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Dieser Film zeigt, was der Kapitalismus mit Menschen macht

In «Ceux qui travaillent» wird ein Genfer Trader entlassen und erkennt, wer er wirklich ist. Dieses Schweizer Erstlingswerk ist ein Meisterwerk der Subtilität.

Frank hat das Gefühl, er sei radioaktiv: Nur die Tochter (Adèle Bochatay) hält zu ihm (Olivier Gourmet).
Frank hat das Gefühl, er sei radioaktiv: Nur die Tochter (Adèle Bochatay) hält zu ihm (Olivier Gourmet).

Frank Blanchet, sensationell gespielt vom belgischen Starschauspieler Olivier Gourmet, beginnt jeden Tag mit denselben Ritualen. Zuerst duscht er sich kalt ab, dann macht er Kaffee für seine Frau und seine Kinder, weckt die Kinder abrupt, steigt in sein Auto und fährt von seiner Villa im Grünen in das graue Genf und dort in sein Büro hoch.

Frank arbeitet als Trader. Er handelt mit Schiffen, genau genommen mit ihrer Fracht. Noch während sie ihre Ladung von Beirut, Kairo, Istanbul oder sonst woher nach Marseille schaffen, verkauft Blanchet die Ladung am Telefon weiter. Er arbeitet im oberen Kader der Firma, er ist tüchtig, aber aufbrausend, kompetent, aber besserwisserisch. Seine Kollegen bewundern seine Fähigkeiten, mögen aber seine Persönlichkeit nicht. Blanchet, ein harter Typ, ist das egal. Er ist nicht dort, um geliebt zu werden. Er macht Geld.

Seine Tochter erinnert ihn daran, wer er einmal war

Dann trifft er einen Entscheid, der moralisch nicht zu rechtfertigen ist, obwohl er ihn selbst kaltlässt. Seine Vorgesetzten, die kein bisschen besser sind als er, nehmen den Fehler zum Anlass, um ihn loszuwerden. Wie alle Geschäftsleute, die Tag und Nacht an ihre Arbeit denken und für ihre Familie und sich selbst keine Zeit mehr finden, wirft die Entlassung Frank aus dem Konzept.

Seiner Familie macht er vor, immer noch zu arbeiten, denn die ist sein Geld gewohnt, die Frau hat Wünsche, die Söhne haben Forderungen. Aber eine neue Stelle ist nicht in Sicht, es kommt Frank vor, als sei er für alle radioaktiv geworden. Die einzige Person, die unbeirrt zu ihm hält, ist seine Tochter Mathilde. Sie erinnert ihn daran, wer er einmal war.

Je länger der stille, auf grossartige Weise subtile Film des Genfer Regisseurs Antoine Russbach andauert, desto offensichtlicher wird sein Leit­motiv: «Ceux qui travaillent» macht vor, was der Kapitalismus mit den Menschen macht. Das gilt selbst für Franks Familie, die sein Verhalten ablehnt, aber nicht auf den Luxus verzichten will, den er ihr garantiert. Wie der Reichtum die Menschen verhärtet: Frank Blanchet, der Täter, erkennt es als Einziger, weil er auch sich selbst nicht schont. Wird er deswegen sein Leben ändern?

Riffraff Langstrasse/Neugasse Mo–Mi 15.40 Uhr, 18 Uhr, 21.10 Uhrwww.riffraff.ch

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