Diese Filme laufen in den Zürcher Kinos an

Darfs biografisch oder fantastisch sein? So geht es einerseits um das Leben des DDR-Sängers Gerhard Gundermann oder um einen japanischen Komponisten. Auf der anderen Seite gibts böse Aliens und eine Don-Quijote-Adaption.

Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) ist Baggerfahrer, Liederschreiber und Stasi-Spitzel.

Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) ist Baggerfahrer, Liederschreiber und Stasi-Spitzel.

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Chris the SwissVon Anja Kofmel, CH/Kro/D 2018; 90 min.

Dokumentarfilm 1992 fand man den Schweizer Journalisten Christian Würtenberg erwürgt auf einem kroatischen Acker. Es war die Zeit der jugoslawischen Bürgerkriege, und der Tote trug die Uniform eines antiserbischen Söldnertrupps. Nun hat Würtenbergs Cousine den Lebensweg zu diesem Sterben nachgezeichnet. Sie hat dabei Animation und Realbild kombiniert.

Ein Film voller Trauer und Zuneigung. Aber das hartnäckige Wissenwollen musste die Möglichkeit aushalten, dass der Ermordete vielleicht auch ein Mörder gewesen ist. Und so wurde es ein präziser, kunstvoller Nachruf, in dem über einen Toten nicht nur Gutes gesagt werden konnte. (csr)

Houdini, Kosmos, Stüssihof

Video: Youtube/First Hand Films

GundermannVon Andreas Dresen, D 2018; 128 min.

Biopic Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) ist ein Baggerfahrer aus der DDR, der Lieder schreibt. Vor allem aber ist er ein Mann, der an sich selbst zerbricht, weil er sein Umfeld jahrelang für die Stasi ausspioniert hat.

Ein Riesenbagger, der Kohle aus der Landschaft frisst: Regisseur Andreas Dresen findet für seinen widersprüchlichen Helden ikonische Bilder, die nichts Ikonisches an sich haben. Das Panorama zielt auf die innere Last von Gundermann. Dieser wird von Alexander Scheer ebenso impulsiv wie introvertiert verkörpert. Ein gewaltiges Kinoerlebnis. (zas)

Arthouse Uto, Riffraff

Video: Youtube/Filmcoopi Zürich

The Man Who Killed Don QuixoteVon Terry Gilliam, GB 2018; 132 min.

Drama Ein Werbefilmregisseur (Adam Driver) ist zurück in Spanien, um einen Spot für russischen Wodka zu drehen. Da läuft ihm ein alter Schuhmacher (Jonathan Pryce) über den Weg, den er vor fünfzehn Jahren in einem ehrgeizigen Spielfilm als Don Quijote besetzt hatte.

Jetzt ist es also da, das Lebensprojekt von Terry Gilliam, an dem das ehemalige Monty-Python-Mitglied 25 Jahre lang gearbeitet hat. Klar schaut man die Entstehungsgeschichte mit, fragt sich zum Beispiel bei der Ansicht von blauem Himmel, wo die Düsenflugzeuge bleiben, die beim ersten Drehversuch die Aufnahmen gestört hatten. Doch bald nimmt einen die überbordende Fantasie des Regisseurs gefangen – wuchtig, laut, manchmal unstrukturiert und dann wieder wunderschön. (ml)

Arthouse Le Paris

Video: Youtube/AscotElite

Mile 22Von Peter Berg, USA 2018; 94 min.

Action Ihre amerikanische Staatsbürgerschaft haben sie abgegeben, um sich einer «höheren Form des Patriotismus» zu widmen: Die Paramilitärs einer kleinen Spezialeinheit machen besonders geheime und schmutzige Einsätze für die USA, Mark Wahlberg spielt den Chef. Jetzt soll die Gruppe einen Doppelagenten aus Indonesien ausfliegen, durch den unablässigen Kugelhagel der Locals.

Chaotisch, idiotisch und von Regisseur Peter Berg («Battleship») schlecht chorografiert. Wie lange kann man Funkverkehr à la «Mutter, das Paket ist unterwegs» anhören, ohne laut aufzulachen? (SZ)

Abaton, Arena, Capitol

Video: YouTube/Impuls Movies

Place publiqueVon Agnès Jaoui, F 2018; 98 min.

Komödie Eine Hauseinweihungsparty der oberen Zehntausend in der französischen Pampa. Anwesend sind etwa ein alternder TV-Moderator (Jean-Pierre Bacri), dessen Ex-Frau (Agnès Jaoui) und ein junger Youtube-Influencer (Mister V). Doch hinter der Feier-Fassade ist nicht alles fröhlich.

Die Kamera ist stets in Bewegung, hüpft von Grüppchen zu Grüppchen, einige Anwesende lernt der Zuschauer besser kennen, man merkt, sie hadern mit dem Alter. Mit der Liebe. Oder mit beidem. Der Alkohol fliesst, getanzt wird zusehends ausgelassener, der Ort ist wunderschön, doch die Leute bleiben mittelspannend. Als sich die Party dem Ende zuneigt, ist das in Ordnung. (aka)

Arthouse Piccadilly

Video: YouTube/freneticfilms

The PredatorVon Shane Black, USA 2018; 107 min.

Science-Fiction Der Soldat Quinn (Boyd Holbrook) verfolgt einen Geheimauftrag in Mexiko, als ihm fast ein Raumschiff auf den Kopf fällt. Und schon steckt er mittendrin in einem Konflikt zwischen irdischen Spezialagenten und ausserirdischen Jägern.

Regisseur Shane Black wurde bekannt als Drehbuchautor der «Lethal Weapon»-Reihe – und so hat er auch den sechsten «Predator»-Film als amüsante Actionkomödie nach alter Schule aufgezogen. Allerdings spielt im Film der autistische Sohn des Helden eine zentrale Rolle. Und wie fast immer, wenn Hollywood von Autisten erzählt, wird es sehr schnell sehr dumm. (ggs)

Abaton, Arena, Metropol Video: Youtube/20th Century Fox Switzerland

Ryuichi Sakamoto: CodaVon Stephen Nomura Schible, Jap 2017; 102 min.

Dokumentarfilm Wer ist Ryuichi Sakamoto? Dieser Dokumentarfilm zeigt den japanischen Musiker in Bild und Ton. Sakamoto ertastet zum Beispiel ein beschädigtes Klavier, das nach einem Tsunami und Erdbeben im Wasser trieb. Wir sehen ihn bei Anti-Atom-Protesten nach Fukushima, und wir verfolgen, wie er in der Arktis das Abfliessen von jahrhundertealtem Gletscherwasser sampelt.

Züritipp Regisseur Stephen Nomura Schible hat ein intimes, aber unaufdringliches Porträt des Techno-Pop-Pioniers («Yellow Magic Orchestra») und Filmkomponisten («The Revenant») abgedreht. Aber vor allem: ein bestechendes Dokument über künstlerisches Schaffen. (bsc)

Houdini

Video: Youtube/MUBI

Utøya 22. JuliVon Erik Poppe, No 2018; 90 min.

Drama Am 22. Juli 2011 überfällt Anders Breivik auf der Insel Utøya ein Sommercamp und erschiesst 69 Jugendliche. Die 18-jährige Kaja (Andrea Berntzen) ist eine von 500 Teenagern, die sich vor den Schüssen in Sicherheit bringen.

Regisseur Erik Poppe zeigt Breivik nur kurz als Silhouette, weil er den Fokus auf die Opfer verschieben wollte. Gefilmt ist sein Terrordrama als Plansequenz, die Spannung hat etwas Atemloses: überleben oder sterben. Es klingt einfach alles furchtbar falsch: Aus Respekt vor den Toten hat Poppe auf der Nachbarinsel von Utøya gedreht, nur strotzt das Drehbuch vor miesen Horrorfilmklischees, die auf Schockwirkung zielen. Da geht das Kino über Leichen. (blu)

Arena, Riffraff Video: Youtube/Weltkino Filmverleih

Wo bist du, João Gilberto?Von Georges Gachot, CH/D/F 2018; 107 min.

Dokumentarfilm Seit 30 Jahren führt der brasilianische Musiker João Gilberto, der Begründer des Bossa Nova und Komponist des Welthits «The Girl from Ipanema», ein gespenstisches Leben in einem Apartment in Rio de Janeiro. Er schläft während des Tages, geht kaum ans Telefon und kommuniziert mit der Aussenwelt, indem er kleine Zettel unter der Tür durchschiebt; während der Nacht spielt er für die Katzen seine Musik.

Dieser Film erzählt von den angestrengten, gelegentlich sogar peinlichen Versuchen, den Mythos aus seinem bescheidenen Exil herauszulocken. Dabei bleibt die wichtigste Frage offen: Könnte man den alten Musiker nicht einfach in Ruhe lassen? (pfb)

Arthouse Movie

Video: YouTube/Georges Gachot (Züritipp)

Erstellt: 12.09.2018, 17:24 Uhr

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