Diese Frau wird gehasst

Im Film «Lara» von Jan Ole Gerster spielt Corinna Harfouch eine monströse Frau, die niemand mag.

Unzufriedene Protagonistin: Auch die Geburtstagstorte kann Lara (Corinna Harfouch) nicht besänftigen.

Unzufriedene Protagonistin: Auch die Geburtstagstorte kann Lara (Corinna Harfouch) nicht besänftigen.

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Am Morgen ihres 60. Geburtstags öffnet Lara (Corinna Harfouch) das Fenster, stellt einen Stuhl davor und steigt auf das Möbel. Da läutet es an der Tür, im Flur stehen zwei Polizisten. «Wir bräuchten Sie als Zeugin für eine Wohnungsdurch­suchung.» Dafür braucht es eine Beamtin wie Lara, auch wenn sie frühpensioniert ist.

Bald darauf steht sie in der Wohnung eines Nachbarn, dessen Sohn Schwierigkeiten mit dem Gesetz hat. Aber wenn diese Störung nicht gewesen wäre, wäre die Frau dann aus dem Fenster gesprungen? Klar ist jedenfalls, dass mit Lara etwas nicht stimmt. Erst nach und nach können wir uns zusammenreimen, was es damit auf sich hat: «Lara» ist eine Persönlichkeitsstudie, aufgebaut wie ein Puzzle. Oder ein Krimi.

Kein Kontakt: Mutter und Sohn haben ein schwieriges Verhältnis. Video: YouTube/STUDIOCANAL Germany

Mit der Zeit erfahren wir, dass Lara als Mädchen eigentlich eine berühmte Pianistin werden wollte, aber an mangelndem Talent scheiterte. Umso mehr trieb sie ihren Sohn Victor (Tom Schilling) zum Klavierspiel an, und in ihm scheinen sich endlich ihre Träume zu erfüllen: Am Abend ihres Geburtstags hat er ein wichtiges Konzert, bei dem er erstmals eine eigene Komposition der Öffentlichkeit vorstellt. Allerdings hat er schon vor Wochen den Kontakt zu der Mutter abgebrochen. Ans Konzert will sie trotzdem und kauft alle rest­lichen Karten auf, die sie an die Menschen verschenkt, die ihr in den nächsten Stunden begegnen.

Wie schon der letzte Film von Regisseur und Drehbuchautor Jan Ole Gerster, «Oh Boy» (2012), so spielt auch dieser neue an einem einzelnen Tag in Berlin. Nur dass das keine leichte Komödie mehr ist, sondern ein schwarzhumoriges Drama. Corinna Harfouch spielt Lara derart monströs, dass man sich mitunter sogar in einem Psychothriller wähnt. So zum Beispiel, als die Frau ihrem ehemaligen Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung einen Besuch abstattet.

Die Reak­tion der Kollegen lässt vermuten, dass ihrer Frühpensionierung eine schlimme Episode voranging. Ihre Nachfolgerin meint dann auch: «Hat es Sie denn nie gestört, dass man Sie hier nie ausstehen konnte? Ich kenne einige, die haben Sie regel­recht gehasst.» Lara lächelt bloss und schenkt ihr eins der Konzert­tickets.

Arthouse Le Paris / Riffraff

Erstellt: 07.11.2019, 10:55 Uhr

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