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Diese Filme sehen sie diese Woche

Will Smith kämpft gegen seinen eigenen Klon und ein Neunjähriger lässt sich nicht erziehen. Das Neuste im Kino.

Redaktion Kino
Er ist wieder im Einsatz: Will Smith kämpft diesmal gegen seinen Klon.
Er ist wieder im Einsatz: Will Smith kämpft diesmal gegen seinen Klon.

Gemini Man

Von Ang Lee, USA 2019; 117 min.Thriller

Ein Auftragskiller in Regierungsdiensten (Will Smith), mag keine Spiegel – bis er es eines Tages mit einem ganz besonderen zu tun bekommt: Gerade will er sich zur Ruhe setzen, da wird er von einer geklonten, jüngeren Version seiner selbst gejagt. Ang Lee («Crouching Tiger, Hidden Dragon») zeigt in seinem neuen, virtuos inszenierten Film die amerikanische Kriegskultur als virtuelle Spektakelwelt, in der aber selbst der digitale Killer-Klon (gespielt von einem computertechnisch verjüngten Will Smith) eine Seele hat. (SZ)

Best of Fantoche 2019

Von diversen Regisseurinnen und Regisseuren; 89 min.Animation

Anfang September fand das Animationsfilmfestival Fantoche in Baden statt; in Zürich sind nun die besten Kurzfilme aus dem Programm zu sehen. «Daughter» zum Beispiel gewann im internationalen Wettbewerb. Da gehts um eine junge Frau, die im Krankenhaus am Bett ihres sterbenden Vaters steht und sich an ihre Kindheit erinnert. Ein bewegender Puppenanimationsfilm, gedreht in einem beeindruckend wilden Stil. (ggs)

So 21 Uhr Vorpremiere, Houdini Mo – Mi, Riffraff

For Sama

Von Waad al-Kateab und Edward Watts, GB/USA 2019; 95 min.Dokumentarfilm

Wie sieht ziviles Leben inmitten eines Kriegsgebietes aus? Die junge Frau Waad al-Kateab filmte es in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo. Aus ihren Aufnahmen entstand dieses Video-Tagebuch über das Grauen und die ihm abgetrotzte Normalität.

Es geht zweifellos an die Nieren, was diese Erzählung aus erster Hand uns an herzzerreissenden Geschehnissen vor Augen führt. Ebenso zweifellos hat dieses Dokument, so schlicht im Konzept und durchschlagend in der Ausführung, sich unsere Aufmerksamkeit verdient. (jum)

Einblick ins Unvorstellbare: Die Dokumentation geht jedem nahe. Video: Vimeo/trigon-film

Grâce à Dieu

Von François Ozon, F 2018; 137 min.Drama

Alexandre (Melvil Poupaud) ist überzeugter Katholik, aber als Jugendlicher wurde er von einem Priester missbraucht. Jetzt findet er heraus, dass dieser Mann immer noch im Amt ist und mit Kindern arbeitet. Das kann doch nur ein Missverständnis sein, denkt er. Und löst eine Lawine aus.

François Ozon ist bekannt für schrille Komödien («8 femmes») oder subtile Charakterstudien («Sous le sable»). Hier aber erzählt er mit dokumentarischer Wucht die wahre Geschichte der Opfer dieses Priesters, die sich zu organisieren beginnen. Und diejenige des französischen Kardinals Philippe Barbarin, der den Priester gedeckt haben soll. Ozon macht das ohne Schnörkel, ganz im Dienst der Sache. Das ist vielleicht nicht spektakulär, aber sehr überzeugend. (ml)

Ly-Ling und Herr Urgesi

Von Giancarlo Moos, CH 2019; 81 min.Dokumentarfilm

Die junge St. Galler Modedesignerin Ly-Ling spannt mit dem älteren Feinmassschneider Cosimo Urgesi zusammen, um Herrenanzüge herzustellen. Ly-Ling arbeitet spontan und intuitiv, während der Süditaliener sich nach traditionellen Normen richtet. Da sind Konflikte vorprogrammiert.

Die Reibungspunkte zwischen den zwei Protagonisten sorgen für einige heitere Momente. Etwa wenn der Maestro Urgesi ungefragt Ly-Lings Schnitte «korrigiert», oder ihre Arbeit kritisch über seinen Brillenrand beäugt. Eine insgesamt herzige, wenn auch gefällige Geschichte über das Aufprallen zweier Generationen und zweier Auffassungen von Mode. (dpo)

Midsommar

Von Ari Aster, USA/S/Un 2019; 143 min.Horror

Eigentlich will sich der Anthropologie-Doktorand Christian (Jack Reynor) längst von seiner Freundin Dani (Florence Pugh) trennen. Doch wegen einer Familientragödie bleibt er vorerst bei ihr und nimmt sie mit auf eine Studienreise nach Schweden. Er und seine Freunde interessieren sich für die Mittsommerfest-Traditionen einer kleinen Gemeinschaft, die isoliert in den Wäldern lebt. Diese Traditionen haben es in sich.

«Midsommar» teilt sich den groben Verlauf mit Ari Asters Debütfilm «Hereditary»: Wieder gerät eine Gruppe ahnungsloser Protagonisten in ein Ritual, das sie unaufhaltsam ins Verderben führt. Was passiert, ist also absehbar, aber der Reiz liegt darin, wie genau es dazu kommt. (ggs)

So Long, My Son

Von Xiaoshuai Wang, China 2019, 180 min.Drama

Ein Ehepaar verliert den Sohn, der beim Spielen ertrinkt. Die Frau und der Mann ziehen aus dem Norden in den Süden des Landes, adoptieren ein neues Kind. Aber dem Unglück – und dem Glück – können sie nicht so leicht entrinnen.

Drei Stunden dauert dieses grosse Fresko, und das ist keine Minute zu lang. Die äussere Handlung um die kleine Familie ist das eine, aber darin spiegelt Regisseur Wang («Beijing Bicycle») die Geschichte Chinas um das Ende der Kulturrevolution. Geschickt verwebt er das Kleine und das Grosse, springt in den Zeiten und Orten. Zu Beginn glaubt man, nichts zu verstehen, am Ende möchte man die Familie nicht mehr ziehen lassen. (ml)

Systemsprenger

Von Nora Fingscheidt, D 2019; 118 min.Drama

Benni (Helena Zengel), 9 Jahre alt, wird von einem Heim zum anderen, einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht. Sie ist ein sogenannter Systemsprenger: ein Kind, das sich nirgends integrieren kann. Immer wieder rastet sie aus heiterem Himmel aus.

Nora Fingscheidts Langfilmdebut geht an die Nieren. Wir sehen Benni von aussen, wie sie ihr Umfeld mit ihrer wilden Energie begeistert und mit ihren Aggressionen in den Wahnsinn treibt. Wir bekommen aber auch ein Gefühl dafür, wie es in ihr aussehen muss, wenn sie rot sieht und mit Fäusten nach Liebe schreit. Der Film zeigt auf höchst eindrückliche Weise, was es bedeutet, nirgends auf der Welt seinen Platz zu finden. (loe)

Und wer nimmt den Hund?

Von Rainer Kaufmann, D 2019; 89 min.Komödie

Es gibt Paare, die besuchen eine Therapie, weil sie eine Trennung verhindern wollen. Und es gibt Doris (Martina Gedeck) und Georg (Ulrich Tukur), die wild entschlossen sind, sich zu trennen, aber sich in einer Trennungstherapie begleiten lassen wollen.

Georg hat sich, ganz Midlife-Crisis, in seine dreissig Jahre jüngere Doktorandin verliebt, deswegen ist es mit der Hamburger Mittelschichts-Ehe nach 25 Jahren vorbei. Und deswegen werden Autos abgefackelt und Prügeleien zwischen ehemaligem und neuem Partner angezettelt.

Diesem Otto-Katalog der Beziehungskonfliktklischees charakterliche Tiefe zu geben, da tun sich sogar Martina Gedeck und Ulrich Tukur schwer. (SZ)

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