Die neuen Kinofilme der Woche

Keira Knightley spielt eine Whistleblowerin, und Joaquin Phoenix spielt Batmans Erzfeind Joker. Das Neuste im Kino.

Die Hoffnung schon fast verloren: Katharine Gun (Keira Knightley) setzte einiges aufs Spiel.

Die Hoffnung schon fast verloren: Katharine Gun (Keira Knightley) setzte einiges aufs Spiel.

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Official SecretsVon Gavin Hood, USA/GB 2019; 111 min.
Politthriller

Kurz vor dem Irakkrieg: Als Übersetzerin des britischen Nachrichtendienstes erfährt Katharine Gun (Keira Knightley), dass die USA wankelmütige UNO-Sicherheitsrats-Mitglieder abhören wollen. Sie spielt dieses Memo einem «Observer»-Journalisten (Matt Smith) zu. Gun wird verhaftet, ihrem kurdischen Ehemann (Adam Bakri) droht die Abschiebung. Letzte Hoffnung ist der Menschenrechtsanwalt Ben Emmerson (Ralph Fiennes).

Der Film kann sich nicht entscheiden, ob er Enthüllungsstory oder Betroffenheitsdrama sein will, und macht dann irgendwie beides. Keira Knightley weint oft. Einziger Lichtblick in dieser unfokussiert erzählten Whistleblower-Story ist Ralph Fiennes, dem man seine Anstrengungen als Verteidiger ansieht – und dem verdienterweise die Schlussszene gehört. (zas)

Abaton, Arena, Corso, Kosmos

Whistleblower-Thriller: Keira Knightley in der Hauptrolle. Video: Youtube/Impuls Movies

AquarelaDokumentarfilm

Der russische Dokumentarfilmer Viktor Kossakowski («Russia from my Window») hat einen Film über das Element Wasser gedreht. Er zeigt den zugefrorenen Baikalsee, einen Hurrikan in Miami oder einen Wasserfall in Venezuela. Dabei verwendete sein Team eine spezielle Kamera, die besonders detaillierte Bilder erzeugt.

Houdini, Kosmos

Gestochen Scharf: Für den Dok wurde eine spezielle Kamera verwendet. Video: Youtube/AscotElite

Best of Fantoche 2019: KidsVon diversen Regisseurinnen und Regisseuren, 2019; 62 min.
Kinderfilm

Ein kleiner Walfisch träumt davon, schön singen zu können – da trifft er mitten auf dem Meer einen Vogel, der in einem schwimmenden Käfig sitzt. Kann das gefiederte Wesen dem Wal helfen? Am letzten Fantoche, dem internationalen Animationsfilmfestival in Baden, wurde «The Bird and the Whale» als bester Kinderfilm aus­gezeichnet. Zusammen mit anderen Highlights aus dem Kinderprogramm des Festivals ist er nun in Zürich zu sehen. (ggs)

Houdini

Wenn ein Wal singen lernt: Der Animationsfilm erzählt eine rührende Geschichte. Video: Youtube/Paper Panther

Dem Horizont so nahVon Tim Trachte, D 2019; 117 min.
Liebesfilm

Junge Frau findet Traummann: Er (Jannik Schürmann) ist charmant und attraktiv, und er beschützt sie (Luna Wedler) mit seinen Kickboxkünsten vor den Rowdies in der Provinzdisco. Zum Date holt er sie im Oldtimer mit Chauffeur ab, bei Sonnenuntergang rezitiert er Eichendorff. Er ist perfekt, allerdings seltsam traurig. Was hat er?

Mit der Geschichte vom Backfisch und ihrem Märchenprinzen, der aussieht wie Brad Pitt aus dem Versandkatalog, hat die Autorin Jessica Koch eine eigene tragische Liebe verarbeitet. Ihr E-Book hat viele Fans, die müssen wissen, ob Regisseur Tim Trachte («Benjamin Blümchen») den melodramatischen Sirup nicht zu dick mit Tränenflüssigkeit angerührt hat. (ase)

Abaton, Arena, Capitol

Mehr geht nicht: Der Liebesfilm trieft vor Drama. Video: Youtube/Studiocanal Germany

Free Men

Seit 25 Jahren sitzt der Afroamerikaner Kenneth Reams in Isolationshaft – er wurde als 18-Jähriger zum Tod verurteilt. Die Westschweizer Journalistin und Filmemacherin Anne-Frédérique Widmann porträtiert ihn und seinen Fall in der Doku «Free Men», was nicht ganz einfach war: Da das Gefängnis im Bundesstaat Arkansas konsequent die Drehgenehmigung verweigerte, sehen wir Reams nur auf Fotos, und äussern kann er sich bloss übers Telefon. «Free Men» wird zum Internationalen Tag gegen die Todesstrafe gezeigt; im Anschluss erhält das Publikum die Möglichkeit, mit Kenneth Reams am Telefon zu sprechen. (ggs)

Do 10.10., 18 Uhr – Kosmos

Konfrontiert mit dem Tod: Im Bundesstaat Arkansas für viele Gefangene das Urteil. Video: Youtube/Journeyman Pictures

JokerVon Todd Phillips, USA/Ka 2019; 121 min.
Superheldenfilm

Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) wohnt mit seiner Mutter (Frances Conroy) in einem schäbigen Apartment in Gotham City und möchte Komödiant werden. Dabei kommt ihm jedoch sein zwanghaftes Lachen in die Quere. Nachdem er verprügelt wird und ihn Talkshowmoderator Murray Franklin (Robert De Niro) als lächerlichen Wurm vorführt, schlägt Fleck als Joker zurück.

Regisseur Todd Phillips («Hangover») lässt allen Superhelden-Ballast aus den Batman-Filmen weg und inszeniert sein Werk als Hommage an den frühen Martin Scorsese: Wir sehen einen mit Depressionen kämpfenden Helden, der in feindseliger Umgebung eher zufällig zur Galionsfigur der Ungeliebten und Unverstandenen avanciert. Wie der ausgemergelte Joaquin Phoenix diesen Joker spielt, ist ein Erlebnis von nachhallender Kraft. (zas)

Abaton, Arena, Arthouse Alba, Corso, Houdini, Kosmos, Metropol

Der neuste Joker: Joaquin Phoenix in «Joker» (2019)

PavarottiVon Ron Howard, USA 2019; 114 min.
Dokumentarfilm

Luciano Pavarotti auf der Opernbühne, als einer der drei Tenöre, mit Bono, im Interview, unter der Dusche; Pavarotti als Sohn, Partner, Vater, als junger schlanker Sänger und als Ikone im wallenden Hemd: Der Dokfilm zeigt den 2007 verstorbenen Startenor wirklich von allen Seiten. Und er lässt auch jene zu Wort kommen, die ihn kannten: seine Agenten, seine Töchter, seine beiden Ehefrauen, seine Geliebte.

Regisseur Ron Howard («Apollo 13») schwelgt durchaus nicht nur in der enormen Menge an Material. Klug strukturiert, erzählt sein Film von einem Ausnahmesänger, der Höhen und Tiefen kannte -- und das Talent hatte, Kritiken einfach wegzulächeln.(suk)

Arthouse Piccadilly

Sänger und Ikone: Luciano Pavarotti. Video: Youtube/Pathe Films

Wir ElternVon Eric Bergkraut und Ruth Schweikert, CH 2019; 96 min.
Drama

Eine Überbauung in Zürich. Zwei Teenagerjungs schwänzen die Schule und lassen in der Wohnung überall Dreckkrusten zurück. Die überforderten Eltern fluchen, flüchten sich in therapeutische Gespräche. Als auch das nichts hilft, entscheiden sie sich, ihre Söhne sich selbst zu überlassen.

Wie soll man das nennen, ein satirisches Selbstporträt einer Wohlstandsgesellschaft, die ihren Kindern zu viel erlaubt? Dokumentarfilmregisseur Eric Bergkraut und Schriftstellerin Ruth Schweikert spitzen den eigenen Familienalltag zu, Vater und Teenager spielen ihre Rollen selber. Aus Realitätsmaterial wird Familienkomödie mit hohem Wahrheits- und Unterhaltungswert – bei aller Verschärfung von Erziehungsproblemen kommt diese schnell abgedrehte Dokufiktion nämlich ganz locker daher. (blu)

Arthouse Movie, Riffraff

Abbild der Wohlstandsgesellschaft: Die Dokufiktion «Wir Eltern». Video: Youtube/p.s. 72 productions

Erstellt: 09.10.2019, 18:05 Uhr

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