Die Zürcher Kinowoche

Neue Geister, alte Bankräuber, 90er-Revival und ein Film zu Van Gogh versprechen cineastische Abwechslung.

Der Rechtsanwalt (Elyas M’Barek) konfrontiert mit seinem Gewissen.

Der Rechtsanwalt (Elyas M’Barek) konfrontiert mit seinem Gewissen.

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The Curse of La LloranaVon Michael Chaves, USA 2019; 93 min.
Horror

Los Angeles im Jahre 1973: Anna (Linda Cardellini) hat einen Sohn und eine Tochter. Um die beiden muss sie sich seit dem Tod ihres Mannes allein kümmern. Da stösst die Sozialarbeiterin bei einem ihrer Fälle auf den Geist einer Kindsmörderin: La Llorona, die weinende Frau. Diese stürzt sich nun auf Annas Nachwuchs.

Überraschungen bietet der neuste Beitrag aus dem «Conjuring»-Universum keine: Die Grundzüge der Handlung oder die Machart der Schockeffekte sind aus den Vorgängerfilmen sattsam bekannt. Immerhin hat «The Curse of La Llorona» genug Tempo und Humor, um trotzdem ganz gut zu unterhalten. (ggs)

Abaton, Arena, Metropol

Angst vor der Kindsmörderin: «The Curse of La Llorana» von Michael Chaves. Video: YouTube/WarnerBrosSwitzerland

Der Fall ColliniVon Marco Kreuzpaintner, D 2019; 118 min.
Krimi

Ein junger Rechtsanwalt (Elyas M’Barek) gerät in einen Gewissenskonflikt: Sein neuer Mandant Fabrizio Collini (Franco Nero) hat seinen früheren Ziehvater, einen angesehenen Industriellen, kaltblütig ermordet. Zudem ist die Enkelin des Mordopfers seine frühere Geliebte.

Aber da er emotionalen Stress mag und der Film sonst keine innere Spannung hätte, ignoriert er jede Befangenheitsklausel und stürzt sich kopfüber ins Vergnügen. Ein nicht immer logisches, aber durchaus spannendes Justizdrama nach dem Roman von Ferdinand von Schirach. (SZ)

Abaton, Arena, Corso

Gewissenskonflikte im Justizdrama: Video: Der «Fall Collini» von Marco Kreuzpaintner. YouTube/Praesens - Film

King of ThievesVon James Marsh, GB 2018; 108 min.
Krimi

Was Panzerknacker unter einer Pensionskasse verstehen: Angeführt von einem verbitterten Mittsiebziger (Michael Caine), dem die Frau verstorben ist, bohren ein paar in die Jahre gekommene Ganoven ein Loch zu einem Tresorraum in London. Ihnen gelingt der grösste Raub in der Geschichte Englands.

Nach einem erfolgreichen Überfall kann immer noch manches schiefgehen. Davon erzählt der auf wahren Begebenheiten basierende Film, der auch ein Beispiel dafür ist, was beim Filmemachen alles schiefgehen kann. Inkonsistente Figuren, ein unentschiedener Erzählton und Durchhänger in der Dramaturgie sind nur einige der Probleme, die Regisseur James Marsh («The Theory of Everything») nicht knacken kann. (ase)

Arena, Capitol

Ganoven-Krimi: «King of Thieves» von James Marsh. Video: YouTube/Impuls Movies

Mid90sVon Jonah Hill, USA 2018; 85 min.
Drama

Los Angeles Mitte der Neunziger, der grosse Stillstand. Stevie (Sunny Suljic) ist dreizehn, Skateboarding auf den Strassen und in Hinterhöfen ist seine grosse Leidenschaft, langsam schafft er es, dass eine Gruppe Skate-Jungs ihn als Kumpel aufnimmt. Sie nennen ihn Sunburn.

Dieser Film über einen Aussenseiter ist die erste Regiearbeit von Schauspieler Jonah Hill. Lucas Hedges («Boy Erased») spielt Stevies älteren Bruder, der seine Unsicherheit und Einsamkeit hinter ruppigen Attacken auf den Jüngeren verbirgt. Sich auf ein Skateboard zu schwingen, bringt einen auch nicht wirklich von der Stelle. (SZ)

Riffraff

Skateboard-Boys aus den 90ern: «Mid90s» von Jonah Hill. Video: YouTube/Filmcoopi Zürich

Passion: Zwischen Revolte und ResignationVon Christian Labhart, CH 2019; 80 min.
Dokumentarfilm

«Was ist geblieben von meiner Utopie?», fragt sich der Zürcher Regisseur Christian Labhart. Er blickt zurück auf die Suchbewegungen seines Lebens: 68er-Revolte, Anti-AKW-Demos, 80er-Jugendunruhen. Dazu zeigt er Bilder aus der Gegenwart, unterlegt von Bachs Matthäus-Passion. Antworten sucht Labhart in Texten von Bertolt Brecht, Ulrike Meinhof oder Slavoj Žižek.

Der Regisseur stellt sich viele Fragen, doch man erfährt wenig über ihn. Die Doku-Aufnahmen des globalisierten Kapitalismus vom argentinischen Schlachthaus bis zur Tokioter U-Bahn sind zwar eindrücklich, doch ihre Auswahl wirkt beliebig. Die linke Selbstbefragung hätte an Dringlichkeit gewonnen, wäre das Persönliche deutlicher im Fokus. (pos)

Arthouse Movie, Xenix

Eindrückliche Bilder aus der Vergangenheit: «Passion: Zwischen Revolte und Resignation». Video: YouTube/looknowfilm

Die sagenhaften VierVon Christoph und Wolfgang Lauenstein, D/B 2018; 92 min.
Kinderfilm

Eine Katze mit Faible für Kriminalfälle, ein Hahn, der statt Hühner zu begatten lieber Yoga macht, ein ängstlicher Wachhund und ein Zebra, das zum Zirkus will, bilden die schräg sympathische Schicksalsgemeinschaft, die sich hier auf Gangsterjagd begibt.

Obwohl sich der Plot in den originellen Details leider etwas verheddert, kann man in dem von den Bremer Stadtmusikanten inspirierten Animationsfilm dennoch über manch witzigen Spruch der Aussenseitergang schmunzeln. (SZ)

Abaton, Capitol, Houdini, Kosmos, Stüssihof

Erinnert an die Bremer Stadtmusikanten: der Animationsfilm «Die sagenhaften Vier». Video: YouTube/Impuls Movies

Van Gogh: At Eternity’s GateVon Julian Schnabel, USA/F 2018; 111 min.
Biopic

Vincent van Gogh (Willem Dafoe) verbringt seine letzten Lebensjahre in Arles. Er streift durch die Landschaft, malt wie ein Besessener, müht sich mit den Menschen ab und kämpft mit seinen inneren Dämonen. Bis zum überraschenden Schluss rund um seinen – vermeintlichen – Suizid.

Noch ein Spielfilm über van Gogh? Brauchts das? Ja, weil das der erste ist, der von einem Künstler gedreht wurde. Der Maler und Filmemacher Julian Schnabel fühlt sich Vincent seelenverwandt und lässt uns durch dessen Augen sehen. Willem Dafoe war für seine Darstellung van Goghs zurecht für den Oscar nominiert; unser heimlicher Favorit aber ist Mads Mikkelsen – als der sexieste Geistliche der jüngeren Filmgeschichte. (psz)

Arthouse Alba, Kosmos

Durch die Augen eines Künstlers: «Van Gogh: At Eternity’s Gate» von Julian Schnabel. Video: YouTube/DCM

Walking on WaterVon Andrey Paounov, USA/I 2018; 100 min.
Dokumentarfilm

2016 realisierte Christo, der Künstler, der mit seiner 2009 verstorbenen Frau schon den Bundestag in Berlin oder die Berner Kunsthalle verhüllt hatte, ein weiteres Grossprojekt auf dem italienischen Lago d’Iseo: ein mehrere Kilometer langer Pier aus orangem Stoff, auf dem die Besucher über das Wasser gehen konnten.

Ungeschönt wird dokumentiert, wie das Kunstprojekt entstand. Dazu gehören ein wenig zimperlicher Christo, der regelmässig seine Mitarbeiter beleidigt, und ein Team, das mit dem Künstler und schliesslich dem Besucheransturm überfordert ist. Das ist eindrücklich, zeitweise aber verwirrend, da Infos aus dem Off fehlen. Und teilweise sind die Szenen etwas gar lang. (aho)

Arthouse Movie

Dokumentiert ein Kunst-Grossprojekt: «Walking on Water» von Andrey Paounov. Video: YouTube/mythenfilm

(Züritipp)

Erstellt: 18.04.2019, 10:40 Uhr

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