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Die Welt geht in den Ferien unter

Weil viele Kurzfilmfestivals abgesagt wurden, gibts jetzt als Alternative das «My Darling Quarantine Short Film Festival».

Gregor Schenker
Im Kurzfilm «Postcards from the End of the World» verbringt ein Paar Ferien am Badestrand, als die Zivilisation zusammenbricht.
Im Kurzfilm «Postcards from the End of the World» verbringt ein Paar Ferien am Badestrand, als die Zivilisation zusammenbricht.

Dimitra und Dimitris sind zusammen in den Ferien; es ist schon das vierunddreissigste Mal. Sie haben für sich und ihre beiden Töchter ein Häuschen auf einer Badeinsel gemietet. Diese Ferien sind aber alles andere als idyllisch, denn die Eheleute sind vom Familienalltag längst angeödet. Wenn sie am Sandstrand sitzen, sehen sie bloss, wie viel glücklicher andere Leute miteinander sind. «Auf dem Weg vom Strand zu ihrem Airbnb wünschen sich Dimitra und Dimitris insgeheim, dass etwas passiert. Irgendwas», sagt der Erzähler. «Zufällig ging noch am gleichen Abend die Zivilisation unter.»

«Postcards from the End of the World» läuft im Rahmen des «My Darling Quarantine Short Film Festival». Aufgrund der Corona-Krise mussten mehrere Kurzfilmfestivals abgesagt werden, woraufhin das Onlinemagazin «Talking Shorts» diese digitale Alternative organisierte. Festivals aus der ganzen Welt – darunter auch die Kurzfilmtage Winterthur – senden Beiträge ein, jede Woche werden sieben davon auf der Website präsentiert. Das Publikum kann jeweils in einer Abstimmung einen Gewinner bestimmen, und es kann Geld für einen guten Zweck spenden. Die Erträge gehen zur Hälfte an Ärzte ohne Grenzen und zur Hälfte an Projekte, die Kulturinstitutionen in finanzieller Not unterstützen.

My Darling Quarantine fing am 16. März an und soll weiterlaufen, solange die Krise andauert. Dabei lautet das Thema «Dystopie», die Kurzfilme drehen sich also um Weltuntergänge, Zombie-Apokalypsen und düstere Zukunftsvisionen. Ein bisschen morbide ist das schon, aber es passt zweifellos zur gegenwärtigen Lage.

In «Postcards from the End of the World» beginnt der Weltuntergang damit, dass Internet und Fernsehen ausfallen. Daraufhin heisst es, dass die tägliche Fähre nicht gekommen sei. Die Menschen werden panisch, kämpfen um die wenigen Fahrzeuge auf der Insel. Dimitra und Dimitris versuchen alles, um mit ihren Kindern den Hafen zu erreichen – in der Hoffnung, dass doch noch ein Schiff kommt.

Der griechische Regisseur Konstantinos Antonopoulos parodiert mit seinem Kurzfilm die Misere des kleinbürgerlichen Alltags. Da führt das Ende der Zivilisation dazu, dass Dimitra und Dimitris die herrliche Aussicht gar nicht mehr geniessen können. Obwohl diese auf Tripadvisor 4,5 Punkte erhalten hat, wie der Erzähler sagt.

My Darling Quarantine Short Film FestivalAb Mo 16.3. bis auf Weiteres.

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