Diese Kinder sind anders

Fernand Melgar hat in «A l'école des philosophes» fünf Sonderschüler aus der Westschweiz im Alltag begleitet.

Er und seine Krankheit stellen Schule und Familie vor eine Herausforderung: Der autistische Léon.

Er und seine Krankheit stellen Schule und Familie vor eine Herausforderung: Der autistische Léon.

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Niemand, der ein Kind erwartet, wünscht sich, dass es Trisomie hat oder autistisch ist. Was aber, wenn genau das passiert? Der neue Dokumentarfilm von Fernand Melgar gibt einen intimen Einblick in das Leben mit Kindern, die nicht so sind wie andere.

Der Name Philosophenschule klingt fast elitär, aber im Volksmund heisst die Ecole de la rue des Philosophes tatsächlich so. Sie ist eine Sonderschule in Yverdon-les-Bains, die von 4- bis 16-Jährigen mit allen Arten von Behinderungen besucht wird. Über ein Jahr hat der Regisseur hier gefilmt, wie es fünf neu eingetretenen Kindern einer Vorschulklasse, ihren Eltern und Betreuerinnen ergeht.

Einmal fragt der Schulleiter ein Elternpaar, was es von der Schule erwartet. «Alles!», lautet die brüske Antwort. Das reizt einen kurz zum Lachen, es lässt aber auch tief blicken: in die Erschöpfung von Eltern, die sich ­tagein, tagaus um Kinder kümmern, die kaum ansprechbar sind oder aber ständig und auch gewalttätig ­Aufmerksamkeit fordern; um Kinder, die einen seit Jahren keine Nacht durchschlafen lassen.

Gibt intime Einblicke in das Leben mit behinderten Kindern: «A l’école des philosophes». Video: Youtube/Fernand Melgar

Melgar dokumentiert das alles auf die geduldige, respektvolle Weise, die man von seinen früheren, preisgekrönten Filmen wie «La forteresse» oder «Vol spécial» kennt. Ebenso zeigt er die Arbeit der nicht minder geforderten Lehrerinnen, die jedem einzelnen Schüler die auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Betreuung zukommen lassen.

Man freut sich mit ihnen, wenn etwa ein Mädchen, das anfangs kaum auf seine Umwelt reagiert, diese stärker wahrzunehmen scheint, gar lächelt. Die Arbeit dieser Frauen ist von solch einer Ausdauer und Einfühlsamkeit, dass man ihnen einen Orden gönnen würde – oder wenigstens ein grosses Publikum.

(Züritipp)

Erstellt: 09.01.2019, 15:07 Uhr

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