Diese Spiele sind gefährlich

Das Drama «La paranza dei bambini» zeigt: Wo die Mafia herrscht, können Kinder keine Kinder sein.

Pistolen erfüllen Wünsche: Diese Buben gehören bald einem Clan an.

Pistolen erfüllen Wünsche: Diese Buben gehören bald einem Clan an.

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Schmale Gassen bilden ein mysteriöses Labyrinth mit unendlichen Fluchtwegen; zwischen den Balkonen hängt bunt und gespenstisch die Wäsche; lebens­freudige Kinder mit dunklen, wachen Augen spielen Fussball in einem Wirbel aus Lärm und Staub.

Wir sind in Neapel, genauer gesagt im Rione Sanità, jenem armen, aber liebenswürdigen Viertel, das wir aus alten italienischen Filmen kennen. Aber die Zeiten haben sich geändert, die Kinder mit den wachen Augen sind mit einem Fussball nicht mehr zufrieden.

Zum Mafioso bestimmt: Der Film erzählt die Geschichte von Teenagern in Neapel. Video: YouTube/Filmcoopi Zürich

Wie ihre Zürcher Altersgenossen träumen sie von schicken Kleidern und coolen Sneakers. Aber wie kommen sie dazu in einem armen neapolitanischen Viertel? Mit einer Waffe in der Hand. Der Mafia­experte Roberto Saviano, auf dessen gleichnamigem Roman dieser Film beruht, bringt es so auf den Punkt: Die Piostole ist für die vergessenen Söhne Neapels wie Aladins Wunderlampe – sie kann im Nu jeden Wunsch erfüllen.

Saviano, der seit der Veröffentlichung seines Buches «Gomorrha» im Jahr 2006 unter Personenschutz lebt, hat auch am Drehbuch mitgearbeitet. Und das merkt man: Die Geschichte ist so schlicht wie spannend erzählt; unnötige Gewaltorgien, wie man sie aus anderen Mafiafilmen kennt, gibt es hier glücklicherweise nicht.

Minutiös wird hingegen gezeigt, welche sozialen Mechanismen das Leben in dem Viertel regeln. Man meint zu verstehen, wieso aus den einst fröhlichen Fussballmannschaften der Kinder gewalttätige Clans wurden. Wie in einem Halbtraum wird dem Zuschauer ein neues Mittelalter offenbart – eine Welt, in der schwer pubertierende Teenager ihre Scooter apokalyptisch brummen lassen und keine Hemmungen haben, für die Kontrolle über ihr Viertel zu töten.

Im Vordergrund steht aber keine soziologische, sondern eine psychologische Frage: Was passiert mit einem Kind, das zu einem Kriminellen wird? Die Antwort darauf verraten die stets angespannten Gesichter dieser von hervorragenden Laiendarstellern gespielten mörderischen Jugendlichen – vor allem jenes des klugen Nicola (Francesco Di Napoli), der alles hätte werden können, mit fünfzehn Jahren aber schon ein gefürchteter Boss ist.

Arthouse Movie / Houdini

Erstellt: 21.08.2019, 16:19 Uhr

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