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Die neuen Filme zum Jahresende

Ein Film über Weihnachten und Silvester in Island und ein Konzertfilm von Aretha Franklin. Das sind zwei der neuen Kinofilme.

Bewegung tut gut: Senioren bei der Wasseraerobic im Film «Echo».
Bewegung tut gut: Senioren bei der Wasseraerobic im Film «Echo».

Aretha Franklin: Amazing Grace

Konzertfilm von Sydney Pollack und Alan Elliott, USA 2018; 87 min.

1972: Nachdem sie als Soulsängerin weltberühmt geworden ist, besinnt sich Aretha Franklin (1942 – 2018) auf die Gospelmusik, die sie von ihrem Vater, einem Prediger, als Mädchen lernte. Während zweier Abende in einer heruntergekommenen Kirche in einem Ghetto von Los Angeles singt sie die Klassiker des Glaubens, begleitet von ihrer Band und dem Southern California Community Choir.

Alles läuft schief: Kameramänner latschen durchs Bild, Regisseur Sydney Pollack gestikuliert wie wild, ein Song muss neu angefangen werden, das Licht ist grell und die Dekors furchtbar. Zudem konnte der Film wegen technischer Probleme erst jetzt, fast fünfzig Jahre später, fertiggestellt werden. Und doch verstummen alle Zweifel, wenn Aretha Franklin zu singen beginnt – grossartig, ergreifend, hemmungslos. Zugleich hört man ihr an, wie sehr sie das Prinzip der schwarzen Ekstase verinnerlicht hat: Intensität aus der Zurückhaltung. Im Publikum sieht man einen weissen, schlanken, schönen Mann wie von Sinnen tanzen. Es ist Mick Jagger. (jmb)

Wenn sie singt steht alles still: Die Ausnahmesängerin Aretha Franklin. Video: Vimeo/Spoton Distribution

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Drama von Caroline Link, D 2019; 119 min.

Neun Jahre alt ist Anna (Riva Krymalowski), als die Nazis die Macht ergreifen. Annas Eltern entscheiden sich zur Flucht aus Deutschland, das Mädchen muss deswegen alles zurücklassen, selbst ihr geliebtes Stofftier. Es verschlägt die Familie erst nach Zürich, dann Paris und schliesslich nach London.

Wer einem kleinen Mädchen das rosa Kaninchen klaut, dem sind noch ganz andere Verbrechen zuzutrauen. Nach diesem Motto hat Judith Kerr mit ihrem autobiografischen Roman Generationen von nachgeborenen Kindern an das Grauen der Hitlerzeit herangeführt. Das Buch ist wie fürs Kino geschaffen, und Caroline Link («Der Junge muss an die frische Luft») zeigt einmal mehr, dass sie mit Kinderdarstellern zaubern kann. Kerrs Vater war der Theaterkritiker und Hitlergegner Alfred Kerr – so feiert der Film auch die Entschlossenheit, frühzeitig klare Kante zu zeigen. (SZ)

Cats

Musical von Tom Hooper, GB/USA 2019; 110 min.

Eine junge Katze (Francesca Hayward) wird auf den Strassen Londons ausgesetzt und gerät mitten in ein Ritual ihrer Artgenossen. Der Clan der Jellicles bestimmt nämlich in dieser Nacht, wer von ihnen in den Himmel auffahren darf. Die Kandidaten stellen sich jeweils mit einem Song vor. Wer wird erwählt? Die steppende Eisenbahnkatze Skimbleshanks (Steven McRae)? Die faule Jennyandydots (Rebel Wilson)? Oder gar der böse Zauberer Macavity (Idris Elba)?

Die Lieder aus Andrew Lloyd Webbers Musical von 1981 gehen noch immer ins Ohr, auch wenn die Synthesizertöne ganz schön altmodisch klingen. Ansonsten ist die Kinoversion eine Katastrophe: Die Schauspieler treten nicht in Kostümen auf, sondern wurden nachträglich mit computergeneriertem Fell überzogen. Ein Anblick zum Fürchten. Und es macht die Tanznummern langweilig – denn was soll an einer Choreografie beeindruckend sein, der mit CGI nachgeholfen wurde? (ggs)

Echo

Drama von Rúnar Rúnarsson, Isl/F/CH 2019; 79 min.

Eltern filmen ihre Kinder, während sie in der Schule das Krippenspiel vorspielen; ein totes Kind liegt aufgebahrt in einem Sarg; Sozialarbeiterinnen versorgen einen Drogensüchtigen; Papis planschen mit Babys im Schwimmkurs. «Echo» zeigt 56 solcher Vignetten, die allesamt in Island in der Zeit von Weihnachten bis Silvester spielen. Rúnar Rúnarssons eigenwilliges Werk liegt irgendwo zwischen Dokumentar- und Spielfilm. Die einzelnen Vignetten sind lose miteinander verknüpft, und am besten sucht man erst gar nicht nach einer strukturierten Erzählung, sondern gibt sich den Mini-Storys einfach hin. Diese sind wahlweise lustig, traurig, absurd, uninteressant, rätselhaft – wie das Leben. (dpo)

The Farewell

Tragikomödie von Lulu Wang, USA/CHINA 2019; 100 min.

New York ist Zuhause geworden für Billi (Awkwafina), die chinesische Amerikanerin. Andererseits ist auch Peking, die Geburtsstadt, Heimat geblieben. Die Grossmutter wohnt dort, eine lebhafte, wie man aber erfährt, todkranke Frau. Und so reisen Billi und andere Mitglieder ihrer verzweigten Sippe nach China, um kraft eines erbarmungsvollen Lügens die Sterbende davon zu überzeugen, dass sies noch lange machen werde.

Die Regisseurin Lulu Wang ist ausgebildete Pianistin, und tatsächlich könnte man bei ihr von einer feinen Musikalität reden. Von einem leis inszenierten Loblied auf den Familiensinn, der sich aus Liebe an der Wahrheit versündigt. Das ist klug und ein bisschen verrückt und kurzum: zum Gernhaben. (csr)

Latte Igel und der magische Wasserstein

Kinderfilm (Ohne Altersbeschränkung) von Regina Welker und Nina Wels, D 2019; 83 min.

Den Tieren im Wald geht das Wasser aus, der Fluss ist ausgetrocknet. Das mutige Igelmädchen Latte glaubt an die Legende vom magischen Wasserstein, der die Quelle wieder sprudeln lassen soll. Doch der Bärenkönig hat den Stein und will nicht teilen. Damit das Wasser wieder zu allen Tieren kommt, macht sich Latte auf den Weg. Regina Welker und Nina Wels haben das Kinderbuch des Finnen Sebastian Lybeck fürs Kino adaptiert. Besonders schön: die detailreiche Animation – und das Wasserballett der Bären. (SZ)

Spies in Disguise – Spione Undercover

Animation von Nick Bruno und Troy Quane, USA 2019; 101 min.

Geheimagent Lance Sterling (Stimme: Will Smith) ist verdammt cool und elegant. Nur blöd, dass ihn die ganze Welt kennt. Ein junger Wissenschaftler (Stimme: Tom Holland) hat eine Technologie entwickelt, die ihn verschwinden lassen kann. Als Sterling in Schwierigkeiten gerät, probiert er sie aus und verwandelt sich – in eine Taube. Die Tarnung hat Tücken, der Staragent muss mit dem Nerd zusammenarbeiten. Der Agententhriller der Animationstechniker Nick Brunos und Troy Quanes («Ice Age: Collision Course») ist sehr unterhaltsam, für das ganz junge Publikum aber doch etwas zu hart. (SZ)

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