der Suche nach einer neuen Partnerin, und Thomas (Til Schweiger) will heiraten. Die Hochzeit verzögert sich allerdings wegen einer Beerdigung. Der Presse wurde der Film nicht gezeigt, da Til Schweiger seit jeher ein Problem mit Filmkritiken hat.

Abaton, Arena, Capitol

Neuer Film mit Till Schweiger: «Die Hochzeit» bedient bekannte Themen. Video: YouTube/WarnerBrosSwitzerland

Jojo Rabbit

Von Taika Waititi, D/USA 2019; 108 min.

Deutschland, Zweiter Weltkrieg. Der schüchterne Jojo (Roman Griffin Davis) ist ein strammes Mitglied der Nazi-Pfadfinder und hat einen imaginären Freund: Hitler selbst (Taika Waititi), der sich allerdings wie ein Idiot verhält. Alles wird anders, als Jojo entdeckt, dass seine Mutter (Scarlett Johansson) ein jüdisches Mädchen versteckt hält. Klingt leider lustiger, als es ist: Der Neuseeländer Taika Waititi probiert nach der überaus komischen Vampir-Satire «What We Do in the Shadows» die Hitler-Komödie und landet irgendwo im Graben zwischen «La vita è bella» und Wes Anderson. Er will alles, das Niedliche und das Gewagte, die Satire und das Sentiment. Am Ende fehlen aber vor allem die guten Witze. Trotzdem erhielt der Film sechs Oscarnominierungen, unter anderem für den besten Film und das beste adaptierte Drehbuch. (blu)

Abaton, Arena, Arthouse Le Paris, Capitol, Riffraff

Die Welt steht Kopf: Mit viel Humor wird die Geschichte des jungen Jojo erzählt. Video: YouTube/SearchlightPictures

Little Joe

Science-fiction von Jessica Hausner, A/D/GB 2019; 106 min.

Was passiert, wenn der Duft einer Topfpflanze glücklich machen kann? Einer Biogenetikerin und alleinerziehenden Mutter (Emily Beecham) gelingt besagte Züchtung – nur, dass die Pflanze, genannt Little Joe, bald ein seltsames Eigenleben zu entwickeln scheint.

Die österreichische Arthouse-Regisseurin Jessica Hausner («Amour Fou») vertieft sich mit ihrem sorgfältig stilisierten und kodifizierten Film in dieses Science-Fiction-Gedankenexperiment. Ihre Bilderwelten sind verführerisch artifiziell und auf beunruhigende Art aseptisch. Der Horror entfaltet sich im Kopf. Ein böser Seitenhieb auf die Glücksindustrie. Und ziemlich unheimlich. (SZ)

Houdini

Schöne Bildwelt: In «Little Joe» geht es um Düfte von Topfpflanzen. Video: YouTube/Filmcoopi Zürich

Die Wolf-Gäng

Kinderfilm von Tim Trageser, D 2020; 97 min. Ab 6 Jahren

Vlad (Aaron Kissiov) ist neu im magischen Crailsfelden, wo er die berühmte Penner-Akademie besuchen soll. Bald tut sich der junge Vampir, der kein Blut sehen kann, mit einer Fee mit Flugangst und einem Werwolf mit Tierhaarallergie zusammen. Sie müssen die Stadt retten.

Auch wenn einige Figuren in Tim Tragesers («Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft») Film, der auf der Jugendroman-Reihe von Wolfgang Hohlbein basiert, sehr nach Kostümparty aussehen, schaut man den drei Helden gerne zu. Schade nur, dass so vieles an «Harry Potter» erinnert. (SZ)

Abaton, Arena, Capitol

Auf wichtiger Mission: Vampire und Feen retten die Stadt. Video: YouTube/Sony Pictures Releasing Schweiz

Erstellt: 22.01.2020, 19:16 Uhr

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