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Die Suche nach dem dritten Geschlecht

Die Doku «Katoey» porträtiert drei Transfrauen in Thailand. Sind dort die Leute toleranter?

Blick in die Ferne: die Bäuerin Pe Rak ist integriert, aber einsam.
Blick in die Ferne: die Bäuerin Pe Rak ist integriert, aber einsam.

Dokumentarfilm Eine Überlieferung der buddhistischen Genesis besagt, dass die Ureltern – Pu Sangaiya und Nang Itthang – drei Kinder hatten: ein Junge, ein Mädchen und eines dazwischen. Diese Urgeschichte motivierte Regisseur Stefan Jung dazu, sich in Thailand auf die Suche nach diesem dritten Geschlecht zu machen mit der Frage im Hinterkopf, ob die thailändische Gesellschaft dadurch toleranter sei.

Während vier Jahren begleitete er drei Transfrauen, die sich selber als Katoey, als «Zwitter», bezeichnen. Die geschlechtsangleichende Operation steht in ihrem Leben nicht im Mittelpunkt – oft, weil schlicht das Geld fehlt. Und so bleiben die Körper irgendwo im weiten Kontinuum zwischen männlich und weiblich angesiedelt.

Auf der Suche nach dem dritten Geschlecht: Regisseur Stefan Jung mit seinem Dokumentarfilm «Katoey: The Women We Are». Video: Vimeo/stefan jung

Es ist ein kleiner Film, der nur die drei Frauen zu Wort kommen lässt und sie in ihrem Alltag begleitet. Eine ist Lehrerin an einer Mädchenschule, eine andere Coiffeuse und die dritte eine Bauersfrau, die mit ihrem alten Vater und dem jungen Freund zusammenlebt. Alle drei hatten es nicht einfach im Leben, sie werden aber in ihrer Einzigartigkeit akzeptiert und sind integriert.

Trotzdem umgibt die drei Frauen eine Traurigkeit, die wohl einer gewissen Einsamkeit entstammt. Die Bauers­frau erzählt einmal, Katoey seien treuer und loyaler gegenüber ihren Männern als «normale» Frauen, und darin zeigt sich bereits das Dilemma: Wer keine richtige, funktionierende Frau ist, muss dieses Manko durch mehr Aufmerksamkeit ausgleichen.

Stefan Jung kann seine Fragestellung, ob die thailändische Gesellschaft toleranter sei, weil in ihrer Gene­sis ein drittes Geschlecht vorkommt, nicht beantworten. Aber eines zeigt der Film eindrücklich: dass jedes Leben und jeder Körper in seiner Einzigartigkeit faszinierend ist. Und dass es sich lohnt, davon zu erzählen.

Arthouse Piccadilly Stadelhofen 16.15 Uhr, Do–Sa / Mo–Mi 18.50 Uhr, So 19.30 Uhrwww.arthouse.ch

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