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Diese Filme laufen diese Woche an

Ein Vater sucht seinen Sohn in Syrien, und «Atlantique» erzählt die Geschichte zweier Frauen in Dakar. Das Neuste im Kino.

Sehnsüchtiger Blick: Die junge Frau hofft auf ein besseres Leben.
Sehnsüchtiger Blick: Die junge Frau hofft auf ein besseres Leben.

Atlantique

Von Mati Diop, Sen 2019; 104 min.Drama

In Dakar bauen Arbeiter ein Hochhaus, doch als sie um ihren Lohn betrogen werden, flüchten sie übers Meer in ein besseres Leben. Zurück bleiben ihre Freundinnen, unter denen plötzlich eine seltsame Krankheit ausbricht.

Was für eine wunderbare Geistergeschichte! Die französisch-senegalesische Regisseurin Mati Diop hat eine traumähnliche afrikanische Fantasy-Variante gedreht und viele atmosphärische Bilder gefunden, um die Tragödie der Verschwundenen und das Meer als Raum von Sehnsucht und Bedrohung zu fassen zu kriegen. Surreal schön. (blu)

Al-Shafaq

Von Esen Isik, CH 2019; 98 min.Drama

Als der Vater (Kida Khodr Ramadan) den ihm entgleitenden Sohn dazu anregt, sich wieder mehr mit dem Islam zu befassen, verlieren die Eltern ihn erst recht. Die Suche nach dem verschwundenen Kind führt den Vater in das türkisch-syrische Grenzgebiet, wo er mit den Konsequenzen der Handlungen des Sohnes in der Form eines Flüchtlingsjungen konfrontiert wird. Esen Isik hat sich sehr ausführlich mit der Thematik der jugendlichen Terroristen auseinandergesetzt und erzählt davon aus unterschiedlichen Perspektiven. Das ist bereichernd, aber in seiner Fülle auch etwas verwirrend. (msw)

Auf der Suche nach ihrem Sohn: Der Vater Abdullah (Kida Khodr Ramadan) aus Zürich. Video: Vimeo/Outside the Box

Bayala: Das magische Elfenabenteuer

Von Aina Järvine, D/L 2019; 79 min.Kinderfilm, ab 0 Jahren

In der Elfenwelt Bayala welken die Pflanzen, das Eis schmilzt, und Drachen gibt es auch keine mehr. Daran ist jedoch nicht der Klimawandel schuld, sondern eine böse Königin mit Allmachtsfantasien. Eine Elfenprinzessin stellt sich ihr entgegen, und ein Drachenei soll ihr dabei helfen, Bayala zu retten.

Der Animationsfilm basiert auf den Elfenfiguren des deutschen Spielzeugherstellers Schleich und kommt ohne grössere Überraschungen aus. Stattdessen hat «Bayala» etwas von einer Sortimentsvorstellung. Aber der Film soll schliesslich auch ein paar neue Produkte in die Kinderzimmer befördern. (SZ)

Madame

Von Stéphane Riethauser, CH 2019; 93 min.Dokumentarfilm

«Bist du noch da oder schon in den Wolken?», scherzt die Grossmutter des Filmemachers einmal auf seinen Anrufbeantworter. Die alte Dame Caroline und den Enkel Stéphane eint eine innige Beziehung. Schon als Jugendlicher hielt er diese mit der Kamera fest. Nun entspinnt er in dokumentarischer Annäherung das Leben der mutigen Grossmutter und die Geschichte des eigenen Coming-outs.

Stéphane Riethauser erzählt eine doppelte Emanzipationsgeschichte: Er und seine Grossmutter sprengten beide die engen Grenzen der jeweiligen Geschlechterrollen im Genfer Bürgertum. Die intimen Aufnahmen aus dem Familienarchiv verwebt er mit Respekt, spielerischem Rhythmus und analytischer Tiefe. Das ist bewegend, niemals rührselig, immer wieder heiter. Ein hoffnungsvoller Film. (pos)

Das perfekte Geheimnis

Von Bora Dagtekin, D 2019; 118 min.Komödie

Bei einem Dinner müssen drei Paare und ein Single, alte Freunde, ein Spiel spielen: Für diesen Abend wird jede eingehende Handynachricht miteinander geteilt. Kaum liegen alle Telefone auf dem Tisch, geraten etliche Beteiligte in Panik. Sie wissen, dass ihnen gleich Affären, Mobbing und Nacktfotos um die Ohren fliegen werden. Bora Dagtekins Komödie ist beredt wie eine französische, fies wie eine amerikanische und so spontan lustig wie keine deutsche in diesem Jahr. (SZ)

The Report

Von Scott Z. Burns, USA 2019; 119 min.Politthriller

Daniel Jones (Adam Driver) ermittelt im Auftrag von US-Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening) die Befragungen von 9/11-Terrorverdächtigen durch ein CIA-Sonderteam. Nach fünf Jahren legt Jones einen erschütternden Bericht vor. Doch die CIA und das Weisse Haus versuchen alles, um die Publikation zu verhindern.

Scott Z. Burns, langjähriger Drehbuchautor von Steven Soderbergh, greift einen brisanten Fall auf. Auf der Leinwand sehen wir dann aber meist Entscheidungsträger hinter Pulten sitzen, wo sie mit erhobener Stimme etwas Mahnendes zur politischen Lage sagen. Das wirkt konstruiert, und das Erschütterndste zu diesen Folterknechten erfahren wir erst im Abspann: «Keiner dieser CIA-Mitarbeiter wurde angeklagt, viele wurden befördert, und einer ist jetzt CIA-Chef.» (zas)

Sorry We Missed You

Von Ken Loach, GB/F/B 2019; 101 min.Drama

Dem Traum vom Eigenheim zuliebe heuert ein Familienvater (Kris Hitchen) als Paketzusteller an. Seine Frau (Debbie Honeywood) arbeitet als Altenpflegerin. Beide haben zermürbende Arbeitszeiten, die ihnen kaum erlauben, sich um ihre halbwüchsigen Kinder zu kümmern.

Auch mit 83 tut Ken Loach zuverlässig das, was er am besten kann: uns Anteil nehmen lassen an den prekären Lebensbedingungen anderer. Mithilfe seines langjährigen Drehbuchautors Paul Laverty und dank exzellenter Schauspielerführung gelingen ihm liebevoll gezeichnete, lebensechte Figuren. Humor hat da Platz, Sentimentalität nie. (jum)

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